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"Ich habe Journalisten Joints geschickt"

1. Oktober 2026
TONI HECHT

Acht Bestseller in fünf Jahren, eine Verfilmung und eine höchst ungewöhnliche Fangemeinde: Martina Parker gehört in Österreich längst zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen. Mit "Miss Verständnis" könnte sie nun auch Deutschland erobern.

Cover Martina Parker: Miss Verständnis

In Österreich sind Sie längst eine Bestsellerautorin, in Deutschland müssen viele Leserinnen und Leser Sie erst noch kennenlernen. Was würden Sie jemandem sagen, der noch keinen Martina-Parker-Krimi gelesen hat: Warum sollte er oder sie mit "Miss Verständnis" anfangen?

 

In Österreich bin ich durch den Erfolg meiner Bücher sehr schnell bekannt geworden. Das nimmt manchmal skurrile Ausmaße an. Kürzlich war ich bei der Mammografie, mein Busen zwischen zwei Platten eingeklemmt, und die Radiologin sagte plötzlich: "Oh mein Gott, ich kenne Sie! Ich war schon bei drei Lesungen von Ihnen." Ich freue mich wirklich immer, wenn mich Leserinnen erkennen. Aber da dachte ich nur: Oh nein. Bitte nicht jetzt.

In Deutschland arbeiten wir noch dran. Michi Kobr hat mich bei einem steirischen Krimifest gesehen und daraufhin zu seinem KrimiMai eingeladen. Dort habe ich tatsächlich den Allgäuer Krimipreis gewonnen. Das hat mir gezeigt: Meine Bücher können auch in Deutschland funktionieren, wenn sie gelesen werden. Umso dankbarer bin ich den Buchhändlerinnen und Bloggerinnen, die mir bereits Rückenwind geben.

Und wenn man mich noch gar nicht kennt, ist "Miss Verständnis" ein wunderbarer Einstieg. Es ist spannend, lustig, manchmal ein bisschen böse und erzählt von Frauen und ihren Lebensrealitäten, statt sich nur um eine Leiche zu drehen.

Mit "Miss Verständnis" schicken Sie Ihre austro-britische Ermittlerin diesmal auf ein Flusskreuzfahrtschiff, mitten hinein in eine TV-Casting-Show für Frauen 50 Plus. Was hat Sie an dieser Welt gereizt?

 

Als ich als Autorin für eine Flusskreuzfahrt durch Deutschland gebucht wurde, war mein erster Gedanke: Lieber tot über dem Zaun hängen, als auf ein Flusskreuzfahrtschiff steigen. Ich hasse Boote, weil ich immer seekrank werde. Und dann war ich dort und völlig begeistert. Man geht abends schlafen und wacht am nächsten Tag in einer anderen Stadt auf.

Noch inspirierender waren die Menschen. Unter anderem eine Frau, die mit Teddybären reist. Da war schnell klar: Dieses Setting muss in ein Buch.

Dazu kam die Castingshow "Fabelhafte Frauen 50 Plus". Frauen über 50 bekommen medial gerade viel Aufmerksamkeit, was ich grundsätzlich großartig finde. Gleichzeitig kann daraus schnell die nächste Schublade werden. Mich interessieren Frauen nicht als Altersgruppe, sondern als Menschen. Meine Heldinnen dürfen gärtnern oder häkeln. Sie dürfen aber genauso neugierig, verliebt, mutig, widersprüchlich oder verrückt sein.

Martina Parker

Martina Parker

Sie sagen selbst: "Ich schreibe keine typischen Krimis." Ihre Geschichten sind spannend, humorvoll und gesellschaftlich genau beobachtet. Was interessiert Sie am Menschen hinter der Tat mehr als am klassischen "Wer war der Mörder?" und was muss ein Krimi von Ihnen können, damit er funktioniert?

 

Mich interessieren die Lebenden viel mehr als die Toten. Natürlich braucht ein Krimi Spannung und Plot und am Ende muss alles aufgehen. Aber mir geht es vor allem um die Menschen, ihre Beziehungen, Freundschaften, Lebensrealitäten und warum sie tun, was sie tun.

Und mich interessiert, was meine Bücher mit Menschen machen. Einmal kam ein Ehepaar zu mir, beide um die 70. Die Frau schob ihren Mann vor und sagte: "Das ist der Hermann. Der hat noch nie ein Buch gelesen. Jetzt hat er mit Ihren angefangen und kann gar nicht mehr aufhören." Eine andere Leserin erzählte mir: "Wenn die neue Parker rauskommt, muss ich meinem Mann für zwei Tage vorkochen. Dann habe ich keine Zeit zum Kochen, dann lese ich."

