Jahrestagung IG Digital

Der Sound der digitalen Transformation

11. Juni 2018
von Börsenblatt Online
Digitale Transformation beginnt in den Köpfen. Das versuchte Business-Professor Klemens Skibicki dem Publikum der IG-Digital-Jahrestagung in Berlin schlaglichtartig bewusst zu machen. Aus dem Saal wurde so etwas wie eine "digitale Tanzfläche". Erste Lektionen vom Vormittag.

Im famosen Jazz-Hotel Ellington in Berlin startete heute Vormittag die Jahrestagung der IG Digital im Börsenverein. 

Nach der Eröffnung durch Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller und der Begrüßung durch die Sprecher der IG Digital (Michael Döschner-Apostolidis und Carmen Udina) betrat Klemens Skibicki, Professor an der Cologne Business School, die Bühne. 

Digitalisierung als mentale Herausforderung

Klemens Skibickis Thema: Digitalisierung als mentale Herausforderung. Digitale Transformation, so Skibicki, bedeute einen radikalen Wandel: sowohl auf der Seite der miteinander vernetzten Prozesse als auch in der sozialen Vernetzung der Menschen selbst.

  • Kernfrage 1 sei, wie Prozesse, die bisher als Wertschöpfungsketten und Hierarchien im Unternehmen abgebildet wurden, so neu gedacht werden können, dass sie in Netzwerke ausgelagert und effizienter erledigt werden können.
  • Kernfrage 2 sei, wie die Möglichkeiten der vernetzten Kommunikation über alle Plattformen hinweg so genutzt werden können, dass ein Produkt an den Kunden gebracht werden kann. „Wir müssen da sein, wo die Nutzer sind – Fischen, wo die Fische sind“, so Skibicki. Dazu müsse man die Digitalkompetenz überall im Unternehmen verankern. Nur auf der Basis einer digitalen Kommunikationsstrategie ließen sich tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln. „Wir sind alle auf einer digitalen Tanzfläche, und der Manager ist der DJ“ („Management as a DJ“ soll Skibickis nächstes Buch heißen).
Themenwechsel: E-Book

Steve Potash, Gründer des E-Book-Aggregators Overdrive und CEO von Rakuten Overdrive (Rakuten hat Overdrive 2016 übernommen) stellt sein Unternehmen vor: als Anbieter des größten E-Book-Katalogs der Welt, der vor allem im englischsprachigen Raum aktiv ist. Potash, der auch Gründungsmitglied des IDPF (International Digital Publishing Forum) war, ist vom Erfolg des E-Books überzeugt. Die Marktzahlen, die die US-Verlage melden, hält er für unvollständig. Viele Editionswege von E-Books würden nicht erfasst. Digitale Audiobooks hätten zudem einen enormes Wachstum: plus 32 Prozent in den USA im vergangenen Jahr. Die Nachfrage von Bibliotheken und Schulen nach E-Books wächst kontinuierlich – dennoch, so Potash, hätten immer noch viel zu wenige Amerikaner einen Bibliotheksausweis. Mit gezielten Kampagnen geht Overdrive deshalb „dorthin, wo die Leser sind“. Zum Beispiel auf eine Internetplattform, auf der Bücher für Kinder von Kindern vorgestellt werden. Die Initiative trägt Früchte: Mehr Kinder als zuvor lesen. Potash nannte zahlreiche weitere Beispiele, die auch für Buchhändler interessant sein können – natürlich unter dem Gesichtspunkt der Verkaufszahlen, nicht der Ausleihquoten.

Update: Jochen Grieving (transfer. bücher und medien, Dortmund) ist aus gesundheitlichen Gründen als einer der drei Sprecher der IG Digital zurückgetreten.