Tobias Winstel: Drei Punkte stechen für mich heraus: Erstens, wie die Branche angesichts des Wandels der Mediennutzung hin zu immer digitaleren und fragmentierteren Angeboten bestehen kann. Zum Beispiel, indem das Buch als bewusste Entschleunigung, als buchstäblich greifbare Unterhaltung oder Wissensvermittlung positiv besetzt und vermarktet wird. Der Begriff "Slow Media" trifft das vielleicht ganz gut. Aber wir wollen ja nicht zur Retro-Nische werden wie die Schallplatte. Wir müssen die ureigensten Stärken des Mediums Buch – kuratierte und abgeschlossene Texte zu Unterhaltung, Wissen, Orientierung etc. – so übersetzen, dass sie eben auch in Buchform, ob Print, digital oder Audio, weiterhin aktiv nachgefragt werden. Nicht als "nice to have", sondern als "must have".
Zweitens das extrem kleinteilige Geschäftsmodell. Im Grunde ist jedes Buch ein Start-up mit ungewissem Ausgang. Andere Branchen entwickeln ein Produkt, vermarkten und skalieren es – wir launchen jede Saison Tausende. Das ist toll, weil jedes Buch eine neue Chance birgt, und darin liegt auch eine seiner gesellschaftlichen Kernaufgaben. Wir bieten dadurch unterschiedlichsten Ideen und Perspektiven eine Plattform. Vielfalt ist unsere Stärke – in Programmen, Geschäftsmodellen, Vertriebswegen. Aber Vielfalt kostet auch: Sie bedeutet Komplexität und hohen Aufwand. Betriebswirtschaftlich ist das manchmal "unvernünftig" – kulturell und gesellschaftlich ist es ein großer Wert. Doch wenn die Gewinne schrumpfen, wird das Risiko von zu großen Programmen immer schwerer zu tragen. Übrigens kann gerade hier KI ansetzen und enorm Kosten sparen. Dabei spreche ich nicht von generativer KI, sondern von Automatisierung, Optimierung und Beschleunigung der zum Teil sehr aufwändigen Prozesse.
Und drittens: Gut vermarktbare Rechte werden immer teurer, insbesondere bei potenziellen Bestsellern, international wie im deutschsprachigen Raum. Teilweise schießen Vorschüsse in solche Höhen, dass man beim Einkauf die Abschreibung klarer als den Gewinn vor Augen hat.
Ein einzelnes Taschenbuch direkt zu versenden, lohnt sich in der Regel nicht. Auch hier schlägt die 'brutale Kostenstruktur' zu.