Antiquariat

Produktfilter, Metadaten, Kooperationen. Interview mit Ulrich Brand

Ulrich Brand ist seit 2003 Geschäftsführer der AbeBooks Europe GmbH in Düsseldorf. Ein Gespräch aus Anlass der von Abebooks eingeführten Suchfilter nach Produktarten.

Ulrich Brand

Ulrich Brand © Abebooks, Düsseldorf

Abebooks und ZVAB haben vor wenigen Wochen eine neue Suchfunktion vorgestellt. Mithilfe neuer Suchfilter lassen sich nun acht Produktarten (Bücher, Magazine & Zeitschriften, Comics, Noten, Fotografien, Karten, Manuskripte & Papierantiquitäten sowie Kunst, Grafik & Poster) gezielt suchen.

Gleichzeitig kündigt Abebooks Kooperationen unter anderem mit dem Postkartenspezialisten Bartko-Reher (Berlin) sowie den Kunsthändlern H. W. Fichter (Frankfurt am Main), Goyert (Köln) und Kunkel Fine Art (München) an.


Worum geht es bei den neuen Suchfiltern nach Produktarten auf Ihrer Seite?

Ulrich Brand: Seit jeher bieten die Verkäufer bei ZVAB.com und AbeBooks.de neben Büchern auch vielfältige andere Arten kultureller Hinterlassenschaften an, die uns mehr über unsere Welt erzählen. Darunter befinden sich ästhetisch ansprechende Objekte, Kunstwerke und einmalige Memorabilien: Kunst auf Papier (Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarelle), Fotografien, Stadtpläne, Magazine, Handschriften, Autographen, frühe Postkarten, Briefe berühmter Persönlichkeiten und vieles mehr. Die neu eingeführten Produktfilter erlauben es Kunden nun, diese einmaligen Angebote besser als jemals zuvor für sich und andere zu entdecken. Darüber hinaus erweitern wir das Angebot durch die gezielte Ansprache ausgewiesener Spezialisten der relevanten Kategorien. Das Stöbern lohnt sich also!


Die Suchfilter laufen parallel auf ZVAB und Abebooks?

Ja. Die neuen Filter stehen Kunden auf allen unseren Websites (inkl. ZVAB.com und AbeBooks.de) zur Verfügung. Auch Nutzer mobiler Endgeräte profitieren von den neuen Entdeckungs- und Suchmöglichkeiten.


Was ist der Hintergrund der Suchfilter? Sie werten ja sicher das Verhalten der Kunden auf Ihrer Seite genau aus?

Bisher war es relativ schwierig, gezielt nach bestimmten Produktarten zu suchen: Wenn Sie zum Beispiel einen alten Stadtplan von Berlin oder eine Fotografie von München gesucht haben, fanden Sie früher unzählige in München bzw. Berlin erschienene Bücher, die eine Karte oder Fotografie enthielten. Die neuen Filter ermöglichen es Ihnen heute, die einzelnen Produktarten voneinander zu unterscheiden, um relevantere Suchergebnisse zu erhalten. Sie können jetzt auch gezielt Produktarten ausschließen, z. B. wenn Sie nur nach Büchern suchen möchten.


Führen Sie Workshops oder dergleichen für Ihre Anbieter durch, um die "Neu-Klassifizierung" älterer Datensätze voranzubringen?

Wir helfen zurzeit unseren Anbietern, ihre Bestände entsprechend zu klassifizieren, damit ihre relevanten Angebote mehr Sichtbarkeit erhalten. Unsere Hilfeseiten enthalten dazu nützliche Informationen und Tipps. Die meisten einschlägigen Antiquariatssoftwareanbieter unterstützen ebenfalls bereits die neuen Produktarten. Einzelne Händler können sich jederzeit an unseren Kundenservice wenden, falls sie individuelle Unterstützung benötigen.


Müssten sich die Plattformen nicht noch intensiver dem Thema Metadaten widmen, um das (Buch)angebot stärker zu strukturieren?

Eine Herausforderung für uns besteht in der Tat darin, dass wir nicht mit standardisierten Daten arbeiten, die zudem häufig nur wenig strukturiert sind. Wir sind in starkem Maße auf die Mitarbeit der katalogisierenden Anbieter angewiesen. Daher prüfen wir, wie wir dazu beitragen können, die Titelaufnahme und das Hochladen von Angebotsfotos weiter zu vereinfachen.


Parallel zu den Suchfiltern kündigen Sie Kooperationen mit Kunsthändlern oder auch einem Postkartenspezialisten an. Sucht man Kunst auf einer Plattform, die vor allem als Buchportal etabliert ist?

