Verleihung des Kurt Wolff Preises an Christoph Links

Vom Ernst der Lage

Independents sind Meister der Zwischentöne, können aber auch recht deutlich werden: Die Verleihung des 16. Kurt Wolff Preises an den Ch. Links Verlag war diesmal ebenso feierlich wie politisch. Vorwerk8 bekam den Förderpreis.  VON TAMARA WEISE

Bei der Verleihung des Kurt Wolff Preises wurde es im Forum der Unabhängigen in Halle 5  der Leipziger Buchmesse sehr politisch – das gibt es nicht alle Tage. Viel mehr als um Bücher selbst ging es diesmal um die Bedingungen, unter denen sie entstehen. Und das lag nicht nur am Preisträger: Christoph Links und seinem Ch. Links Verlag.  

Wenn Christoph Links eine Bühne betritt, ist klar, dass es schnell politisch wird – niemand würde etwas anderes erwarten. Bei der Verleihung des Kurt Wolff Preises an ihn und seinen Verlag, galt das jedoch in besonderer Weise: Links machte nicht bei seinen Lieblingsthemen halt, sondern nutzte seine Dankesrede in Leipzig, um ein paar Worte in Richtung Politik zu senden. „Die politischen Rahmenbedingungen für Verlage scheinen sich zu verschlechtern“, hob er vorsichtig an – und war schon beim Kern seiner Rede: Ohne lange herum zu reden, forderte er auf diesem Feld ein Ende der, wie er sagte, „Attacken auf unsere Arbeit“.

"All diese Leistungen, die wir erbringen, sollen nichts mehr wert sein?"

Der Verleger meinte damit sowohl den ersten Entwurf zum Urhebervertragsrecht – als auch den gesamten Komplex rund um die Rolle der Verwertungsgesellschaften. Beim Urhebervertragsrecht habe man zwar mit dem neuen, zweiten Entwurf die Lage wieder entschärft, so Links („Ich hoffe, die existenzbedrohenden Regeln bleiben jetzt endgültig außen vor“). Mit Blick auf die Verwertungsgesellschaften und die Beteiligung der Verlage an den Ausschüttungen gelte das jedoch nicht. „All diese Leistungen, die wir erbringen, bis ein Buch fertig ist, sollen nichts mehr wert sein?“, fragte er. Das könne gar nicht sein. „Meine Bitte an die Politik: Tun Sie alles dafür, dass die Bedingungen für uns Unabhängige nicht verschlechtert werden – damit die Vielfalt im Land erhalten bleibt.“ 

"Der Knall ist in Berlin angekommen"

Der Applaus zeigte, dass Links damit ausgesprochen hat, was viele andere auch denken. Schade war, dass seine Dankesrede als vorletzte auf der Agenda stand und sich dadurch für Siegmund Ehrmann, er ist Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Bundestag, keine Gelegenheit mehr ergab, direkt darauf zu antworten. 


Doch er hatte seine Nähe zu den Positionen der Verlage ja auch schon vorher verdeutlicht – indem er ihnen von der Bühne aus erklärte, dass sich „Fortschritt nicht im Mainstream“ entwickle und gerade von den unabhängigen Verlagen ein „unglaublicher Impuls“ ausgehe. Er wisse aus eigener Anschauung, wie viel sie leisteten – und was es bedeute, wenn sie etwa an den Ausschüttungen der VG Wort nicht mehr beteiligt würden. Auch anderen sei das klar, versicherte er. „Der Knall ist in Berlin angekommen.“ 

Beide Redner fanden viel Applaus. Ihre Worte waren bis weit hinaus auf den Gang hörbar, wo sich dicke Menschentrauben bildeten – wie sich zeigte, ist das Forum Unabhängige, in diesem Jahr zum zweiten Mal in Leipzig errichtet, für Anlässe wie die Verleihung des Kurt Wolff Preises wohl doch ein wenig zu knapp bemessen. Autoren, Verlage, Leser saßen (oder standen) dicht an dicht: Das Interesse an dem, was kleinere Verlage tun, sprengt in Leipzig schon fast den Rahmen.   

"Wir brauchen Ihre Unterstützung!"

Für die Kurt-Wolff-Stiftung sprach Britta Jürgs, Verlegerin des Aviva Verlags und zugleich Vorsitzende der Stiftung. Sie bedankte sich beim Kuratorium „für die wunderbare Wahl“. Sie freue sich sehr darüber, betonte sie. Der Ch. Links Verlag verkörpere mit seinem Programm im besten Sinne Unabhängigkeit, mische sich ein. 

Dass sie damit nicht übertrieben hatte, zeigte die Laudatio des Journalisten und Ch. Links-Autors Christoph Dieckmann – der zu Beginn seiner Rede erst einmal daran erinnerte, welch ungeheuerliche Promotion Christoph Links („als Bürger, gar nicht als Mitglied akademischer Kreise") 2008 hinter sich gebracht hatte, sogar mit summa cum laude. In seiner Arbeit über „Das Schicksal der DDR-Verlage“ untersuchte Links minutiös die Privatisierung nach der Wende, auch die hässliche Seite dieser Entwicklung. Für Dieckmann ist das beispielhaft: Der Ch. Links Verlag sei ein Wahrheitsverlag, so Dieckmann – und dessen Verleger ein "freiheitsbewusster Erbnießer des Mauerfalls", außerdem ein "herzensguter Intellektueller mit paternalistischen Zügen".

Links, der vor ihm in der ersten Reihe saß, nahm es als Kompliment. Die Urkunde, die er anschließend überreicht bekam, riss er freudestrahlend in die Höhe. 

"Diese Anerkennung kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel"

Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis ging diesmal an den jungen Verlag Vorwerk8 aus Berlin und seinen Verleger Reinald Gußmann. Gußmann, ein ruhiger, bescheidender Literat („mein Wegbegleiter ist der Zweifel“), wirkte auf der Bühne immer noch ein wenig mitgenommen von der Tatsache, dass von allen möglichen Kandidatem ausgerechnet ihm dieser schöne Preis überreicht werden sollte. „Diese Anerkennung kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, erinnert er sich an den Tag, als der Anruf der Stiftung einging. Das habe er erst gar nicht recht glauben können. Doch er fing sich wieder: Am Ende seiner Dankesrede schenkte er dem Publikum großes, breites Lächeln. „Ich fühle mich neben meinem großen Preisträger Christoph Links sehr wohl.“ 

Die Laudatio von Christoph Dieckmann gibt es auf der Website der Kurt Wolff Stiftung als PDF zum Nachlesen.

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