Reiseführer für Südeuropa

Wo die Zitronen blüh’n

Sommer, Sonne, Süden: Unwiderstehlich zieht es Millionen Bundesbürger in die südeuropäischen Gefilde. Eine Rundreise mit 14 Stationen. STEFAN HAUCK, MATTHIAS GLATTHOR

"Sein Bett sind Bücher; auf ihnen schläft er, wenn die Natur ihn zum Schlafen zwingt", schrieben zwei Benediktinerpatres über den großherzoglichen Bibliothekar Antonio Magliabecchi, den sie 1699 in Florenz besuchten. Wie Adlige unternahmen damals auch Mönche eine Grand Tour in den Süden mit dem Reiseziel Rom, um Italienisch und kulturelle Aktivitäten zu erlernen. Sie folgten demselben "Itinera Italica", wie der Titel der "Römischen Tagebücher aus dem Kloster Sankt Gallen" (Folio, 250 S., 49 Euro) lautet, die uns detailliert Kunde über Transportmittel, Essen und Staunenswertes geben.

Fast alle südwärts Reisenden haben den Weg über die Alpen genommen und schon dort eine andere Welt wahrgenommen. Der Klang von Kuhglocken, Alphorn, Jodlern und Betrufen war Kommunikation und Musik zugleich, was die Musiker von Alpin Project aufgreifen. Sie vereinigen traditionelle Klangwelten (unglaublich und beeindruckend: Tierhörner, Örgeli, Akkordeon, Hackbrett, Geige, Klarinette, Bass, Maultrommel, Klavier und Blechinstrumente) mit Beats und Elektrosounds. Auf ihrer CD "Eigernordklang" (Zytglogge, 57 Min., 29 Euro) wird Volksmusik zum Dancefloor.

Erreicht man den Schweizer Kanton Tessin, ist man definitiv im Süden. Hier wird Reis angebaut (si!), die Pflanze Kudzu wächst täglich 30 cm (si!), es gibt Geisterdörfer, alte Tabakfabriken, fast vergessene Künstlerkommunen und den Dieb, der die Mona Lisa klaute – und das sind nur sechs von insgesamt "111 Orten im Tessin, die man gesehen haben muss" (Emons, 240 S., 16,95 Euro). Ein Reiseführer, der mit Überraschungen aufwartet.

Ganz anders als die Mönche im 17. und 18. Jahrhundert können wir heute mit dem Auto nach Italien reisen. Ein wenig Nostalgie bewahren sich aber Michael Kröher und Wolfgang Groeger-Meier, die mit einem alten Porsche die historische Mille-Miglia-Strecke entlangdüsen. In neun Etappen dokumentieren sie in "Tausend Meilen Dolce Vita" (Corso, 192 S., 26,90 Euro) mit informativen Texten und faszinierenden Fotos (da möchte man sofort hin!) den Charme des Landes.

Ähnlich ist "Der kleine Toskana Verführer" (Bruckmann, 144 S., 12,99 Euro) aufgebaut, ein Lesebuch mit vielen stimmungsvollen Fotos im Taschenbuchformat, das reise­vorbereitend Lust auf Kunst, gutes Essen und Zypressenhügel macht.

Das Hauptziel der Benediktiner ist selbstverständlich auch heute noch eine Reise wert. Der Urlauber kann klassisch seine Tipps von Stefan Ulrich beziehen, der von der Schokoladenhandlung über eine sprechende Statue bis zu Kirchen seine "Rom. Lieblingsorte" (Insel, Juni, 200 S., 16 Euro) vorstellt, mit exakten Beschreibungen samt Busverbindung.

Oder er lässt sich von Marco Lodoli verführen, der uns in "Unter dem blauen Himmel Roms" (Insel, Juni, 190 S., 10 Euro) in einer sehr poetischen Sprache durch vielleicht weniger spektakuläre, aber umso atmosphärischere Orte in seiner Heimatstadt führt. Es ist fast ein Zwiegespräch, in dem uns der Autor die besonderen Momente in dieser Stadt nahebringt.

Nächste Etappe ist Sizilien, wo "Marco Polo" zum 25. Geburtstag der Marke neue Erlebnistouren zusammengestellt hat (wie bei 79 anderen Reisezielen). Mit einer kos­tenlosen App kann bei "Sizilien" (148 S., 12,99 Euro) eine Tour auf das Smartphone oder Tablet heruntergeladen werden, mit Wegpunkten, Zeitangaben, Entfernungen und Anzeige des ­eigenen Standorts. Ein Update-Service informiert über Veranstaltungen, Neuigkeiten zum Reiseziel, Änderungen von reise­relevanten Informationen (wie Öffnungszeiten oder Preise) für die kommenden sechs Monate.