Ja, auf jeden Fall. Viele unserer Stammkunden sind stark kultur- und kunstinteressiert, und bereits heute werden regelmäßig Sammlerstücke aus diesen Bereichen über AbeBooks und das ZVAB verkauft. Dazu zählen beispielsweise eine dem niederländischen Landschaftsmaler Jan van Goyen zugeschriebene Kreidezeichnung, Lithographien von Pablo Picasso und Jean Mirò und sogar ein Original-Brief von Winston Churchill aus dem Jahre 1904. Zwar bleiben Bücher auch weiterhin der Schwerpunkt unseres Angebots, doch was liegt zum Beispiel für einen leidenschaftlich an Fotografie interessierten Sammler näher, sowohl nach Buchveröffentlichungen als auch nach Original-Fotografien eines bestimmten Fotografen zu suchen? Und umgekehrt waren viele namhafte Künstler, z. B. John Heartfield, Pablo Picasso, Marc Chagall, an Buchproduktionen beteiligt. Die Grenzen zwischen den Kategorien sind also fließend und es gibt hier viel Potenzial.


Gibt es weitere Entwicklungen dieser Art, die für die nähere Zukunft geplant sind?

Wir beobachten genau, wie unsere Kunden die neuen Suchfilter annehmen – die ersten Resultate sind sehr vielversprechend. Basierend auf den Bedürfnissen unserer Kunden werden wir weitere schrittweise Verbesserungen vornehmen, doch können wir zu diesem Zeitpunkt noch keine konkreten Aussagen dazu treffen.


Ein ganz anderes Thema. Die ZVAB-Umstellung liegt nun anderthalb Jahre zurück; welches Fazit zieht man in Düsseldorf?

Insgesamt ein sehr positives: Unsere Kunden profitieren davon, dass wir durch die Nutzung einer gemeinsamen technischen Plattform für alle unsere Websites Neuerungen wie die angesprochenen Suchfilter nach Produktarten auf einen Schlag allen Kunden zur Verfügung stellen können. Gleichzeitig werden die Angebote unserer Partner-Antiquariate einem weltweiten Kundenkreis präsentiert. Natürlich gibt es immer Potenzial für weitere Verbesserungen, und wir arbeiten kontinuierlich daran, unseren Service für unsere Kunden weiter zu entwickeln. Wir bedanken uns bei allen Verkäufern und Käufern, die diese Umstellung mitbegleitet haben und laden alle Leser ein, Kunst, Fotografien, Landkarten und vieles mehr bei ZVAB.com and AbeBooks.de zu entdecken!

Interview: Björn Biester

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10 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Thomas Haker

    Thomas Haker

    Was soll denn an einem zusätzlichen Suchfilter so bedeutsam sein, dass man hier gleich ein Interview dazu veröffentlicht? Auf die Möglichkeit direkt per paypal zu bezahlen oder die Versandkosten gewichtsbasiert darstellen zu können, warten Händler und Kunden seit Jahren vergebens. Antworten dazu hätten mich mehr interessiert.

  • Benjamin Wagner

    Benjamin Wagner

    In der Tat sind diese zwei Punkte ein echtes Ärgernis für Antiquare. Eine Nachfrage hierzu waäre sinnvoll gewesen

  • Roman Heuberger

    Roman Heuberger

    Ich habe das neue System ausgiebig ausprobiert. Und bin zum Schluß gekommen, der vom ZVAB vollmundig vorgestellte "Suchfilter nach Produktarten" taugt nichts. Die Suchfelder sind starre Vorgaben und sind nur bedingt mit den Eingaben der Anbieter kompatibel, weil diese vom System oft garnicht richtig erkannt und somit sinnvoll eingeordnet werden können. Schon wegen der Unterschiedlichkeit der Eingaben. Außerdem überschneiden sich etliche Produktarten, sind somit nicht klar einzuordnen, weil sie unterschiedlich definiert werden. Warum übrigens in der Rubrik "Seltene und antiquarische Bücher sammeln" ein Feld "Autor" nicht existiert, ist mir ein Rätsel. Daneben ist mir aufgefallen, daß ich trotz sorgfältiger Suche und Eingaben aller möglichen Kriterien häufig meine eigenen Einträge nicht gefunden habe. Was ZVAB/Abebooks/Amazon mit dieser neuerlichen Aktion zum Nutz und Frommen von Sammlern und Anbietern bewirken will, entschließt sich meinem Verständnis. Ebenso allerdings, warum sich die Redaktion von "Aus dem Antiquariat" für diese PR-Blase hergegeben hat.

