Bertelsmann

„Markus Dohle ist ein Symbol für unsere Wachstumsstrategie“

24. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Markus Dohle setzt sich an die Spitze von Random House und im Bertelsmann-Vorstand. Konzernchef Hartmut Ostrowski nimmt dazu im Firmennetz des Konzerns Stellung:
Warum verlässt Peter Olson Random House? Hartmut Ostrowski: Er wollte es. Angesichts seines nahenden 60. Geburtstages hat Peter sich die Frage nach seiner zukünftigen Lebensplanung gestellt. Und er hat eine Antwort gefunden: Er will eine Lehrtätigkeit an einer renommierten Universität aufnehmen, nachdem er zehn Jahre lang an der Erfolgsgeschichte von Random House geschrieben und das Unternehmen zu dem entwickelt hat, was es heute ist: zur größten und erfolgreichsten Publikumsverlagsgruppe der Welt. Das ist eine Lebensleistung, die ihresgleichen sucht, und es ist ein beachtliches unternehmerisches Erbe, das er Bertelsmann hinterlässt. … und warum wird Markus Dohle neuer Chef von Random House worldwide? Hartmut Ostrowski: Weil er der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Markus Dohle ist einer der jungen, herausragenden Unternehmer, die die Zukunft von Bertelsmann gestalten werden. Um ehrlich zu sein, er gestaltet sie schon seit langem. Seit er vor sechs Jahren an die Spitze der Mohn Media Gruppe berufen wurde, hat er gleich mehrfach bewiesen, wie er Geschäfte in gesättigten Märkten mit innovativer Kraft zu neuer Blüte führen kann, dass er auch imstande ist, einen Turnaroundprozess zu meistern und dass er dabei Management und Mitarbeiter gleichermaßen mitzunehmen weiß. Mehr noch, Markus begeistert sie: für Neues, für ihr Unternehmen, für die gemeinsamen Ziele. Es wird nicht lange dauern, bis die Random-House-Mitarbeiter von seinem Unternehmergeist angesteckt werden. Denn so erfolgreich Random House heute ist, das Buchgeschäft braucht für die Zukunft dringend neue Impulse, um angesichts beispielsweise der technologischen Herausforderungen wieder wachsen zu können. Das heißt zugleich, dass Bertelsmann und auch Sie persönlich sich zu Random House und dem Medium Buch bekennen? Hartmut Ostrowski: Um es ein für allemal klipp und klar zu sagen: Bertelsmann ist sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung von Random House und stolz darauf, die weltgrößte Publikumsverlagsgruppe im Konzern zu wissen. Der Bertelsmann-Vorstand vertraut den 5.700 Mitarbeitern aus ganzem Herzen, so wie er Peter Olson vertraut hat. Und Bertelsmann plant keinen Ausstieg aus dem Buchgeschäft. Ganz im Gegenteil: Wir wollen Random House wachsen sehen, wollen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern neue Perspektiven eröffnen und Random House fit für die Zukunft machen. In diesem Sinne ist die Berufung von Markus Dohle integraler Bestandteil der neuen Wachstumsstrategie von Bertelsmann. Sie wollten also ein Zeichen setzen … Hartmut Ostrowski: … ja durchaus. Die Ernennung von Markus Dohle ist auch ein Symbol dafür, dass wir es ernst meinen mit unserer neuen Wachstumsstrategie ... … und zugleich Führungsstärke demonstrieren? Hartmut Ostrowski: Der gesamte Vorstand hat sich auf die von mir entwickelte Wachstumsstrategie verpflichtet. Sie wird außerdem von Aufsichtsrat und Gesellschaftern des Hauses Bertelsmann getragen. Um die Strategie umzusetzen, brauchen wir natürlich die richtigen Leute, Unternehmer wie Markus Dohle beispielsweise. Dass Peter Olson eine neue Weichenstellung in seinem Leben vorgenommen hat, gab uns wiederum die Chance, unsererseits die Weichen bei Random House neu zu stellen. Nicht mehr und nicht weniger. Random House erwirtschaftet den Löwenanteil von Umsatz und Ergebnis mit