Antiquariat

"Altbücherland ist abgebrannt"

Tilman Spreckelsen schreibt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 28. Juli über die Krise des Antiquariatshandels und erzielt damit große Resonanz. Ist das Bild zu einseitig?

Das Bild, das Spreckelsen in seinem Artikel (siehe hier) über "das Antiquariat" zeichnet, ist recht düster und fast durchgehend pessimistisch. Ausgangspunkt ist die Geschäftsaufgabe des Frankfurter Antiquariats Sellner, Stein & Partner (boersenblatt.net berichtete hier). Als Bestätigung für die "Dezimierung" des "klassischen Antiquariatswesens" wird Peter Rudolf von der Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ) zitiert. Die demographische Entwicklung sorge für einen Bibliotheksüberhang, gleichzeitig wachse das Desinteresse am gedruckten Buch. Auch die Abwärtspreisspirale wird angeführt. Die Antiquare, die davon träumen, "irgendwo ein Lager zu mieten, das sie randvoll mit wertvollen Ausgaben stopfen, um sie irgendwann, wenn der Spuk vorbei ist, teuer anzubieten", bleiben leider unbenannt.

Spreckelsen hat mit seinem Beitrag jedenfalls eine erhebliche Resonanz erzielt, schaut man beispielsweise auf die Leserkommentare und -empfehlungen oder einen Blog-Kommentar (hier) von Harald Kugler. Ob aber seine Darstellung wirklich so treffend und vor allem vollständig ist? Buchauktionen, oft sehr erfolgreich und wirtschaftlich sehr relevant, finden keine Erwähnung. Nicht unterschieden wird zwischen dem Handel mit neueren gebrauchten Büchern, der hauptsächlich über die bekannten Plattformen abgewickelt wird und vielfach unter starkem Druck steht, und dem eigentlichen Seltenheitsantiquariats, in dem wiederum das moderne Antiquariat eine geringe Rolle spielt, umso mehr aber der internationale Handel.

Schließlich hätte man sich von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in den letzten Jahren eine breitere Berichterstattung über Antiquariatsthemen gewünscht – diese wurde aber im Gegenteil weitgehend eingestellt, berichtet wird im umfangsmäßig stark eingedampften "Kunstmarkt" fast nur noch über den Kunsthandel. Unbeachtet sind deshalb leider viele wichtige Antiquariatskataloge und die oftmals sehr interessanten Aktivitäten einer (zugegeben kleinen) Gruppe jüngerer Antiquarinnen und Antiquare geblieben. Nicht bestreiten lassen sich die vielen Geschäftsaufgaben und für das alte Buch tendenziell ungünstigen gesellschaftlichen Entwicklungen, aber es sind nicht nur Abbrüche, es findet auch ein Wandel statt, dessen Ausgang womöglich doch offen und damit auch gestaltungsfähig ist …

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2 Kommentar/e

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  • Orakelix

    Orakelix

    W u n d e r b a r !

    In solch einer Meldung taucht nun wieder die GIAQ auf. Und auch das Geschäftsmodell des Aussitzens passt ganz genau. Denn: hätte die GIAQ ihr Portal Antiquariat.de tatsächlich am Markt platzieren wollen, dann hätte sie ganz anders vorgehen müssen.
    Also: eine Taktik, die schon lange zu vermuten war, bekommt nun langsam Gesicht.

  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Man sollte jetzt nicht nach diesem Artikel aus der FAZ die Lage im Antiquariat
    nicht noch dunkler sehen
    Wer in diesem Strudel schwimmt und sich da jetzt noch anstecken lässt, kann
    seinen Laden dann auch bald zumachen.
    Was in der Gegenwart jetzt wichtig ist, sind Antiquare und Buchhändler, die
    eben mal alternative Wege suchen und vor allem mal auf diesen Frust der
    Schwarzseherei verzichten.
    Wer immer nur von einer Krise redet, der hat letztendlich keinen Mut mehr,
    aus seiner derzeitigen Situation etwas ,Neues` zu gestalten.
    Gerade junge Antiquare haben doch auch eine Chance, die sie ergreifen
    sollten.
    Und der diesjährige Gemeinschaftskatalog der Internet-Antiquare (GIAQ)
    war und ist doch für viele Buchsammler überzeugend, dass sich die
    Antiquariate doch sehr bemühen, wertvolle Bücher und Graphiken
    zum Verkauf anzubieten.
    Für manches Antiquariat wäre es vielleicht doch mal wieder überlegenswert,
    im Jahr vielleicht für die Stammkunden eine oder zwei Angebotslisten mit
    diversen Neueingängen anzusetzen.
    Jedenfalls sollten sich nicht alle Antquare/innen von dieser sehr negativen
    Grundstimmung anstecken lassen.
    Gefragt sind vielmehr jetzt Kreativität, Zuversicht und eine Aufgeschlossenheit
    gegenüber den Kunden, die Ladenantiquariate aufsuchen.
    Notwendig ist sicher auch ein einladendes ,Outfit`, d. h. eine wechselnde
    und interessante Auslage in den Schaufenstern.
    Dies erfordert eine Flexibilität und ein Mitgehen im Auf und Ab unserer
    hektischen Zeit.
    Auch so kleine Aktionen, z. B. das ,Besondere Buch der Woche` können
    einen Anreiz im Schaufenster zeigen.
    Die Strategien sollten also nach vorne gerichtet sein.
    Dies bedeutet eben auch im Antiquariat eine Bestandsaufnahme seines
    Geschäftes machen und überlegen: Was kann verbessert werden oder
    wo sind Veränderungen möglich?
    Nur jetzt dem Trend der Schwarzseherei nachjagen, bringen keine extra
    Ideen.
    Und neue Gestaltungen in einem Ladenantiquariat können manchmal
    auch ganz positiv sich auswirken.
    Es bleibt also der Mut nach vorne mit seinem Antiquariat eine
    andere Richtung einzuschlagen. Doch dies erfordert auch mal einen
    langen Atem zur Veränderung.

    • ...

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