  • Michael Butter

    Michael Butter

    Also, ohne den Beitrag hätte ich wahrscheinlich von der Neuheit der Rubrikensuche erst viel später erfahren. Warum also nicht bei borsenblatt.net (Antiquariat) darüber berichten. Die jetzt bei ZVAB/Abebooks installierte Rubriken-Suche finde ich erstmal nicht verkehrt. Wie diese Detailsuche genutzt wird und wie Anbieter ihre Software entsprechend anpassen werden, um diese Warentypen entsprechend zu kennzeichnen, muß man abwarten. Warum also immer gleich alles Neue ins Negative ziehen. Das es sicher noch "Baustellen" bei Abebooks gibt, die angegangen werden müssen, wird allen klar sein. Nur ist die technische Umsetzung von Vielfalt und Individualität in eine notwendige strukturierte IT-Umgebung bei inzwischen recht zahlreichen weltweit operierenden Anbietern mit unterschiedlichen Software-Systemen nicht einfach. Dies betrifft sicher auch die angesprochenen Versandkosten, bei z.B. in Deutschland unterschiedlichen Versandanbietern (Deutsche Post/DHL, Hermes, GLS, UPS, DPD etc.) und deren unterschiedliche Tarife in unterschiedliche Versandzonenund. Bei Kollegen in anderen Ländern wird es ähnlich sein und wer mag jetzt im Nachhinein seine bereits in die Datenbank eingepflegten Titel nachträglich wiegen ... Da können sicher nur Kompromißlösungen oder Versandpauschalen angeboten werden, zumal sich das Warenangebot nicht nur auf den deutschen Handel bezieht und sich dadurch einfach Unterschiedlichkeiten (andere Versandbedingungen) etc. ergeben, die sich in keine EDV-Struktur zwängen läßt. Hoffentlich löse ich jetzt keine Metadiskussion aus. Allen beteiligten Kollegen in Fern und Nah wünsche ich gute, übers Internet generierte Verkäufe! Beste Grüße Michael Butter

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    Wirklich neu ist diese Suche nach Sachgebieten ja eben nicht, auf antiquariat.de gibt es das seit nun schon zwölf Jahren.

    Aber es ist halt anscheinend etwas anderes wenn eine amazon-Tochterfirma so etwas neu einführt, als eine kleine Genossenschaft die sich im Besitz von "nur" 100 Antiquaren befindet.

  • Rainer Friedrich Meyer

    Rainer Friedrich Meyer

    "... und sich dadurch einfach Unterschiedlichkeiten (andere Versandbedingungen) etc. ergeben, die sich in keine EDV-Struktur zwängen läßt"
    Da trauen Sie der EDV aber reichlich wenig zu. Solche Probleme sind keine, da leicht lösbar.

  • Wundertnix

    Wundertnix

    @Christoph Schäfer

    Es kommt nicht auf die Anzahl der Besitzer an, sondern auf die Marktbedeutung einer Plattform ;-)

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    @wundertnix

    O.k. mag sein, dann sollte es bei der "marktbeherrschenden Plattform" aber auch funktionieren und nicht zu solch skurrilen Ergebnissen führen, wie z.B. dieser Fund, wenn man nach Papierantiquitäten --> Briefe sucht:

    https://www.abebooks.de/collections/mc/briefe/Tge7 ew1JpMQN3AZKkZiL8?cm_sp=undefined-_-p-_-collection s

    "Briefe
    Sammlung erstellt von 43 Verkäufern", o.k., also automatisiert zusammengestellt wurde alles mit dem Schlüsselwort "Brief", nichts davon ist eine "Papierantiquität", es handelt sich um antiquarische Bücher.

    Aber schauen wir noch einmal kurz auf die redaktionell empfohlenen "Sammlungen", z.B. https://www.abebooks.de/collections/sc/aktien/3mqZ cWSuMQqvhqqFlBp4NB?cm_sp=ccbrowse-_-p0-_-collectio ns

    aus der Abteilung:

    "Ephemera & Papierantiquitäten
    Ephemera sind die Dinge, die ursprünglich nicht dafür gedacht waren, die Zeit zu überdauern: Briefe, Bedienungsanleitungen, Postkarten, Rechnungen und sonstige Papierantiquitäten."

    Hier erwarte ich doch alte Wertpapier und wiederum keine alten Bücher.

    So gesehen sind viele Ergebnisse freundlich gesagt überraschend, die gut gemeinte Suche ist allerdings nicht zielführend, wenn Titel automatisiert in ein Zwangskorsett gepreßt werden.

    Und diese Kritik hätte eigentlich nicht ich schreiben müssen, sondern die Redaktion des Börsenblattes.

  • Rainer Friedrich Meyer

    Rainer Friedrich Meyer

    @Christoph Schäfer
    Was lernen wir daraus? Zwischen programmieren und intelligent programmieren liegen kleinere Welten.
    Daß die werte, geschätzte Redaktion dies Interview veröffentlichte, ohne sich zuvor zu den tatsächlichen Suchmöglichkeiten sachkundig zu machen, ist wohl der Eile und einer gewissen, dort üblichen Oberflächlichkeit, was IT angeht, zuzuschreiben.

  • Philobiblos

    Philobiblos

    Die Redaktion dachte eigentlich, Herrn Brand 1-2 Fragen speziell zum Thema Daten/Datenqualität gestellt zu haben ... Und "Herausforderung" als Teil einer Antwort ist doch auch recht vielsagend!?

    Zu den Stichworten Versandkosteneinstellungen und Zahlungsmethoden: diese Themen sind hier mehrfach ausgiebig behandelt worden ...

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