Solche Momente machen mich demütig und dankbar. Genau das möchte ich erreichen: dass Menschen in einer Geschichte verschwinden, lachen, weiterlesen wollen und für ein paar Stunden alles rundherum vergessen.

Sie waren Journalistin, bevor Sie sich ganz dem Schreiben widmeten. Wie sehr prägt diese Vergangenheit Ihren Blick auf Menschen und gesellschaftliche Entwicklungen und was nehmen Sie aus dieser Zeit für Ihre Arbeit als Krimiautorin mit?

 

Sehr. Ich war über zwanzig Jahre bei der "Wienerin", einer Frauenzeitschrift mit klaren feministischen Grundsätzen. Es ging immer darum, Frauen zu stärken. Diese Zeit hat meinen Blick auf Frauen und ihre Lebensrealitäten sehr geprägt.

Als Kolumnistin habe ich gelernt, genau hinzuschauen, zuzuhören und Dinge unterhaltsam auf den Punkt zu bringen. Eine gute Kolumne darf lustig sein und trotzdem eine zweite Ebene haben. Eigentlich mache ich in meinen Büchern dasselbe, nur auf 400 Seiten.

Es geht um Machtmissbrauch, toxische Abhängigkeiten, Rollenbilder oder Altersdiskriminierung. Aber niemals mit erhobenem Zeigefinger. Die Menschen sollen in erster Linie eine gute Zeit haben, lachen, mitfiebern und wissen wollen, wie es weitergeht. Wenn sie danach über das eine oder andere Thema ein bisschen anders denken, freut mich das natürlich.

Sie haben in Österreich in nur fünf Jahren acht Bestseller veröffentlicht, Ihr Debüt "Zuagroast" wurde verfilmt, Ihre Bücher werden ausgezeichnet und Ihre Leserinnen und Leser begleiten Sie bis auf Wanderwege, Weintankstellen und sogar Tätowierungen. Was verbindet Ihre Bücher so stark mit dem österreichischen Publikum? Und gibt es etwas an Ihrer Erzählweise, das besonders österreichisch ist?

 

Bei meinem Debüt "Zuagroast" war mir klar: Niemand wartet auf mich. Deshalb habe ich alles dafür getan, dass das Buch gesehen wird. Ich habe auf Gartenmessen tausende Leseproben verteilt, Buchhändlerinnen Chilipflanzen geschenkt und Journalisten Joints geschickt.

Entscheidend war aber der österreichische Buchhandel. Buchhändler haben "Zuagroast" entdeckt und weiterempfohlen. Gleichzeitig ist meine Social-Media-Community in die Buchhandlungen gegangen und hat nach dem Buch gefragt. In der dritten Woche waren wir auf der österreichischen Bestsellerliste. Danach wurde im Wochentakt nachgedruckt, bis wir drei Tage vor Weihnachten nicht mehr lieferbar waren. Der absolute Supergau.

Aus diesem Anfang ist eine unglaubliche Verbindung entstanden. Die Menschen lesen die Bücher nicht nur, sie machen diese Welt zu ihrer eigenen. Sie wandern auf den Spuren der Geschichten, fahren zu Originalschauplätzen, besuchen die Weintankstelle oder lassen sich Motive aus den Büchern tätowieren.

Ob meine Erzählweise besonders österreichisch ist? Das glaube ich gar nicht. Natürlich sind die Schauplätze regional und es gibt österreichischen Schmäh. Aber meine Bücher werden auch in anderen Ländern gelesen und die Menschen erkennen sich dort genauso wieder.

Vielleicht ist genau das die Antwort: Die Schauplätze dürfen sehr regional sein, aber gute Unterhaltung ist grenzenlos. Menschen erkennen sich in Menschen wieder, egal ob die gerade im Südburgenland, in Wien oder irgendwo in Deutschland sitzen.

 

Miss Verständnis
Martina Parker
18,50 € (DE)
ISBN 978-3-8392-0919-6
320 Seiten
ET: 12.10.2026
Gmeiner-Verlag

Auch als E-Book erhältlich

Bestellen Sie gern Ihr Leseexemplar bei: philipp.fiehl@gmeiner-verlag.de.

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