Wie man sich selbst als Marke aufbaut

Geschäftsmodell Ich

Wer Erfolg haben will, muss sichtbar sein. Karin Wess liefert Ideen dafür, wie sich die eigene Person als Marke aufbauen lässt. Und verspricht: Es war noch nie so leicht wie heute. MARCUS SCHUSTER

"Die meisten Unternehmen scheitern nicht, weil die Ideen nicht gut genug oder die Produkte nicht perfekt sind. Sie scheitern, weil einfach zu wenige Menschen wissen, dass es sie gibt." Das will die österreichische Business-Strategin und Beraterin Karin Wess ändern. In ihrem gerade erschienenen Buch liefert sie "33 Ideen, wie du sofort sichtbarer wirst" (Goldegg Verlag, 220 S., 19,95 Euro).

Dabei geht es weniger um Unternehmen als um Unternehmerpersönlichkeiten – um Einmann- oder Einefrau­marken, die sich in der heutigen Zeit ohne großen Kapitaleinsatz etablieren lassen. Man brauche nur einen Computer oder ein Smartphone, um sich zu präsentieren und ein lukratives Geschäft aufzubauen, schreibt Wess. Wer dazu "Ideen, Durchhaltevermögen, Geduld und viel Umsetzungskraft im Hier und Heute" beweise, könne mittelfristig zur Marke werden, egal in welcher Branche er arbeitet.

Leichter gesagt als getan. Die 33 Ideen der Autorin sind keine bahnbrechenden Neuheiten – Blog- und Gastbeiträge schreiben, Webinare geben, Social-Media-Inhalte teilen und so weiter –, auch wenn sie in dieser Übersichtlichkeit noch einmal all jenen Lesern vor Augen geführt werden, die ihre persönliche Komfortzone verlassen wollen. Interessant wird das Buch bei den grundsätzlichen Überlegungen, die Karin Wess rund um die eigene Selbstdarstellung formuliert – in einer Zeit, in der Personal Branding schon so weit verbreitet ist, dass die meisten es ohnehin fast rund um die Uhr tun, ohne groß darüber nachzudenken.

Sichtbarkeit sollte zumindest im beruflichen Kontext kein Selbstzweck sein, so die Autorin. Hundert Fans mehr auf Facebook sind schön und gut. Doch was bringen sie, wenn man kein konkretes Ziel damit verknüpft? Karin Wess nennt es den "inneren Antreiber". Es gilt, zuerst das eigene "Big Picture" zu klären, sich Gedanken darüber zu machen, wie man gesehen werden will, was man erreichen möchte. Im Lauf des eigenen Markenlebens erleichtert dies später auch alle weiteren Entscheidungen.

Es ist so etwas wie der vorweggenommene Rückblick auf das eigene Leben. Von dort geht Wess stufenweise hinunter zu praktikablen Handlungstipps für den Alltag: Jahresziel definieren, 90-Tage-Planung, 14-Tage-Planung, Tagesziele festlegen. Sie empfiehlt, für die eigene Verbindlichkeit jeden Morgen alles aufzuschreiben – denn "je öfter man sich mit seinen Zielen auseinandersetzt, umso fester verankert man sie". Wenn man regelmäßig nur 60 bis 80 Prozent der definierten Aufgaben erledigt, erreicht man mehr als wenn man gar keine Aufgabenliste erstellt, lautet ihr Credo.

Ihre Tipps der kleinen, aber steten Schritte sind gerade für Daueraufschieber und Verzettelungsprofis sehr wertvoll: "Kontinuierliches Tun bringt einen sehr viel schneller voran als ab und an einen 18-Stunden-Tag einzulegen", weiß Karin Wess. Genauso wie "konsequent sein und dranbleiben", das hilft letztlich nicht nur der eigenen Marke, sondern überhaupt im Job. Immer wieder lässt sie Beispiele einfließen, wie jenes vom amerikanischen Bestsellerautor und Internet-Tausendsassa Gary Vaynerchuk, der jeden Tag auf YouTube eine neue Wein-Rezension veröffentlichte und damit angeblich den Umsatz des elterlichen Alkoholgeschäfts verzehnfachte. Er blieb einfach am Ball.

Jeder kann ein Influencer sein, glaubt Wess. Eine sorgsame Persönlichkeitspflege vorausgesetzt. Dies beinhaltet aus ihrer Sicht, lieber authentisch statt perfekt zu sein. Lieber Leidenschaft zu zeigen als einen ausgefeilten Businessplan. Auch das persönliche Umfeld zu sortieren kann eine Maßnahme sein: nach Personen, die einem "guttun" und solchen, die nur bremsen und zweifeln. Wess nennt es "in der eigenen positiven ­Energie bleiben". Dazu reicht es manchmal schon, Podcasts, motivierende YouTube-Videos oder Beiträge von Menschen, die man sehr bewundert, anzuhören, anzuschauen, zu lesen. "Achte darauf, dass du deine tägliche Dosis an Inspiration nie vergisst", so der Appell von Karin Wess.

Influencer – vor zehn Jahren existierte dieses Geschäfts­modell noch nicht einmal. Heute muss man kein Wissenschaftler oder Prominenter sein, um binnen kurzer Zeit zehntausende Menschen zu erreichen. Trotzdem: Sichtbarkeit und der strategische Aufbau einer Marke ist kein Hundertmeterlauf, unterstreicht Wess. "Es ist vielmehr die langfristige Strategie hinter deinem Erfolg!"

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