Meine Kollegin, die Übersetzerin Janine Malz, erhielt dieser Tage eine Anfrage. Ein Verlag suchte für eine vierteilige Romanreihe aus den Niederlanden jemanden, der Niederländisch kann, und der Lektorin wurde Malz wärmstens empfohlen. Die Romane seien kurzweilig, die Figuren charmant, die Autorin schreibe mit Witz und Herz. So weit so normal. Bloß wurde meine Kollegin nicht als Übersetzerin angefragt. Die Übersetzung soll eine KI machen und Malz dann das Lektorat, pardon – das Post-Editing. Für fünf Euro pro Normseite. Brutto. Mit einem Redaktionsvertrag statt des üblichen Übersetzungsvertrags.
Das hat ncihts damit zu tun was Verlage machen. Das wird eh passieren. Natürlich ist Empörung und Kritik groß. Und nun? Das ist das 21. ahrhundert. Es wird KI-generierte Romane geben, es wird KI-übersetzte Romane geben. Und ich denke, es wird weiterhin Bücher von Menschen geschrieben und von Menschen übersetzt geben. Die Welt ändert sich. Das ewige "Wo kommen wir denn da hin" ist aber an allen Stellen nur Nervig und bringt niemanden weiter.
- Das wird sowieso kommen
- An dem, was kommt, trägt jeder von uns Mitschuld und ist dafür mit verantwortlich
- Die geringe Wertschöpfung wird maschinell erledigt, die hohe bleibt
- Reich werden dabei nur die Betreiber der KI
- Beim jüngsten Gericht wird der liebe Gott ihnen einen Tritt in der Arsch verpassen
- Bis dahin fahren sie mit riesigen Jachten rum und ficken alle anderen
Als Verlage sind wir doch schon länger damit konfrontiert, dass bei Amazon maschinell erstellte Fakebücher zu Tausenden die echten verdrängen. Erst wenn den Käufern wegen der Hohlheit dieser Produkte irgenwann schlecht wird, dann werden Qualitätsmarken zur Differenzierung wieder wichtiger. Und wenn Verlage mit KI bei der Autorenleistung Geld sparen, dann wird sich zeigen, ob das auf die Qualitätsmarke einzahlt oder nicht.