Downloadcodes

Ein Buch, ein Leser, ein Ärgernis

Unser Blogger Albrecht Mangler ärgert sich über fehlende Downloadcodes bei hochwertigen Printbüchern. Und er äußert einen Wunsch.

Ich kaufe mir ein Buch im Hardcover. Ein herrliches Hardcover mit wunderbarer Ausstattung, schönem Satz, tollem Papier, Kapitalband und samtrotem Lesebändchen. Und trotzdem ärgere ich mich. Es ärgert mich als Leser, dass mir etwas fehlt: Das im Preis enthaltene eBook zum Download oder zum Versand an meinen Reader. Wenn ich es dort lesen will, muss ich es mir nämlich teuer ein weiteres Mal kaufen. Warum eigentlich? Ich dachte, ich kaufe Inhalte und nicht Formate.

Traurig: ohne Buch auf Reisen

Eine gute Geschichte folgt mir, wortwörtlich und nicht nur in meiner Fantasie. Sie liegt im Wohnzimmer als schönes physisches Buch, in der Tasche auf meinem Reader und auf dem Smartphone für die heimlichen Lesemomente. Dabei hat die digitale Variante ihre Vorteile, gerade unterwegs: Erst neulich passte bei der Vorbereitung einer Flugreise mein 300 Seiten schweres Hardcover Buch trotz Sparsamkeit beim Packen nicht ins Gepäck. Ein Blick ins Internet verriet: Das eBook kostet nochmals rund 19 EUR extra. Ich flog buchlos.
Mir ist klar, dass der Ladenpreis eines Buches vor allem durch die Arbeit von Autor und Verlag bedingt wird und nicht in erster Linie durch sein Medium. Weshalb eBooks nicht zwangsläufig supergünstig sein müssen. Was ich dabei aber nicht verstehe: Es ist derselbe Text von demselben Autor, der von demselben Verlag herausgegeben wurde. Ich bin derselbe Leser, der denselben Text in einem anderen Medium weiter lesen möchte. Warum den Inhalt in anderem Format doppelt kaufen?
Im Musikbereich lässt sich das mehr und mehr anders erleben: Zahlreichen Vinyl-Schallplatten liegen zusätzliche Downloadcodes bei, mit denen die Dateien zur Verwendung im mobilen Player oder Smartphone heruntergeladen werden können.

eBook: ein Ausstattungsmerkmal

Dabei handelt es sich meiner Meinung nach bei einem Hardcover um ein absolut hochwertiges Produkt, bei dem ich das beiliegende eBook als Teil der Ausstattung voraussetzen würde. Bei einem Taschenbuch für um die zehn Euro erwarte ich keinen Downloadcode. Bei einem Hardcover jedoch schon, gerne auch gegen einen Aufpreis von ein paar wenigen Euro – die Herstellung und Aufbereitung der eBook Datei soll nicht umsonst sein. Denn ich finde, wer sich für ein Hardcover entscheidet, sollte zu einem reduzierten Preis das digitale Produkt dazubekommen - im Bundle.

Dem trägt zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung Rechnung, indem sie seit Neuestem ihre Inhalte via App, Browser und PDF den Abonnenten der gedruckten Ausgabe für einen Aufpreis pro Monat zugänglich macht. Dieser liegt dabei deutlich unter dem Preis des digitalen Vollabos.

Beim Kauf: Inhalte statt Formate

Mein Wunsch als Leser ist es, Hardcover und eBook in einem zu kaufen. Einen Inhalt für einen Leser. Aber in den Formaten, die ich brauche. Dann würde mich auch mein Buchhändler öfter bei sich begrüßen können, denn die Frage, welches Buch ich mir als Hardcover und welches als digitale Ausgabe kaufen soll, müsste ich mir deutlich weniger stellen.

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5 Kommentar/e

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  • Daniel Beskos

    Daniel Beskos

    Lieber Albrecht Mangler,
    da stimme ich Ihnen zu. Einige Verlage (u.a. auch wir) veröffentlichen ja auch schon Bundles inkl. Downloadcode. Das Problem ganz aktuell (unabhängig von aller Verlagskalkulation) liegt aber darin, dass die Mehrwertsteuer für E-Books bei 19% liegt und seit einiger Zeit Bundles also mit zwei verschiedenen Mehrwertsteuersätzen abrechnet werden müssen. Das macht es leider sehr kompliziert - für die meisten Buchhändler eigentlich zu kompliziert. Daher sehen jetzt einige Verlage zwangsläufig schon wieder vom Bundle ab, was sehr schade ist. Und solange E-Books nicht mit 7% besteuert werden, bleibt dieses Problem wohl erstmal bestehen.

  • Sören

    Sören

    Es ist so grotesk wie bezeichnend für die journalistische Qualität von BöBla, dass der Verfasser des Textes von den Lesern dieser Plattform auf die sog. Bundle-Problematik hingewiesen muss und dass seine Unkenntnis nicht im Vorfeld von der Redaktion aufgeklärt wurde... http://www.boersenblatt.net/artikel-sitzung_der_zw ischenbuchhaendler.959196.html http://www.boersenblatt.net/artikel-verlegerverbae nde_protestieren_gegen_bundle-besteuerung.870970.h tml

  • Albrecht Mangler

    Albrecht Mangler

    Lieber Daniel Beskos, Lieber Sören,

    die Steuer-Problematik ist mir bewusst. Aber ist sie auch allen Buchkäufern klar? Kaufen die Leser dann einfach denselben Text nochmals zum regulären Preis als E-Book? Das wage ich sehr zu bezweifeln. Und genau deshalb finde ich es auch wichtig sich lösungs- und damit leserorientiert mit dem Thema zu befassen.

    Vielleicht gibt es ja z.B. Möglichkeit, aus dem Hardcover heraus mittels Downloadcode das eBook zum Serienpreis auf der Verlags-Webseite / Buchhändler Webseite (wenn dort ein Shop zu finden ist) zu erwerben.

  • Micha Wied

    Micha Wied

    Aus Leser-Sicht ist die Steuerproblematik doch völlig irrelevant. Welcher Otto-Normal-Leser weiß denn um die 7, statt 19%? Das ist unsere Innensicht. Wäre schön, wenn Verlage es bald (wieder) schaffen würden, ihre Produkte nachfrageorientiert zu gestalten. Dass bestimmte (und wohl nicht alle!) Verlagssoftware die Bundle-Abrechnung verhindert, darf doch wohl nicht der Grund sein!

  • Stephan Selle

    Stephan Selle

    Lieber Albrecht Mangler,

    wir, die Kunden, zahlen seit Jahren alle Medienwechsel:

    - Coltrane "Giant Steps" auf LP, CD und MP3, immer voll bezahlt

    - Taxi Driver auf Video, LaserVideo Disk (!), DVD und Blue Ray, immer voll bezahlt

    - Bücher ohne Zahl als Druckausgabe und als EBook, immer voll berzahlt

    Wir bezahlten nicht Inhalte, sondern mediale Träger. Und manchmal wünsche ich mir ein Copyright, dass das auch klarstellt. Und Verlage: Print + eBook für einen Preis, eBook für 1,20 Euro bei eingesendetem Originalbuch.

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