Die Sonntagsfrage

Was haben Kleinstverleger und Selfpublisher gemein, Herr Matting?

Wenn kommende Woche die Mainzer Minipressen-Messe (4. -7. Juni) eröffnet wird, wird auch das Thema Selfpublishing eine Rolle spielen - nicht nur in den Workshops. Matthias Matting, Vorsitzender des Selfpublishing-Verbands, gibt in unserer Sonntagsfrage darüber Auskunft, wie groß die Schnittmengen zwischen beiden Gruppen sind.

Unabhängige Autorinnen und Autoren mögen zwar ohne Verlage auskommen – aber kein Buch findet in Deutschland "unverlegt" seine Leser. Der Autor übernimmt im Selfpublishing die Rolle des Verlegers, notgedrungen oder aus Spaß an dieser Tätigkeit, er lässt lektorieren, kümmert sich um Gestaltung und Satz und versucht schließlich, das Werk an den Leser zu bringen. Jeder Selfpublisher ist also ein Kleinstverleger und teilt damit automatisch auch die Freuden und Sorgen von Kleinverlegern, die nicht selbst schreiben. Wie überzeuge ich den Handel, nicht nur Platz für die Titel großer Publikumsverlage freizuhalten? Wie platziere ich mein eBook möglichst gut sichtbar in allen Kanälen?
Die Differenzen zwischen Selfpublishern und Kleinverlegern sind minimal – und bestehen vor allem in den Köpfen anderer. Selbstverleger gelten zum Beispiel noch immer bei manchen Branchenteilnehmern als Möchtegern-Schriftsteller, die den Schritt zum "richtigen" Verlag nicht geschafft haben. Kleinverlegern hingegen unterstellt man einen gewissen Idealismus – ohne den es ganz sicher nicht funktionieren würde, der aber auch durchaus dazu herhalten muss, unzumutbare Bedingungen für diese Gruppe zu rechtfertigen. "Der oder die macht es ja sowieso nicht für Geld", denkt da vielleicht mancher. 
Rein praktisch haben Kleinverleger den Selfpublishern einen Gewerbeschein voraus, der ihnen günstigen Zugriff auf ISBN verschafft. Dass einzelne ISB-Nummern ohne Gewerbeanmeldung so unfassbar teuer sind, erschwert Selfpublishern mit professionellem Anspruch die Arbeit, schließt sie aus einem wichtigen Informationskanal für den Buchhandel aus und gefährdet das ISBN-System insgesamt. 
Da Selfpublishing aber erst seit wenigen Jahren wirklich eine Alternative zur Verlagssuche ist, existiert derzeit auch noch ein deutlicher Erfahrungs-Unterschied. Kleinverleger, oft seit 20, 30 Jahren im Geschäft, haben ihre Strategien im physischen Buchhandel gefunden. Selfpublisher hingegen spielen virtuous mit den Möglichkeiten der eBook-Welt und den sozialen Medien. Beide Gruppen könnten deshalb fruchtbar voneinander lernen. Hier wollen wir im Selfpublisher-Verband.de entsprechende Prozesse ermöglichen.
Matthias Matting ist Physiker, Journalist und Selfpublisher. Er leitet einen Workshop auf der Minipressen-Messe zum Thema Selfpublishing.

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1 Kommentar/e

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  • Nikola Hahn

    Nikola Hahn

    Die Köpfe der anderen - ja, das bringt es auf den Punkt. Letztlich entscheidend ist das Produkt, also das Buch, sei es digital oder im Print. Ich glaube, dass es schon immer Autoren gab, die auch Freude am Layouten hatten, denen es Vergnügen machte, nicht nur eine Geschichte zu schreiben, sondern sie auch nach ihren Vorstellungen zu "verpacken". Sicher, die Mehrheit war das noch nie. Dass sich nun aber langsam die Einsicht durchzusetzen scheint, das eine tun zu können und das andere nicht mehr lassen zu müssen, ist doch eine schöne Entwicklung. Als ich vor fast drei Jahren meinen eigenen Verlag gründete, erklärten mich alle für bekloppt. Klar, ich hatte einen ziemlich guten Vertrag bei einem großen Publikumsverlag, die Auflage meiner Romane ging in die Hunderttausende - auf den ersten Blick eine Erfolgsstory. Aber war es tatsächlich das, was ich wollte als Schriftstellerin? Immer die gleiche Suppe anrühren, weil sie den Lesern vorgeblich so gut schmeckte, endlose Diskussionen über Dinge führen, die für mich unverzichtbar, aber für "DIE" Leser nicht wichtig waren? Noch nie war es so einfach, sich verlegerisch auf eigene Füße zu stellen - wenn man denn die Herausforderung annimmt und sich den Aufgaben stellt, die das Verlegen nun mal mit sich bringt. Für mich waren eine Gewebeanmeldung, die Verfügbarkeit im Barsortiment und die Pflege meiner Daten im VLB genauso wichtig wie das Kümmern ums "Digitale", die Sichtbarkeit in den Social Media, Verlagswebsite, Blog.
    E-Book oder Print - das ist für mich nicht nur eine Frage des Geschmacks; beides halte ich für unverzichtbar, und obwohl ich mit "e" startete, stand "p" von Anfang an auf der Agenda. Nach drei Jahren (und ziemlich viel Arbeit) kann ich aber zufrieden sagen, dass sich Bücher auch jenseits der Massenpfade profitabel verkaufen lassen. Bis heute verzichte ich auf das Endkundengeschäft, d.h. meine Bücher werden nur über Buchhandlungen oder Amazon verkauft; die eBooks laufen (mit Ausnahme der KDP-Ausgaben) über Distributoren. Als Verlag hat man nämlich nicht nur die Möglichkeit, kostengünstig an ISBN-Nummern zu kommen, sondern kann auch Angebote für professionelles Print on Demand nutzen, wie ich es beispielsweise mit dem Barsortimenter KNV tue. Außerdem erscheinen die Bücher auch in den Amazon-Shops nicht mehr unter "Createspace", sondern unter dem Verlagslabel. Natürlich setzt ein solches Vorgehen die intensive Auseinandersetzung mit den Aufgaben eines Verlegers voraus, vor allem, wenn man (wie ich) auch für die Druckvorlagen verantwortlich zeichnet. Das kostet viel Zeit, ist aber auch auf eine wunderbare Weise kreativ! Fragte man mich heute, ob ich diesen Schritt in die "doppelte Selbstständigkeit" bereut habe, kann ich klar mit NEIN antworten. Schon nach einem knappen Jahr war der Verlag in den schwarzen Zahlen. Unlängst habe ich sogar einen Übersetzungsvertrag für einen meiner Romane abgeschlossen. Das einzige Manko, mit dem sich aber jeder kleine Verlag herumschlägt, ist die mangelnde Sichtbarkeit im großen Getriebe des Buchmarktes und die durchaus zähe Akzeptanz im stationären Buchhandel. Dass sich die Grenzen zwischen Verlagsautoren, Selfpublishern, aber auch Klein(st)verlegern immer mehr verwischen, führt natürlich auch dazu, dass es zunehmend schwieriger wird, jenseits der beliebten und massentauglichen "Genreliteratur" Leser und Bücher zusammenzubringen. Wie oft habe ich es schon bedauert, dass ich nur durch Zufall auf wunderbare (weil für mich passende) Lektüre stieß! Aber wer weiß, welche kreativen Ideen da in Zukunft noch ausgebrütet werden ... Ich bleibe Optimist.

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