Zum Tod von Günther Marissal

Hamburger Buchhändler mit Herz für Paris

Am 20. Januar ist der Buchhändler Günther A. Marissal im Alter von 87 Jahren gestorben. Michael Menard erinnert an den Hamburger, der auch über 30 Jahre eine deutsche Buchhandlung in Paris führte.

Die Buchhandlung Marissal in Paris (Aufnahme von 2010)

Die Buchhandlung Marissal in Paris (Aufnahme von 2010) © Robert Kluba

Günther A. Marissal wurde am 28. April 1929 in eine Familie von Buchhändlern geboren, die schon seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hamburg eine Leihbücherei betrieb. 1886 gründete sein Großvater Adolf Marissal dort mit einem Kompagnon die Buchhandlung Weitbrecht und Marissal.

Nach dem Abitur 1947 war sein Studienwunsch Architektur nicht finanzierbar, denn das Stammhaus war zerbombt. Doch beim Bau blieb er und legte 1950 seine Gesellenprüfung als Maurer ab. Danach entschied er aber sich für den Beruf des Buchhändlers, den er in Düsseldorf und Göttingen lernte. Vielleicht ist es das zuvor gelernte Handwerkliche, das ihn mir unvergesslich macht. Bei einer Übergabeinventur war der damals schon 72jährige schneller als ich, der um 20 Jahre Jüngere.

Nach einer Zeit als Verleger und Verlagsvertreter in Berlin trat er Ende der 50er Jahre in das Familienunternehmen Weitbrecht und Marissal ein. Anfang der siebziger Jahre erwarben er und seine Frau die Buchhandlung Otto Meissner, in deren Verlag vor genau 150 Jahren der erste Band des "Kapital" von Karl Marx erschienen ist. 1973 gründete er "Marissal – Bücher in Hamburg", bis 1981 mit zehn Standorten.

1981 erfüllte er sich einen Herzenswunsch und eröffnete in Paris eine deutsche Buchhandlung. Nach 25 Jahren musste er sich 2015 den Mietforderungen an einem der begehrtesten Plätze der Stadt und der Internetkonkurrenz geschlagen geben. Die Schließung hat er bedauert, aber die Gründung hat er nie bereut.

Zum Westen, zu Frankreich, kam nach 1989 der Osten hinzu. Den Volksbuchhandel kannte Günther Marissal seit seiner Vertreterzeit für westdeutsche Verlage in der DDR, und so privatisierte er mehrere Buchhandlungen in Mecklenburg-Vorpommern. Heute gehören zu Marissal noch die in Anklam und Greifswald.

Nach dem Buchhandel blieb Günther Marissal Zeit für seine zweite Leidenschaft, das Reiten, doch nicht hoch zu Ross: er war auch als Coach für Jugendliche und Kinder auf dem Weg zum Hauptschulabschluss an einer Hamburger Stadtteilschule tätig.

Die ihn kannten, werden  ihn ehrend in Erinnerung behalten.

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