englischsprachiger Literatur in Nordamerika. Glauben Sie, dass ein Deutscher, der zudem nicht aus dem Verlagsgeschäft kommt, dort akzeptiert wird? Hartmut Ostrowski:Bei Bertelsmann qualifiziert sich eine Führungskraft allein durch ihre Leistungen und ihre Fähigkeiten für eine neue Aufgabe – zumal für eine so wichtige. Markus Dohle wird seinen Sitz in New York haben, er wird mit seiner Familie dorthin ziehen und er spricht fließend Englisch. Sein Bruder lebt und arbeitet übrigens bereits seit mehr als zehn Jahren ebenfalls in den USA und fühlt sich dort sehr wohl. Von seiner bisherigen Tätigkeit ist Markus es außerdem gewohnt, international zu arbeiten. Er verantwortet heute schon ein internationaleres Geschäft mit mehr Mitarbeitern, als es in der Zukunft der Fall sein wird. Dass er Gütersloh kennt und künftig in New York zu Hause ist, muss in dieser Kombination beileibe kein Nachteil sein. Und Herkunft oder Nationalität eines Managers spielen in der globalisierten Wirtschaftswelt des Jahres 2008 doch wohl wirklich keine Rolle mehr. Aber Markus Dohle muss das Herz der Verleger und Autoren gewinnen – wie soll er das schaffen? Hartmut Ostrowski: Markus Dohle wird den Verlegern dasselbe Höchstmaß an Unabhängigkeit und verlegerischer Freiheit gewähren wie seine Vorgänger. Denn diese Unabhängigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Erfolgsgeschichte von Random House – und von Bertelsmann. Markus ist Unternehmer aus Leidenschaft, er ist zupackend, innovativ, kommunikativ und hochintelligent. Er ist es gewohnt, sich hochgesteckte Ziele zu setzen – und sie zu erreichen. Genau aus diesen Gründen steht er ab sofort an der Spitze von Random House und nicht, weil er ein verdienter Verleger wäre. Random House braucht jetzt einen Mann wie ihn. Aber Random House braucht auch seine herausragenden Verleger und Autoren. Beide Seiten sind aufeinander angewiesen. Das bedeutet aus Sicht von Dohle, dass er sehr genau auf den fachlichen Rat, die Kompetenz und die Wünsche der Verleger Acht geben wird. Er wird ihre Rolle eher noch stärken. Dafür hätten Verleger Erfahrungen mit dem Buchgeschäft mitgebracht, die Markus Dohle fehlen … Hartmut Ostrowski: Zum einen gilt das nur bedingt, da Markus Dohle in seiner bisherigen Laufbahn etwa als Chef der Vereinigten Verlagsauslieferung (VVA) oder der Mohn Media Gruppe durchaus Erfahrungen im Buchgeschäft sammeln konnte und weil er zudem sehr gerne liest. Zum anderen bringt er im Gegenzug seine ausgezeichneten unternehmerischen Fähigkeiten mit, seine Innovationsfreude und die offen zupackende Art, mit der er unternehmerische Herausforderungen erkennt und angeht. Genau diese Eigenschaften sind jetzt gefragt, um Random House – und Bertelsmann – fit für das Verlagsgeschäft von morgen und übermorgen zu machen. Oder anders gesagt, um Stabilität in Wachstum zu verwandeln. Und vergessen wir bei der Frage nicht, dass Dohle ab sofort auf die Erfahrungen von 5.700 engagierten und motivierten Mitarbeitern setzen kann, die sich in Sachen Buch bestens auskennen. Für die Führungskräfte bei Random House, allen voran die Verleger, gilt dies in ganz besonderem Maße. Ist die Personalie Dohle die erste einer Reihe von Neubesetzungen unter Ihrer Ägide? Hartmut Ostrowski: Ich möchte es noch einmal wiederholen: Die Entscheidung Peter Olsons sich neu zu orientieren ermöglichte uns die strategisch wichtige Berufung von Markus Dohle. Das sind die Fakten. Und ich sehe weder in den anderen Unternehmensbereichen noch in den Firmen derzeit eine vergleichbare Ausgangslage. Nichtsdestotrotz gilt für jede Führungskraft bei Bertelsmann, dass sie sich Ziele setzen und diese Ziele erreichen muss.