Die Sonntagsfrage

Warum wird Ihr Verlag auch in diesem Oktober auf der Buchmesse sein, Herr Houben?

9. August 2020
von Börsenblatt

Warum wird Ihr Rhein-Mosel-Verlag auch in diesem Oktober mit einem Stand auf der Buchmesse vertreten sein, Herr Houben?

Arne Houben

Arne Houben, Verleger des Rhein-Mosel-Verlags:

Na klar gehen wir als Aussteller da hin. Gerade dieses Jahr bietet große Chancen für uns kleine Verlage, auch weil viele Giganten der Branche nicht da sind - vielleicht wegen ihres Betriebsrats nicht da sein können. Auch ich sehe die Gefahr durch Corona, aber bei dem gründlichen Hygienekonzept der Messe und mit guten Masken und Abstand scheint es mir für mich und meine Leute vertretbar, dort auszustellen.

Die Buchmesse bestand immer schon aus zwei Teilen: aus der Fachbesuchermesse am Mittwoch, Donnerstag und (nicht ganz so konsequent) Freitag, sowie der Publikumsmesse am Samstag und Sonntag. Der zweite Teil wird entfallen und auch am Wochenende werden sich nicht viel mehr Besucher in den Hallen bewegen als in den Vorjahren am Donnerstag. Diesen zweiten Teil werden Verlage und Messe durch Aktivitäten in sozialen Medien, im Internet und in der Stadt Frankfurt zu ersetzen suchen. Trotzdem wird die Frankfurter Buchmesse auch im Jahr 2020 das wichtigste Ereignis für die Buchbranche sein. Ein Leuchtturm-Ereignis, das nach außen wirkt, aber auch genauso wichtig nach innen.

Mut machen, den Rücken stärken und Perspektiven aufzeigen: Das sehe ich als meine Aufgabe gegenüber Autor*innen, Lektor*innen und Graphiker*innen, gegenüber den Buchhändler*innen, den Großhändlern und den Druckereien, gegenüber all denen, die das Kulturgut Buch produzieren und präsentieren.

Dank der Buchmesse wird mein Stand doppelt so groß sein wie sonst und dank der Bundesregierung nur die Hälfte kosten (eine einmalige Gelegenheit, die vielleicht auch andere Verlage noch nutzen können). Dabei freue ich mich, nicht allein zu sein. Im »Verlagskarree« werden wir neben fünf Einzelständen einen Gemeinschaftsstand mit gut 20 Verlagen präsentieren. Und auf dem Podium Rheinland-Pfalz (gefördert von der Landesregierung) können wir fünf Tage lang coronagerechte Veranstaltungen zeigen - die über die sozialen Medien auch größere Kreise ziehen werden.

Ich bin jedenfalls sehr froh und dankbar, dass der Börsenverein und Jürgen Boos mit seinem Team den Mut haben, die Buchmesse in angepasster Form durchzuführen, auch wenn man natürlich die Gefahr eines neuerlichen Lockdowns nicht ausschließen kann.

Und noch etwas - ich persönlich will mir die Freude an unserer Buchmesse nicht nehmen lassen. Seit 25 Jahren bin ich dabei und genieße die Atmosphäre.

Wir werden diese Buchmesse nutzen, um unsere Rolle als Kulturträger auch in der Zeit der Pandemie hervorzuheben. Wir sind durch sie nicht in Schockstarre verfallen, sondern haben auch in diesem Jahr viele Neuerscheinungen zu bieten, über die es sich zu berichten lohnt.

Bis dann im Oktober auf der Messe.