Einige Kilometer südlicher lockt Malta. Vista Point zeigt die Insel, die ein eigener EU-Staat ist, in bewährter Form mit den wichtigsten Infos: einer historischen Chronik, einer Tour durch die Hauptstadt Valletta, Ausflugszielen und einem Serviceteil; das große Plus beim handtaschenkompatiblen "Malta"-Bändchen (96 S., 4,99 Euro) ist die ausklappbare Landkarte (2 cm = 1 km).

Als dritte Insel steuern wir Zypern an, die unverdientermaßen zu selten besucht wird – mit Sicherheit ein Fehler, wenn man sich Ralph-Raymond Brauns "Zypern"-Band (Michael Müller Verlag, 440 S., 19,90 Euro) durchliest. Der Reiseführer ist stark bei seinen unzähligen Adressen und Karten, ob Übernachtungen, Essen und Trinken, Nachtleben oder Sehenswertes. Der persönliche Tipp des Autors lässt auf besondere Erlebnisse hoffen.

Von Zypern setzen wir nach Norden in die Türkei über. Mit "Türkei Südküste" (Merian live, 128 S., 11,99 Euro) haben wir einen ersten Überblick über die mehr als 1 000 Kilometer lange Küstenlinie zur Hand – von West nach Ost. Eingangs werden die zehn wichtigsten Ziele genannt, dann folgen Hinweise zu Übernachtung, Essen, Einkaufen, Sport und Stränden. Im Anhang gibt es einen geschichtlichen Abriss sowie reisepraktische Hinweise. Die beigelegte Straßenkarte (1 : 1 500 000) kann nützlich sein, falls man mit einem Mietwagen liebäugelt.

Die vierte Insel auf unserer südlichen Tour liegt nun wieder westwärts: Korsika, wo man ebenso gut wandern wie schnorcheln kann und offiziell korsisch und französisch gesprochen wird. Experte für Individualreisen ist der Verlag Reise Know-How, der auch in "Korsika" (564 S., 22,50 Euro) mit einer Fülle besonderer Destinationen gut geglie­dert aufwartet. Dazwischen lockern wissenswerte kleine Kapitel die Serviceinformationen auf, von griechischen Korsen bis zum Heim für Schildkröten. Und hätten Sie gewusst, dass ein deutscher Baron 1736 König von Korsika war?

Weitaus vertrauter ist da die Insel Nummer 5: Scherzhaft wird Mallorca schon als 17. deutsches Bundesland bezeichnet, so häufig machen viele Bundesbürger dort Urlaub, rund 70 000 dauerhaft. Wie sich das Leben seit den 1950er Jahren durch den Bauboom verändert hat, hat der Fotograf Josep Planas i Montanyà als Zeitzeuge in "Mallorca clásica" (Edition Lempertz / Heel, Juli, 120 S., 29,99 Euro) festgehalten: Er dokumentiert die Schönheit der Insel ebenso wie die Grausamkeit des Betons.

Kathrin Bremer, die auf Mallorca lebt, bringt uns die 858 313 Einwohner, ihre Traditionen und Vitamin-B-Wirtschaft nahe: "Oh, diese Mallorquiner" (Conrad Stein, April, 64 S., 5,90 Euro) gibt ebenso erstaunliche wie liebenswerte Einblicke.

Eugen Ruge hat in seinem Roman "Cabo de Gata" einen Aussteiger in ein Fischerdorf am Kap der Katze geschickt – ein Geheimtipp im Südosten der Iberischen Halbinsel. In "Cabo de Gata – Mojácar – Almería" (Via Reise, 168 S., 12,95 Euro) weist uns Ulrike Wiebrecht den Weg durch eine Region, die zum Naturpark und Biosphärenreservat der Unesco erklärt wurde. Daher finden sich viele unverbaute Strände. Wüstenähnliche Hügel und Salzseen, Bergketten und Steilküsten sowie versteckte, weiß gekalkte Dörfer machen den Reiz der öden Landschaft aus.

Keinesfalls vergessen werden darf Portugal, wo im Süden die Algarve auf uns wartet. Der spiralgebundene "Baedeker Smart Algarve" (212 S., 14,99 Euro) lotst uns durch die Urlaubs­region. Zu Beginn mit einem Magazin, in dem wir einiges zu Geschichte, kulinarischen Schätzen sowie Flora und Fauna erfahren. So liest man etwa, dass zu Lebzeiten Heinrichs des Seefahrers, der selten ein Schiff betrat, 1444 in Lagos der erste Sklavenmarkt stattfand – der Beginn eines düsteren Kapitels. Im Hauptteil wird die Region dann touristisch näher vorgestellt, im Anhang finden sich ein Reiseatlas und eine beigelegte Reisekarte. Unzählige weitere wunderschöne Orte hätten wir im Süden Europas besuchen wollen, nur – mehr Urlaub geht nicht. Zum Glück gibt’s ein nächstes Jahr.

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