Reduzierter Mehrwertsteuersatz für Hörbücher ab 2015

Werden als nächstes E-Books günstiger besteuert?

Der Deutsche Bundestag hat gestern den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Hörbücher auf den Weg gebracht.  Ab 1. Januar 2015 werden für Hörbücher ebenso wie für gedruckte Bücher sieben Prozent statt wie bislang 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Der Börsenverein begrüßte die Entscheidung.

„Die große Koalition hat Wort gehalten und ein für uns wichtiges kulturpolitisches Ziel zügig umgesetzt. Es ist ein gutes Signal und zeigt, dass sich die Bundesregierung jetzt auch auf europäischer Ebene für den reduzierten Mehrwertsteuersatz bei E-Books stark machen wird“, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Ebenso wie das gedruckte Buch seien Hörbücher und E-Books ein Kulturgut und verdienen diese Unterstützung im Sinne der Leserinnen und Leser. Deshalb gebe es keinen Grund für eine steuerliche Ungleichbehandlung.

Der Börsenverein hatte sich in der Vergangenheit  immer wieder auch öffentlich für die Angleichung der Steuersätze ausgesprochen.

Einziger Wermutstropfen der neuen Steuerregelung für Hörbücher ist, dass Hörspiele ausdrücklich vom reduzierten Steuersatz ausgenommen sind.

Inzwischen haben sich auch CDU und SPD mit Stellungnahmen (siehe Links) zum Bundestagsbeschluss gemeldet.

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3 Kommentar/e

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  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Wie schön, machmal gibt es ja auch gute Nachrichten. Drei Fragen bzw. Anmerkungen dazu:

    1. Warum geht das bei Hörbüchern so unkompliziert und bei eBooks nicht? Sind Hörbücher der EU egal??

    2. Ich gehe mal davon aus, dass es zum Jahresende bei den betroffenen Hörbüchern jede Menge Preisänderungen nach unten gibt, sonst würden wir unglaubwürdig.

    3. Die Hörspielregel ist natürlich ein bisschen knifflig. Wie wär's, wenn Produkte, bei denen es bei 19 % bleibt, eine deutliche Kennzeichnung bekämen. Sonst fällt die Abgrenzung beim Handling schwer. Vielleicht analog der FSK-Siegel bei DVDs . . . (Auch, wenn das ein gestalterischer Sündenfall ist, vielleicht fällt den Herstellern ja was Elegantes ein!)

  • Hoerspiel-Gemeinschaft e.V.

    Hoerspiel-Gemeinschaft e.V.

    @ Herr Dausien: Punkt 2 wird wohl leider nicht eintreten, weil die Kalkulation für viele Produzenten so schwierig geworden ist, dass jetzt mehr Luft zum Atmen bleibt.

    Was uns aufregt, ist Punkt 3: die Hörspielregel. Die Unterscheidung zeigt, wie wenig die Entscheider von der Materie verstehen. Dadurch wird die Kalkulation der eh schon viel einfacher zu produzierenden Lesungen vereinfacht und die tausend Mal aufwendigere Kunstform Hörspiel nochmal unter Druck gesetzt. Da wird man sich demnächst zwei Mal überlegen, ob man ein Hörspiel produziert oder nicht doch lieber eine Lesung, die dann schon rein preislich mehr Chancen auf dem Markt hat. Vor allem sind wir gespannt, WER dann WO die Grenze ziehen wird, da es ja auch viele Mischformen gibt - von den "hörspieligen" Features gar nicht erst zu reden. Die Preisfrage lautet: Wird es dann Verlage geben, die nicht mehr "Hörspiel" auf ihre Hörspiele schreiben, sondern "dramatisierte Lesung mit verteilten Rollen"? ;-)

  • Christian Sprang

    Christian Sprang

    Lieber Herr Dausien,

    die Möglichkeit, eine bestimmte Gruppe von Waren oder Dienstleistungen umsatzsteuerrechtlich zu privilegieren, muss den Mitgliedsstaaten der EU durch eine entsprechende Richtlinie (die "Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie") eröffnet sein. Der Grund für die unterschiedliche Behandlung von Hörbüchern und E-Books liegt darin, dass für die Hörbücher die Möglichkeit der Wahl des reduzierten Umsatzsteuersatzes in der Richtlinie bereits eröffnet ist, während sie bei den E-Books erst durch den Brüsseler Richtliniengeber geschaffen werden muss. Aus demselben Grund gilt die Umsatzsteuerreduzierung bei Hörbüchern übrigens auch nur für physische Tonträger, nicht hingegen für Hörbuchdownloads. Dass die zum 1. Januar 2015 einzuführende Umsatzsteuerreduzierung nur für Tonträger mit Hörbüchern, nicht aber für solche mit Hörspielen gilt, hängt ebenfalls mit der europarechtlichen Grundlage in der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie zusammen. Die Fachleute im Bundesministerium der Finanzen, die das jetzt verabschiedete Gesetz vorbereitet haben, leiten nämlich aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs her, dass nur Hörbücher mit Lesungen umsatzsteuerrechtlich privilegiert werden dürfen.

    Natürlich ist wohl jeder in unserer Branche zutiefst überzeugt davon, dass aus kulturellen Gründen auch Hörspiele und E-Books mit verminderter Mehrwertsteuer gehandelt werden sollten, und zwar sowohl auf physischen Trägern als auch in Form des Downloads digitaler Dateien. Bis dafür in Brüssel und Berlin alle notwendigen Weichen gestellt sind, haben wir alle aber noch ein Marathonrennen vor uns, bei dem zudem jederzeit mit Rückschlägen zu rechnen ist.

    Deswegen sollten wir den Kultur- und Finanzpolitikern in Berlin dankbar dafür sein, dass sie immerhin das kurzfristig Machbare jetzt realisiert haben.

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