Verleihung des Kinderhörbuchpreises 2018

Der BEO lebt

Geldscheine regneten vom Himmel und jede Menge schwarze Federn: Bei der diesjährigen Gala zur Preisverleihung des BEO für das beste Kinderhörbuch im vollbesetzten Hamburger Thalia Theater Gaußstraße wurde gestern Abend der Vogel abgeschossen.   CHRISTINA BUSSE

In der schwungvollen Inszenierung von Ludwig von Otting, Theaterenthusiast und Autor, zeigte sich, wer die Hörerlebnisse für junge Menschen zu so etwas ganz Besonderem macht. Zuvor durfte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda im roten Sessel Platz nehmen - und seine Grußworte in der Tasche lassen. Die legte ihm das Moderationsduo, Eva Maropoulos im kleinen Roten und Claudiu Mark Draghici mit dem kleinen Schwarzen (der Beo-Handpuppe), in den Mund. Das Bühnenbild und die Visuals wurden zum dritten Mal von dem Designer Stefan Pertschi gestaltet.

Die Hauptrolle im Scheinwerferlicht spielten die Gewinner des BEO 2018, der in fünf Kategorien verliehen wurde. Abräumer des Abends war Stefan Kaminski, der gleich zweifach als Sprecher von Peter Browns Geschichte „Das Wunder der wilden Insel“ (Der Audio Verlag) ausgezeichnet wurde. Die Fachjury hob ihn in der Alterskategorie „7 - 12 Jahre“ für seine sagenhafte Stimmakrobatik hervor. Scheinbar mühelos hauche er dem kompletten Personal der märchenhaften Handlung Leben ein und lasse den Hörer an den wechselnden Gefühlsebenen zwischen Roboter und tierischen Inselbewohnern in mannigfachen Tonfarben teilhaben, so die Jurybegründung. 

Die Kinderjury

Die Kinderjury © Freda Rose

Genau das hatte auch die Kinderjury, die in diesem Jahr vom Jahrgang Sechs der Evangelischen Gesamtschule Wunstorf gestellt wurde, überzeugt. „Es waren mindestens zehn Stimmlagen“, bemerkte eine Schülerin bewundernd. Die intensive Beschäftigung der Jungen und Mädchen mit den zur Auswahl stehenden Hörbüchern wurde wieder durch einen sehr unterhaltsamen Film dokumentiert. Kaminski gab live eine ausführliche Kostprobe seines großen Könnens: Der doppelte Preisträger las nicht nur, sondern schlüpfte auch bei der Beantwortung von Fragen der Wunstorfer Schülerinnen und Schüler in die Rollen von Herrn Biber, Leuchtschnabel, Roboter und Co.

In der Kategorie „4 - 6 Jahre“ gab es den Sieger-Tusch von der Pure Fruit Orchestra für „Viele Grüße, Deine Giraffe“ von Megumi Iwasa (sauerländer audio). Als Interpreten wurden Christian Steyer, Ilka Teichmüller, Marian Funk, Jens Wawrczeck, Otto Mellies und Katharina Thalbach, gewürdigt sowie Dirk Kauffels als Regisseur. In der szenischen Kurzlesung bewies Letzterer seine Vielseitigkeit und schlüpfte in Vertretung von Wawrczeck in die Rolle des schnarrenden Pelikans.

BEO-Urkunden, Preisgelder über 2.000 bzw. 3.000 Euro und Original-Illustrationen, die in diesem Jahr Peter Schössow angefertigt hatte, gab es in der Kategorie „Ab 12 Jahre“ auch für Birte Schnöink, Julian Greis und Sebastian Rudolph. Das eingespielte Sprecher-Trio, das nicht zum ersten Mal gefeiert wurde, versetze die Zuhörer von „Was wir dachten, was wir taten“ (Hörcompany) mit ihrer stimmlichen Präsenz in die perfide Verwicklung der Situation und mache bis zum Schluss das nervenaufreibende intrapsychische Geschehen erlebbar, lobte die Jury. Die 19-jährige Autorin der Geschichte um einen angedrohten Amoklauf an einer Schule, Lea-Lina Oppermann, fragte: „Ist es schwierig, Jugendliche zu sprechen?“ „Nicht, wenn man mit einer jungen Stimme gesegnet ist“, konterte Julian Greis (35) schmunzelnd.

Während Oppermann selbst derzeit Sprechkunst an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart studiert, haben die in der Kategorie „Beste Kindersprecher“ Ausgezeichneten jetzt bereits mit zwölf und 13 Jahren als Nachwuchs-Talente großen Erfolg: Jakob Roden, Elias Huber, Lou Tillmanns und Ben Koch überzeugten die Jury in „Die Nanny-App“ von Angela Gerrits (sauerländer audio) mit ihrer „ungemein ungezwungen wirkenden Sprechweise“.

Die Preisverleihung, die eine Initiative des gemeinnützigen Vereins Kinder hören e.V. ist und vom Arbeitskreis Hörbuch des Börsenvereins unterstützt wird, fand im Ballsaal des Thalia Theaters ihre Fortsetzung. Hier tauschten sich die Gäste aus der Medien-, Verlags- und Hörbuchbranche noch bei bester Stimmung mit den Preisträgern und Mitwirkenden aus. Denn auch wenn auf der Bühne ganz zum Schluss ein arg gerupfter Vogel in der Luft baumelte, stand für alle fest: Geldscheine regnen nicht vom Himmel und der Beo lebt.

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Shortlist zum BEO 2018

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