Dazu gehört laut Recherche von Anh Tran und Text von Max Kuball die Aussage von Ingo Schulze, er habe die "Mängelliste" nicht im Auftrag des S. Fischer Verlags erstellt, und er habe seinem Schriftsteller-Kollegen Frank Witzel sein Einverständnis gegeben, zwölf der über 20 Punkte der Liste an die Juryvorsitzende des Deutschen Buchpreises 2023, Katharina Teutsch, weiterzuleiten.
Die Autorin Charlotte Gneuß werde bis heute auf Lesereisen auf vermeintliche Fehler in ihrem Buch angesprochen, heißt es im Beitrag von Deutschlandfunk Kultur. Sie wird zitiert mit den Worten: "Ich hätte mir damals eigentlich einen Diskurs über Machtmissbrauch, über die Verstrickungen im Literaturbetrieb gewünscht und der ist eigentlich ausgefallen."
Gewonnen hat den Deutschen Buchpreis 2023 der Autor Tonio Schachinger mit "Echtzeitalter" (Rowohlt).
Zum Beitrag von Deutschlandfunk Kultur: Gittersee: Ingo Schulzes "Mängelliste" und die Folgen
Ich selbst hab’ einen Teil meines Lebens als Autorin verbracht, dabei sogar einen Wettbewerb gewonnen. Dass ich sowas vorab besser erwähne, ist problematisch und zeigt auch ein Problem.
Nun meint Ihr einen Skandal aufzudecken: 2023 war der Debüt-Roman »Gittersee« von Charlotte Gneuß auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Ihr schreibt: „Dann erreicht eine „Mängelliste“ von Autor Ingo Schulze die Jury – und das Buch kommt nicht auf die Shortlist. Zufall? Gezielte Beeinflussung?“
Ihr meint, ein renommierter Autor hätte eine Mängelliste“ weder schreiben noch der Jury geben dürfen. Und keine Karriere stören.
Au weia! - Da ist ja nun alles schief.
Schon die Bezeichnung „Mängelliste“ ist verunglimpfend. Denn in seiner Einleitung beglückwünscht Schulze den Verlag ausdrücklich, „eine so gute Erzählerin gefunden zu haben“. Und weiter: „Das hat mich wirklich beeindruckt. So ein Debüt ist selten.“
Natürlich hat jede:r Autor:in das Recht, sich zum Schreiben anderer zu äußern. Und ja, Kritik ist nicht immer karriereförderlich. Und das ist auch gut so. Sonst wär’s nämlich Patronage. Plädiert Ihr etwa für Geklüngel? Und soll einer Jury Kritik vorenthalten bleiben, damit fälschlich mild urteilt? Das wäre doch absurd.
Feministisch meine ich: Euer Stück ist frauenverächtlich. Es reklamiert eine Zurückhaltung bei Sachkritik an Autorinnen. Aber merke: Frauen reiten nicht mehr Damensattel. Ernst genommen werden heißt auch, gleich beurteilt und behandelt zu werden.
Herzlichst,
EDDY RENARD
(alias Jana Fennek)