Hegemann-Buch

"Axolotl Roadkill" mit sechseitiger Quellenangabe

Die nächste Ausgabe des zum Bestseller avancierten umstrittenen Debüts »Axolotl Roadkill« von Helene Hegemann wird eine detaillierte Quellenangabe enthalten. Diese von der Autorin und dem Ullstein Verlag erarbeitete Liste soll deutlich machen, bei welchen Büchern und Künstlern sich Hegemann bedient hat. Ullstein hat nachträglich in allen Fällen Abdruckgenehmigungen eingeholt.

Neben dem Blogger Airen, von dessen Buch »Strobo« (Sukultur Verlag) und aus dessen Blog airen.worldpress.com Hegemann zahlreiche Passagen kopiert hat, werden unter anderem die amerikanische Autorin Kathy Acker und der Filmemacher Jim Jarmusch aufgeführt.

Unterdessen mehren sich die Forderungen, etwa einer Autorengruppe bei Facebook, Hegemanns Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse rückgängig zu machen. Jury-Vorsitzende Verena Auffermann widerspricht jedoch: "Das Buch ist ein Schocker." Gerade auch die Art seines Zustandekommens werfe verschiedene Fragen auf, über die es sich nachzudenken lohne: "Natürlich ist das eine Verlotterung der Sitten. Ist das noch zu stoppen? Darüber sollten wir debattieren."

Schlagworte:

Download

11 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Hansi

    Hansi

    Da frag ich mich doch, hat denn diese Tante überhaupt was eigenes geschrieben und warum wird der ganze Mist nicht einfach eingestampft. Dann wäre in Zwei Wochen alles vergessen und wir hätten ein Machwerk weniger auf dem Markt.

  • blue

    blue

    früher gab es für das abschreiben schlechte noten heute einen verlag.

  • Magali

    Magali

    Wahrscheinlich hat Papi Hegemann außerdem am Werk der Tochter mitgebastelt und sie gelotst.
    "Ein Beleg führt zu Carl Hegemann
    Das Merkwürdige an der Sache ist: Während Hegemann sagt, dass sie das Buch nicht kenne, kann der Verlag SuKuLTur einen Beleg vorweisen, aus dem hervorgeht, dass Carl Hegemann den Roman Airens am 28. August 2009 über Amazon Marketplace bestellt und an seine Tochter Helene hat liefern lassen."
    http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72 054101/Doc~E2554FF3EE0594DA09A14DAAF6A135A68~ATpl~ Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews

  • saguenay

    saguenay

    Eigentlich könnte man ja mittlerweile wieder zur Tagesordnung übergehen. Die einen haben ihrem Ärger über den Klau Luft gemacht, die anderen, denen das Buch trotzdem gefällt, können es auch weiterhin kaufen und lesen, und da die Genehmigungen mittlerweile auch vorliegen, hätte man die Sache unter der Rubrik "mit blauem Auge davongekommen" abbuchen und vergessen können. Gäbe es da nicht Leute, die einfach nicht akzeptieren wollen, dass Debilität eine Krankheit und kein Geschäftskonzept darstellt (zumindest ausserhalb von Casting-Shows).

    Man mag zu dem nachträglich sanktionierten Textklau stehen wie man will, die Tatsache, dass das dieses Buch weiterhin auf der Nominierungsliste für Leipzig stehen bleibt, ist eine Frechheit, für die sich Verlag und Jury gleichermassen ein zielgerichtetes und grosszügiges Bombardement mit faulen Eiern verdient haben. Nach der Devise, wir müssen Helene Hegemann dankbar sein, dass sie geklaut hat, weil wir jetzt alle Gelegenheit haben, über dieses Thema zu diskutieren, wird hier seitens einer Branche, die sonst in jedem Filesharer eine Kreuzung aus Hitler und Dschingis Khan sieht, der Versuch unternommen, eine etwas traditionellere Form der Urheberrechtsverletztung auch noch mit einem Preis zu belohnen. Nun ja, "Glaubwürdigkeit" ist eines der am seltensten gebrauchten Fremdwörter der deutschen Sprache....

    An könnte sich jetzt die Frage stellen, für wie dämlich die Verantwortlichen die Öffentlichkeit halten (oder wie dämlich die Öffentlichkeit eigentlich ist, um sich eine derart verquere Argumentation bieten zu lassen), aber das würde etwas zu weit führen. Da ist es weitaus einfacher, sich dieses Vorgehen zu eigen zu machen und auf andere Lebensbereiche zu übertragen: D.h. der Nächste, der sich volltrunken ans Steuer setzt und einen scheuslichen Unfall verursacht, erhält automatisch eine Nominierung zum "Kavalier der Straße", weil er damit einen wichtigen Beitrag zum öffentlichen Diskurs über Sicherheit im Strassenverkehr geleistet hat.

