Neue Waren und Retouren in der Müllpresse

Droht Amazon ein neuer Skandal?

8. Juni 2018
von Börsenblatt Online
Der Onlinehändler Amazon würde massenhaft Retouren und neuwertige Produkte vernichten, berichtet das ZDF-Magazin "Frontal 21" und die "WirtschaftsWoche". Interne Produktlisten, Fotos und Aussagen von Mitarbeitern sollen belegen, dass in großem Umfang Güter aller Art in den deutschen Logistiklagern entsorgt werden. Am Dienstagabend widmet "Frontal 21" dem Thema einen Beitrag.

Neben Kühlschränken, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel landen nach Erkenntnis der „Frontal 21“-Redaktion auch Bücher in der Müllpresse, wie eine "Frontal 21"-Redakteurin gegenüber boersenblatt.net bestätigt.

Im Beitrag, der am Dienstag, 12. Juni um 21.00 Uhr ausgestrahlt werden soll, berichtet eine Amazon-Mitarbeiterin, dass sie jeden Tag Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro vernichtet habe. Mehrere Beschäftigte kritisieren übereinstimmend, Amazon entsorge nicht nur unbrauchbare Produkte, sondern zerstöre auch funktionstüchtige, teilweise sogar neue Produkte.


"Versandmethode Destroy" oft genutzt

Deutschlands größter Onlinehändler biete auch externen Anbietern, die den Logistikservice "Versand durch Amazon" nutzen, die Möglichkeit, unverkaufte Lagerbestände zu entsorgen. Interne Dokumente zeigen laut „Frontal 21“, dass der Service offenbar rege genutzt wird. Auf Produktlisten, die "Frontal 21" und der "WirtschaftsWoche" vorliegen, tauchen zum Beispiel Kinderturnschuhe, Kopfhörer sowie Hunderte weitere Artikel auf – für einen einzigen Tag, in einem einzigen Lager.

Amazon bestreitet laut „Frontal 21“ die Vernichtung von Waren nicht, teilte aber mit, das Unternehmen arbeite jeden Tag an der Verbesserung von Prozessen, um "so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen".

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, hat Amazon aufgefordert, die Vorwürfe aufzuklären. "Das ist ein riesengroßer Skandal, denn wir verbrauchen auf diese Weise Ressourcen mit allen Problemen insgesamt auf der Welt. Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit." Und weiter: "Ich bin überzeugt, dass viele Verbraucher von einem solchen Verhalten schockiert sind und es auch nicht akzeptieren werden", so Flasbarth.