Frankfurt - (K) Ein Ort für Verlage?

Buchhändlerhaus soll zum "Haus der Buchkultur" werden

Im Rahmen der Veranstaltung "Literaturland Hessen" fand heute im Frankfurter Literaturhaus eine Sonderausgabe der "Frankfurter Verlegergespräche statt". Auf dem Podium, das von Holger Ehling moderiert wurde, diskutierten Axel Dielmann, Daniela Seel und Torsten Casimir über den Verlagsstandort Frankfurt. Auch eine News gab es zu vermelden: Sonja Vandenrath, Literaturreferentin der Stadt Frankfurt, verriet mehr über die Nutzung des Buchhändlerhauses nach dem Auszug des Börsenvereins. VON GAB

Das Buchhändlerhaus im Frankfurter Hirschgraben

Das Buchhändlerhaus im Frankfurter Hirschgraben © Harald Schröder

Der Wegzug des Suhrkamp Verlags von Frankfurt nach Berlin kam immer wieder zur Sprache an diesem Morgen im Literaturhaus. Was macht Berlin so reizvoll für Verlage? 

Verlegerin Daniela Seel (Kookbooks), mit ihrem Verlag in Idstein im Taunus und in Berlin ansässig, ist davon überzeugt, dass es "enorm relevant" sei, wo man mit seinem Verlag stationiert ist. Für sie sei es wichtig, dass sie in Berlin mit besonders vielen Menschen zusammenkommen könne, die für ihre Arbeit als Verlegerin wichtig sind. Berlin sei mit seinen Wissenschaftlern vor allem für die Wissenschaftsverlage wichtig und das Wissenschaftsprogramm sei es ja auch, mit dem Suhrkamp in der Vergangenheit Probleme gehabt hätte. Seel hob besonders das Poesie Festival in Berlin heraus, das es "so nirgendwo in Europa" gäbe und kritisierte die vernachlässigte Kulturförderung des Landes Hessen als "Katastrophe". Auch herrsche unter den Frankfurter Verlagen ein zu starkes Konkurrenzdenken.

Axel Dielmann, mit seinem Verlag seit 16 Jahren in Frankfurt beheimatet, beanstandete die Angewohnheit Frankfurts, Kulturarbeit immer mit anderen Regionen vergleichen zu müssen. Auch hier gäbe es Angebote, allerdings vermisse er Buchhändler und Verleger unter dem Frankfurter Publikum, die auch bei dieser Veranstaltung im Literaturhaus weitgehend fehlten. Das sei in Berlin anders. 

Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir wies darauf hin, dass gerade das überschaubare Angebot an kulturellen Orten in Frankfurt eine Chance wäre, kulturellen Diskurs zu verdichten. Auch sei der Umzug des Suhrkamp Verlags vielleicht gar nicht der Stadt Frankfurt geschuldet, sondern eine Möglichkeit des Verlags, sich durch den Ortswechsel neu zu erfinden.

Als der Frankfurter Journalist Holger Ehling das Gespräch auf das geplante Haus der Verlage im Frankfurter Hirschgraben lenkte, meldete sich Sonja Vandenrath, Literaturreferentin der Stadt Frankfurt, die bislang im Publikum saß, zu Wort. Man sei mittlerweile weg von der Idee einer allzu engen Bindung des Hauses an die Verlage. Aktueller Arbeitstitel der geplanten Begegnungsstätte sei nun "Haus der Buchkultur". Geplant sei ein Zentrum kulturellen und ökonomischen Lebens. Gerade Frankfurt würde von der engen Verzahnung von Kultur und Wirtschaft, die übrigens zuvor in der Podiumsdiskussion eher kritisiert wurde, profitieren. "Das Haus der Buchkultur soll die ökonomische Seite des Kulturbetriebs wiederspiegeln", so Vandenrath weiter. Geplant sei es, dort etwa junge Kleinunternehmer wie beispielsweise Grafiker anzusiedeln oder eine Schriftstellerwohnung einzurichten. Ab diesem Jahr würde zudem erstmals ein Arbeitsstipendium für einen Frankfurter Autor ausgeschrieben, das mit 2.000 Euro im Monat bezahlt sei. 