  • Arnim Beine

    Arnim Beine

    Normalerweise hagelt es schon bei wesentlich geringeren Urheberrechtsverletzungen Abmahnungen. Ich frage mich, warum ist das in diesem Fall nicht so ist. Bis jetzt fehlt mir noch die Antwort.

  • Andrea Schriever

    Andrea Schriever

    Über die Autorin Helene Hegemann sollte man meines Erachtens nicht zu Gericht sitzen, sondern vielmehr über den Zustand des Literaturfeuilletons, d. h. seiner MacherInnen. Einzelne Namen braucht man hier nicht zu nennen, denn diese Zunft schreit und schreibt ja einstimmig im Chor. Sie sind sich nicht zu schade - besonders auch die schon betagteren Damen und Herren, die ja "Lesetipps" und "Leipziger Buchpreise" austeilen, nicht - sich bis zur Selbstverleugnung "progressiv bis revolutionär" zu geben, um ja nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Ich wette meinen gesunden Menschenverstand darauf, dass es ihnen kaum um die junge Autorin und deren Buch geht, sondern um reine Selbstdarstellung. Man braucht heute keine Maßstäbe mehr für gute Literatur, sondern nur noch den guten Riecher, damit man unbedingt dabei ist, wenn der Hype sich ankündigt. Helene Hegemanns Buch ist durchaus diskussionswürdig. Doch hier wurde nicht nach den Regeln einer seriösen Literaturkritik diskutiert. Hier enblößte sich die ganze Zunft bis zum Bankrott, eine reine Posse, man lief sich selbst in die Falle. (Interessanterweise hat die Zeit den "Lesetipp" Axolotl Roadkill wieder aus dem Netz genommen. Wie soll man das jetzt werten? Als Einsicht in ein krasses Fehlurteil jener Rezensentin über das Buch? Oder nur als klägliches Wegducken?) Nicht das Buch von Helene Hegemann, sondern dieses schlechte Stück, das darüber im Blätterwald gespielt wurde, ist der eigentliche Skandal. Und dass die Missachtung von Urheberrechten von der Kritikerzunft ebenso einhellig als zeitgemäßes Sampling interpretiert wird, was die "künstlerische Qualität " des Romans erst so recht zum Ausrdruck brächte, zeigt den absoluten Notstand, in dem sich dieses Ressort unserer Kultur befindet.

  • Amaryllis

    Amaryllis

    Bravo, Frau Schriever!
    Nur eine kleine Korrektur: "Man braucht heute keine Maßstäbe mehr für gute Literatur", schreiben Sie - nein, man HAT keine mehr.
    Und bei Radisch heute in der Zeit hab ich mich gefragt, ob man nicht manche Kritiker vor sich selbst schützen müßte.

  • GT

    GT

    @saguenay: Danke, für diesen großartigen Kommentar. Statt abzuschreiben, schließe ich mich deim einfach an!

  • saguenay

    saguenay

    @GT

    :-)))

    solange er in keinem Buch wieder auftaucht, kann jeder user damit machen, was er/sie für richtig hält.

  • Kathrin

    Kathrin

    @saguenay
    In dem Fall würde ich gerne den vorletzten Satz, 2ter Absatz als Signatur (selbstverständlich mit Zitierverweis verwenden.) Eventuell häng ich mir den Kommentar auch einfach nur über den Schreibtisch. ; )

  • gittakohl

    gittakohl

    "Ich finde meine dissoziative Identitätsstörung interessanter als alles, was diese Stadt mir ununterbrochen ins Gesicht kotzt." (Quelle Helene Hegemann, Axolotl Roadkill 2010 by Ullstein, S. 24, wir wollen ja in der Beziehung korrekt sein!)
    "Schulabschluss? Wozu denn? Ich hab doch ein Fahrrad und kann mich genauso gut mit französischen Studiofilmen bei Laune halten, in denen sämtliche Protagonisten gleichzeitig irgendeinen Scheiß aus handgetöpferten Lehmbehältern in sich reinstopfen und ihre Frauen betrügen." (daselbst, S. 22)
    Noch eine Genie-Kostprobe? Bittesehr:
    " Es geht um meine Achtungswürdigkeit, um Stahl und Beton, um eine riesige Fensterfront, die mit beweglichen Rollläden verschlossen werden kann, um meine Angst vor dem Tod, es geht um die Explosion der Wahrnehmung und vielleicht auch ein bisschen um eine organisierte Form von Schallereignissen. (daselbst, S. 23)
    usw. bis S 203.
    Wer spricht hier? Helene Hegemann, sechzehn Lenze alt, geniemäßig durchgeknallt?
    Wenn ja, dann haben wir ein Wunderkind. Und dann sollten wir das endlich akzeptieren: A star is born!
    Allerdings: Wenn`s doch der Papa war? Tja, dann weiß ich auch nicht, wen ich mehr bewundern soll. Ihn? Sein Töchterchen? Beide? Und natürlich auch die weiteren Mitwirkenden.

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld