ZEIT-Auswertung zu Druckfrisch-Verrissen

Muss Scheck weg?!

16. April 2026
Kai-Uwe Vogt

Der Literaturbetrieb diskutiert, ob der Kritiker Denis Scheck in seiner ARD-Sendung "Druckfrisch" Bücher von Autorinnen bevorzugt negativ bewertet. Eine aktuelle Auswertung der Wochenzeitung "Die ZEIT" liefert dazu deutliche Ergebnisse. Ein Kommentar.

Denis Scheck steht an einem Transportband und wirft ein Buch in eine Tonne

Screenshot aus der Sendung Druckfrisch mit Denis Scheck (Ausstrahlung am 29.3.2026)

Kein Raum für Frauenfeindlichkeit?

In seiner Sendung "Druckfrisch" urteilt Denis Scheck mal schwärmerisch, mal verhalten, oft aber mit harschen Worten. Ein Höhepunkt der auf späte Sendeplätze verbannten Sendung sind seine rhetorisch geschliffenen Schnellurteile über die Top-10-Titel der "Spiegel"-Bestsellerliste. Die Auswahl dieser Bücher, ob Belletristik oder Sachbuch, trifft also nicht Scheck, sondern das kaufende Publikum.

Darüber, ob Deutschlands wohl gefürchtetster Literaturkritiker bei seinen Urteilen Autorinnen unfairer behandelt als ihre männlichen Kollegen, wird seit einer Woche heftig gestritten. Auslöser war die jüngste "Druckfrisch"-Folge, in der Scheck den neuen Roman von Ildiko von Kürthy ("Geschnatter von der Damentoilette auf einer Hochzeit") und Sophie Passmanns Buch "Wie kann sie nur" verriss. Von Kürthy und Passmann warfen Scheck daraufhin öffentlich Sexismus vor.

Die ARD stellte sich vor ihren Kritiker: In "Druckfrisch" gebe es "keinen Raum für Frauenfeindlichkeit", das Geschlecht spiele keine Rolle. Scheck selbst betonte, er bemühe sich seit 23 Jahren um eine pointierte Bewertung der Texte, nicht der Personen dahinter. Im März habe er vier Bücher von Frauen gelobt und drei negativ besprochen.

Das ergibt die Auswertung der "ZEIT"

Ist der Vorwurf damit vom Tisch? Kaum. "Die ZEIT" hat alle 29 in der ARD-Mediathek verfügbaren "Druckfrisch"-Folgen ausgewertet. Das statistische Ergebnis ist eindeutig: Scheck verreißt signifikant häufiger Bücher von Frauen als von Männern. Dies gilt sowohl für die Belletristik, wo insbesondere die Romance-Literatur einen schweren Stand bei ihm hat, als auch für das Sachbuch. Von den 118 Büchern der Autorinnen warf Scheck 53 in die Kiste (44,9 Prozent), von den 168 Büchern der Männer 50 Exemplare (29,8 Prozent). 

Verrissquote von Autoren und Autorinnen in Gesamt, Belletristik und Sachbuch. Gesamt liegen Autorinnen bei 44,9 % und Autoren bei 29,8 %. In der Belletristik betragen die Werte 51,5 % zu 33,8 %, im Sachbuch 36,0 % zu 26,8 %.

Autorinnen haben es bei Denis Scheck schwerer als Autoren.

 

Warum Schecks Kritik an Sophie Passmann problematisch ist

Doch Zahlen sind nur die eine Seite. Die andere ist die Art der Kritik. Schecks Behauptung, seine Kritik gelte stets nur den Büchern, wirkt wenig überzeugend, wenn man die Wortwahl vergleicht. So wurde Sebastian Fitzeks Roman in der aktuellen Folge zwar als "stupider und voyeuristischer Gewaltporno" bezeichnet – eine harte Kritik am Werk. Ganz anders geht Scheck jedoch mit Sophie Passmann um:

Was soziale Medien in einem Kopf ohne echte Bildungsressourcen anrichten, in dieser intellektuellen Desasterzone von einem Buch lässt es sich besichtigen. […] Wie ein Wellensittich in seinem Käfig nur ein Blick für sein eigenes Abbild im Spiegel hat, so kreist Passmanns Schreiben unablässig um ihren eigenen Nabel: Bin ich schön? Bin ich attraktiv? Werde ich geliebt? In Passmanns Versuch, diesen Narzissmus zu reflektieren, kommt lediglich Narzissmus 2.0 heraus. Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins.

Denis Scheck in Druckfrisch (März 2026)

Hier wird die Grenze zum Persönlichen überschritten. Auch abwertende Tiervergleiche wie "Geschnatter" im Bezug auf von Kürthys Roman zielen auch Richtung Autorin. Zwar greift Scheck auch männliche Autoren persönlich an; über Fitzek äußerte er sich vor einigen Jahren, es sei "so ein talentloser, klischeeverhafteter und – mit Verlaub – dummer Autor", und meinte damit ganz klar die Person, nicht nur den damals besprochenen Roman - , aber Autorinnen trifft es bei Scheck einfach deutlich öfter.

Solche Angriffe sind Teil einer Effekthascherei, die man als Methode Schecks bezeichnen kann. Dass Scheck es besser könnte, beweist er regelmäßig. Und das ist das Traurige. Seine stillosen, aus der Zeit gefallenen Altherren-Zoten auf dem Niveau bierseliger Stammtische sind keine Literaturkritik. Sie mögen zu Schecks bunten Einstecktüchern passen, aber nicht in einen modernen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dessen Bildungsauftrag. Es ist Zeit für frischen Wind. Kann Schecks Art der Kritik also in die Tonne? Ja. Und seine Einstecktücher dürfen gerne mit.