Am Ende der Veranstaltung stand einmal mehr die Aufforderung an alle Kulturschaffenden Frankfurts, künftig mehr miteinander zu reden. Dies gilt es sicher auch für das geplante Haus der Buchkultur zu beherzigen. "Die Idee der `Bastelstube` finde ich charmant und gleichzeitig eine Herausforderung für Frankfurt, da es so etwas bislang noch nicht gibt", sagte Casimir. Vielleicht liegt in dem fehlenden Vorbild ja aber auch der entscheidende Vorteil für die Stadt Frankfurt.

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2 Kommentar/e

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  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Es werden noch viele Anstrengungen und
    Gespräche nötig sein, um eine neue
    Verwendung für das Buchhändlerhaus
    in Frankfurt zu finden.
    Traditionen sollten da jetzt nicht
    schnell über Bord geworfen werden.
    So könnte ich mir das Buchhändlerhaus
    auch als ein fester Treffpunkt für
    Buchhändler und Buchhändlerinnen
    vorstellen.
    Gefragt sind vielleicht auch junge
    Buchhändler, welche in Frankfurt/
    Seckbach die Buchhändlerschule
    besuchen.
    Auch sie könnten an der Zukunft
    vom Buchhändlerhaus miteinbe-
    zogen werden.
    Für Lesungen wäre so ein
    ,Haus der Buchkultur` ein
    geeigneter Platz.
    Aktionen und Veranstaltungen
    sollten nicht immer vom Geld
    für die Mieten abhängen.
    Das Buchhändlerhaus sollte
    auch weiterhin in der Trägerschaft
    vom Börsenverein bleiben.
    Im Zeitalter der weltweiten anderen
    Medien sollte das Buch an einem
    zentralen Platz präsent sein.
    Dies muß jetzt nicht immer nur Berlin
    sein.
    Frankfurt ist schon durch seinen
    Standort der Frankfurter Buchmesse
    in jedem Jahr sehr bekannt.
    Es fehlen oft die gut durchdachten
    Ideen.
    Jetzt also bitte keine kurzgefassten
    schnellen Entschlüsse.
    Die Stadt Frankfurt ist selbstver-
    ständlich am Prozess der Ideen
    miteingebunden.
    Die Idee der Umwandlung des
    Buchhändlerhauses zu einem
    ,Haus der Buchkultur` finde ich
    einen guten Ansatz.
    Es bleibt also zu hoffen, dass im
    Buchhändlerhaus in Frankfurt
    die Wirksamkeit des Buches
    weiterhin hochgehalten wird.
    Der Einsatz von allen Landesverbänden
    ist jetzt gefragt.

    Es ist jetzt die Chance, die genutzt werden
    sollte, um dem Buch wieder zu einer
    gewissen Lebendigkeit zu verhelfen.
    Das, Haus der Buchkultur` soll ein
    Sprachrohr für die Existenz des Buches sein.

    Für ein ,Haus der Buchkultur` wünsche ich
    mir viel Einsatz, Ideen und vor allem eine
    Begeisterung vom Börsenverein und von
    vielen Buchhändlern und Buchhhändlerinnen.
    Lassen wir uns einmal vom eigenen Mut
    und Idealismus anstecken und beflügeln.

    Harald Kraft, Bibliotheksangestellter, München

  • Fokko vom Fantasy-Blog

    Fokko vom Fantasy-Blog

    Wichtig ist vor allem, dass hier kein Elfenbeinturm für die Nabelschau der Eingeweihten geschaffen wird, sonern eine EInrichtung, die hilft, das Buch wieder unters Volk zu bringen.

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