Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik

Im Jahr 1977 hat das Börsenblatt den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik gestiftet, der heute mit 5.000 Euro dotiert ist. Bis 1995 wurde jedes Jahr ein besonders bemerkenswerter Literaturteil einer deutschsprachigen Zeitung oder Zeitschrift, eines deutschsprachigen Hörfunk- oder Fernsehprogramms ausgezeichnet. Seit 1996 würdigt die Jury jeweils die Arbeit einer Einzelperson.

Der Namensgeber

Die Auszeichnung erinnert an den Schriftsteller, Theaterkritiker und Publizisten Alfred Kerr (1867 bis 1948), der in der Kritik eine eigene Kunstform sah. Er war der Vater von Judith Kerr

Sein besonderes Kriterium

Der Preis wird nicht für eine Einzelkritik vergeben, maßgeblich ist vielmehr die Kontinuität des literaturkritischen Schaffens.

Bisherige Preisträger

2021
Dr. Roman Bucheli

"Stilistisch brillant"

Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2021 geht an Roman Bucheli, den stellvertretenden Leiter der Feuilletonredaktion bei der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Die Begründung der Jury:

"Bucheli ist seit mehr als 20 Jahren Feuilleton­redakteur bei der ›Neuen Zürcher Zeitung‹; immer stilistisch brillant, stets auf der Höhe der kritischen Diskussion, von denkbar breiten Kenntnissen gestützt. Er ist bisweilen bissig in seinem Urteil, aber mit Haltung auf­seiten der Autoren, gelegentlich sogar der Verleger. Bucheli widmet sich in seinen Kritiken intensiv der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, insbesondere der Lyrik. Allemal sind seine Rezensionen Erfrischungsbäder für Literaturliebhaber. Roman Bucheli steht in der ersten Reihe der Literaturkritiker ganz vorn."

Roman Bucheli, geboren 1960 in Emmenbrücke, studierte Germanistik, Philosophie und Wirtschaftsgeschichte in Fribourg und Zürich. Seine Dissertation widmete er dem Lyriker Alexander Xaver Gwerder. Nach Tätigkeiten bei einer Bank und bei einem Software-Unternehmen wurde er 1994 Redakteur beim Deutschen Literatur-Lexikon. Gleichzeitig publizierte er regelmäßig Literaturkritiken in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) und in weiteren Schweizer Tageszeitungen. 1999 trat er in die Feuilleton-Redaktion der NZZ ein, wo er für die deutschsprachige und niederländische Literatur sowie für die romanischen Literaturen zuständig ist – inzwischen als stellvertretender Ressortleiter. Außerdem arbeitet er als Autor und Herausgeber für den Wallstein Verlag. 

 

1996 bis 2020

2020 | Dr. Christian Metz
"Glücksfall für die Literatur"
2019 | Marie Schmidt
"Literatur ist keine Wellnessanwendung"
2018 | Michael Braun
Wahre Worte und viele Weggefährten
2017 | Andreas Breitenstein
"Er beurteilt vor einem weiten Horizont"
2016 | Nico Bleutge
"Er urteilt eigenständig und argumentiert offen"
2015 | Manfred Papst
"Selten kluge Texte"
2014 | Dr. Insa Wilke
"Sie besitzt den Eros der Vermittlung"
2013 | Dr. Daniela Strigl
Von Romanen und Lipizzanern
2012 | Helmut Böttiger
Fürsprecher auch des Unbequemen
2011 | Dr. Ina Hartwig
"Sie verweigert das schnelle, flüchtige Urteil."
2010 | Dorothea von Törne
"Bewegliche Sprache für die Poesie"
2009 | Gregor Dotzauer
"Seine Arbeiten bestechen durch komplex entwickelte Argumentation"
2008 | Burkhard Müller
Eigensinn und luzide Sprache
2007 | Hubert Winkels
2006 | Meike Feßmann
2005 | Hubert Spiegel
2004 | Elmar Krekeler
2003 | Felicitas von Lovenberg
2002 | Dr. Maike Albath
2001 | Dr. Ulrich Weinzierl
2000 | Dr. Lothar Müller
1999 | Andreas Nentwich
1998 | Günter Ohnemus
1997 | Dr. Paul lngendaay
1996 | Dr. Hanns Grössel


Alle Preisträger im Überblick

1977 bis 1995

Bis 1995 wurde mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik jedes Jahr ein besonders bemerkenswerter Literaturteil einer deutschsprachigen Zeitung oder Zeitschrift, eines deutschsprachigen Hörfunk- oder Fernsehprogramms ausgezeichnet.

Die Jury

Katrin Lange

Programmreferentin am Literaturhaus München

Katrin Lange, Literaturhaus München
Michael Lemling

Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl

Michael Lemling

Alexandra Pontzen

Professorin für Literaturwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen

Alexandra Pontzen
Klaus Reichert

Professor  für Anglistik, Ehrenpräsident der Akademie für Sprache und Dichtung

Klaus Schöffling

Verleger

Klaus Schöffling

Torsten Casimir

Chefredakteur Börsenblatt

Wie Preisträger*Innen gefunden werden

Das Expertengremium beobachtet kontinuierlich das literaturkritische Schaffen in den Medien aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und erstellt eine Kandidatenliste für die jährliche Jurysitzung, bei der der Preisträger ermittelt wird.

Der Runde gehören aktuell die oben gezeigten sechs Personen an. Frühere Jury-Mitglieder waren unter anderem die Leiterin der Casa di Goethe in Rom Dr. Maria Gazzetti und die Literaturwissenschaftlerin Dr. Rachel Salamander sowie der im Sommer 2017 verstorbene Schriftsteller, Herausgeber und Journalist Peter Härtling, der viele Jahre dem Gremium angehörte.