Startup

Eine Kiste voller Sprache

Von der Lehramts-Studentin zur Sozial-Unternehmerin: Lisa Eineter hat bereits mehrere Bildungs-Firmen mitgegründet. Mit ihrem jüngsten Startup Schmökerkisten will sie Sprachförderung in den Fachunterricht bringen VON NILS KAHLEFENDT

Die Berlinerin Lisa Eineter hat in weniger als zehn Jahren mit ihren Mitstreitern ein mittelständisches Unternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitern geschaffen, wagt eben die Ausgründung eines neuen Startups – und würde sich dennoch nicht als „Klassische Unternehmerin“ bezeichnen. „Ich bin in die Rolle hineingewachsen“, sagt sie, als wir uns an einem warmen Sommertag in einer trubeligen Büroetage nahe des S-Bahnhofs Schöneberg treffen.

„Es fehlt uns an Praxiserfahrung“, spürte Eineter, als sie Mitte der Nullerjahre  an der FU Englisch und Mathe auf Lehramt studierte – ein Befund, den sie mit vielen Kommilitonen teilte. Und auch draußen, im Schulalltag, sahen die angehenden Pädagogen Handlungsbedarf: Die Lehrer ächzen unter immer mehr Bildungsaufgaben, die an Schulen ausgelagert werden – ohne für adäquate Ausstattung zu sorgen. Die Workshops, die die Studenten an Schulen organisierten, wuchsen sich bald zu veritablen Bildungsprogrammen aus. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen Robert Greve und Jasmin Bildik gründete Eineter SWiM Bildung,  einen Bildungsdienstleister, der heute mit 200 Schulen, Unternehmen, der Kultusministerkonferenz, Unis und Schulverwaltungen zusammenarbeitet.

SWiM Bildung, als Unternehmergesellschaft (UG), eine so genannte Mini-GmbH, organisiert, versteht sich als Sozialunternehmen: Man arbeitet zwar profitorientiert, verfolgt jedoch mit dem vorgegebenen Bildungsauftrag ein soziales Ziel. So werden etwa keine Ausschüttungen vorgenommen, erzielte Gewinne fließen in neue Projekte. „Ein Konzept, das in Deutschland im Kommen ist“, erklärt Eineter. „Es gibt Wettbewerbe wie den Hidden Movers Award  oder spezielle Finanzierungsagenturen. Dennoch hat man Hürden zu überwinden, da es für diesen Ansatz, anders als in den USA, noch keine Rechtsform gibt.“ 

Schon bald wurden Projekte, die sich vom eigentlichen Kerngeschäft entfernten, in eigene Unternehmen ausgegründet: So entstanden etwa Schule PLUS, ein Online-Netzwerk, das Schulen mit externen Kooperationspartnern vernetzt, oder die e-Learning-Plattform Veedu. Und auch die Pilotphase von Lisa Eineters jüngstem Baby, Schmökerkisten, konnte über eingespielte Gewinne von SWiM Bildung finanziert werden. Entwickelt hat sich die Idee für das neue Unternehmen aus einem Sprachförderprojekt, das SWiM Bildung gemeinsam mit dem Sprachförderzentrum Berlin-Mitte anbietet. Was steckt dahinter?

Die Schmökerkisten sind thematisch sortierte Holzkisten, bestückt mit rund 30 Büchern und anderen Medien – ergänzt um selbst entwickeltes didaktisches Begleitmaterial, das den Lehrern Tools für den sprachsensiblen Unterricht an die Hand gibt. Eingekauft werden Bücher und Medien bei Großhändlern oder Verlagen; annähernd 40 Anbieter sind in der Auswahl. „In unseren Kisten stecken eben keine Schulbücher, sondern Nachschlagewerke, Romane, Lexika, Spiele, DVDs oder CD-ROMs, die bei den Schülern die Motivation für ein Thema rauskitzeln können“, erklärt Eineter. „Auch ein Fachlehrer, der das Thema ‚Europa’ in Geographie oder Sachkunde behandelt, kann so ohne Mehraufwand sprachsensiblen Unterricht anbieten. Die Integration der Sprachförderung in den Fachunterricht ist politisch gewollt, aber flächendeckend noch nicht angekommen. Meist sind es engagierte Deutschlehrer oder Kollegen mit Deutsch als Zweitfach, die sich kümmern.“

Der Bedarf ist da: 130 Schmökerkisten wurden in der im Frühjahr 2014 gestarteten Pilotphase verkauft. Nachdem externe Investoren gefunden wurden, soll Anfang August der deutschlandweite Vertrieb der Kisten starten, die in einer Behinderten-Werkstatt in Zehlendorf gefertigt werden. Erste Rückmeldungen aus Bayern, Thüringen oder NRW sind durchweg positiv. „Gerade im Bereich Deutsch als Zweitsprache wünschen sich die Kollegen so etwas schon lange“, weiß Lisa Eineter. Wenn sie manchmal, scherzhaft, als „Versandbuchhändlerin“ bezeichnet wird, stört sie das nicht. Alle Energie gehört ihrem neuen Startup. „Jetzt“, sagt sie, „bin ich wirklich angekommen“.

 

Schmökerkisten UG

Sachsendamm 93

10829 Berlin

030 789 546 004

info@schmoekerkisten.de

www.schmoekerkisten.de

 

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