Leipziger Buchmesse

Woher, wohin?

Eine literarische Landkarte zur Veranstaltungsreihe „Common Ground“, die bei der kommenden Leipziger Buchmesse Premiere hat.

Die von TRADUKI, dem europäischen Netzwerk für Bücher und Literatur, gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse initiierte Veranstaltungsreihe „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“ soll das Gemeinsame der beteiligten Länder betonen – das ist ein engagiertes Unterfangen, schließlich sind unter den Ländern, die Autoren an den Gemeinschaftsstand und die Bühnen in Leipzig entsenden, ehemalige Kriegsgegner: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Nordmazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien und Slowenien

In der Sprachwissenschaft ist der „Common Ground“ die Annahme über einen abstrakten gemeinsamen „Wissensraum“, der zwischen Kommunikationspartnern besteht. Die gemeinsamen Themen in den Gesprächsforen werden wohl viel mit Umbrüchen, Umzügen, Sprachwechseln und Sich-Wiederfinden zu tun haben. Die erste Auflage der Veranstaltungsreihe, die auf drei Jahre (2020 – 2022) angelegt ist, ist mit „Herkunft und Identität“ überschrieben - ein Thema mit  Konfliktpotenzial. Als Saša Stanišić, aus Bosnien stammender, inzwischen in Deutschland lebender Schriftsteller, im Herbst 2019 die Auszeichnung von Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis kritisierte, wurden die tiefen Gräben deutlich, die den Common Ground auch heute noch durchziehen.

Eine Bemerkung zum Gebrauch dieser interaktiven Landkarte, die per Mausklick zu den Namen von Autoren und ihren Veranstaltungen in Leipzig führt: Sie ist für die literarisch Interessierten, aber geografisch Unsicheren gedacht. Sie soll zeigen, welche Autor*innen der Reihe "Common Ground" aus welchen Ländern kommen – also: irgendwann einmal kamen, auch wenn sie inzwischen in Frankreich, Deutschland oder Italien leben. Und genau darin liegt die Schwierigkeit – da sind so viele Migrationserfahrungen praktischer und sprachlicher Art verwoben, dass die Bezeichnung „Herkunft“ ihre topographische Bedeutung verliert. So gilt für die Literaturen der vielen Balkanstaaten: Der gemeinsame kulturelle Hintergrund ist viel größer als das Land oder die Länder, in denen diese Schriftsteller leben oder lebten. 

Da hilft fürs Verständnis nur eins: Zu den Common-Ground-Veranstaltungen während der Leipziger Buchmesse hingehen und zuhören. Es wird sich lohnen - unter den Gästen sind Autoren wie Mircea Cărtărescu, die schon im deutschen Literaturbetrieb angekommen sind, aber auch Autorinnen und Autoren, deren Bücher bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurden, wie Rene Karabash und Ognjen Spahić. Journalist*innen, Historiker*innen, Wissenschaftler*innen und Autor*innen aus Deutschland kommen mit den Gästen aus Südosteuropa ins Gespräch.