Berlin Story-Läden Unter den Linden schließen

Keine Chance gegen die Bauarbeiten

Zum Ende des Jahres schließt Berlin Story die drei Ladengeschäfte Unter den Linden. Als Grund dafür werden die Umsatzeinbrüche seit Beginn der Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie 5 sowie geänderte Einkaufsgewohnheiten der Kunden angeführt. Der Berlin Story Verlag und der Berlin Story Bunker am Anhalter Bahnhof bleiben bestehen und sollen weiter ausgebaut werden.

© Berlin Story

Das erste Geschäft der Berlin Story hatte am 20. November 1997 Unter den Linden 40 eröffnet. Im selben Haus befinden sich heute noch zwei Läden, die Buchhandlung und der Souvenirshop. In den kommenden 19 Jahren zogen die Ladenschäfte mehrfach um; von 2000 bis 2004 etwa lag das Hauptgeschäft im Eckhaus Unter den Linden 10, wo sich gegenwärtig der dritte Laden der Berlin Story befindet. Der Ausverkauf beginnt in allen drei Läden am 19. Jahrestag der Eröffnung, am 20. November 2016.

"1997 hatten die 'Linden' eine Mittelpromenade, auf der flaniert wurde und die der Straße den Flair eines Boulevards gab. Heute gibt es stattdessen die nicht endende Baustelle der U5 mit Dreck, Staub und Abwasserrohren", sagt Gründer und Geschäftsführer Wieland Giebel. "Statt zu flanieren, hetzen die Menschen vorbei." Unmittelbar nach Beginn der Baustelle sei der Umsatz in allen drei Läden um 30 Prozent zurückgegangen. "Bis der künftige Senat aus den 'Linden' ein Fußgängerparadies macht, halten wir leider nicht durch."

Hinzu komme, dass sich das Buchgeschäft in den vergangenen zwei Jahrzehnten geändert habe. "Damals kamen zum Beispiel Lehrer und Professoren aus aller Welt in den Laden und kauften ganze Stapel von Bücher über die Geschichte Berlins", erinnert Giebel. "Wir hatten einen florierenden Service, um den Käufern dicke Buchpakete nach Hause zu schicken." Heute werde bei internationalen Internet-Konzernen bestellt.

Giebel zeigt sich trotz der Schließung der Ladengeschäfte nicht melancholisch: "Toll, dass es so lange ging. Wer hätte das gedacht, als es mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte Berlins und einer noch kleineren Buchhandlung anfing. Das war etwas Neues, Einzigartiges, eine Buchhandlung nur über die eigene Stadt. Wir sind mit Lob und Auszeichnungen überschüttet worden. Jetzt geht es eben anders weiter – aber immer noch mit Berliner Geschichte."
Mit dem Geschichtsbunker am Anhalter Bahnhof entwickele die Berlin Story einen historischen Ort, der sich nicht im Internet bestellen lasse; die Führungen seien regelmäßig ausgebucht. Enno Lenze (34),  Geschäftsführer des Bunkers und des Verlags, weist darauf hin, dass das von der Berlin Story initiierte Geschichtsfestival Historiale mit seinen großen Inszenierungen in der Stadt "nun seine Fortsetzung als Dauereinrichtung im Berlin Story Geschichtsbunker" finde. Dort sollen die derzeit zwei Ausstellungen im kommenden Jahr deutlich erweitert werden. Auch der Berlin Story Verlag sei im Gegensatz zur Buchhandlung ökonomisch wie inhaltlich erfolgreich, sagte Lenze weiter.

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