Buchblog-Award: Die Preisträger

"Blogs sind nicht mehr böse"

Am Buchmessefreitag ist zum ersten Mal der Buchblog-Award vergeben worden: Aus 14 Shortlist-Kandidaten wurde Uwe Kalkowskis Blog kaffeehaussitzer.de für den Hauptpreis ausgewählt, Florian Valerius‘ Instagram-Account @literarischernerd wurde mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. Der Gewinn: eine Reise in ein Literaturhotel, BücherSchecks und die Teilnahme bei den Buchpreisbloggern 2018. VON MALU SCHRADER

Angespanntes Hibbeln bei den Shortlist-Kandidaten in der ersten Reihe, Vorfreude bei der Jury, ein aufgeregtes Publikum: Zur ersten Verleihung des neuen, vom Börsenverein und der Online-Plattform NetGalley initiierten Buchblog-Awards platzt die Börsenvereinsbühne aus allen Nähten. Hier ging es spürbar um etwas, worauf die Szene gewartet hatte: Anerkennung für die Blogger, für ihren Einsatz rund um die Literaturvermittlung, ihre unermüdliche Arbeit zur Entfachung und zum Erhalt der Leselust. Das hatte sich schon im Vorfeld an der Aufmerksamkeit für den Preis bemerkbar gemacht: "Wir vergeben auf der Buchmesse sehr, sehr viele Preise. Dass ein neu eingerichteter Preis direkt so eine Reichweite hat, ist absolut nicht selbstverständlich", so Jurymitglied Frank Krings (PR-Manager, Frankfurter Buchmesse). 

Die Jury, bestehend aus Krings, Sarah Reul (Jurysprecherin, Buchhändlerin und Bloggerin, Buchladen am Freiheitsplatz, Hanau / pinkfisch.net), Felicitas von Lovenberg (Verlegerin, Piper), Dirk von Gehlen (Leiter Social Media / Innovation, "Süddeutsche Zeitung") und Elisabeth Rank (Redakteurin und Autorin), begründete ihre Juryentscheidung so:

"Der Kaffeehaussitzer ist eine abwechslungsreiche und originelle Stimme für die Literatur. Uwe Kalkowskis Blog zeichnet sich durch seine hohe Identifikation mit dem Thema aus. Seine starken Texte überzeugen sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Sein Engagement für Bücher und deren Vermittlung sowie für den Austausch mit Leserinnen und Lesern sind bemerkenswert.

@literarischernerd öffnet seinen Besucherinnen und Besuchern ein optisch und inhaltlich besonders ansprechendes Buch-Universum. Instagramer Florian Valerius überzeugt mit seiner Kreativität bei den Fotos und Bildunterschriften sowie seinem ganz eigenen Zugang zur Literatur. Er wird als Mensch hinter dem Account sichtbar, der andere mit seiner Leidenschaft ansteckt und so wesentlich dazu beiträgt, einen Zugang zu Büchern und dem Lesen zu schaffen.“

400 Einreichungen hatte es gegeben, dann ein Publikumsvoting für eine Shortlist. Aus dieser hatte die Jury im Anschluss ihre Preisträger ausgewählt. Jurysprecherin Sarah Reul betonte, dass es knappe Entscheidungen gewesen seien – und sicher durchaus diskussionswürdig, dass aus einer derartig weiblich geprägten Szene nun zwei Männer ausgewählt wurden. Aber: Einstimmig gewählte Preisträger nicht auszuzeichnen, eben weil sie Männer seien – das sei auch nicht infrage gekommen. 

Diese Entscheidung findet Wibke Ladwig, Social Web Ranger und Blogkennerin, gar nicht mal so schlimm: "Uwe Kalkowsi und Florian Valerius sind zwei absolut verdiente Sieger, die sich mit Inbrunst, Sachverstand und kluger Empathie für Literatur einsetzen." Sie sieht eher noch Potenzial beim Auswahlprozess. Die Kriterien sollten transparenter sein, dazu müssten Kategorien eingeführt werden, da die Blogs so unterschiedlich seien. "So ist es unnötig ungerecht", meint Ladwig. Mit dieser Meinung steht sie nicht ganz allein da: Dass nun zwei sehr literarisch ausgerichtete gewonnen hätten, obwohl  Bewerbungen von Genre-Blogs eindeutig erwünscht waren, habe schon einen komischen Beigeschmack, war nach der Preisverleihung zu hören. Dass solche Holprigkeiten für einen neu eingerichteten Preis normal seien, wird aber ebenso gesehen. Die Gewinner jedenfalls schüttelten zahlreiche Hände und nahmen Glückwünsche, Umarmungen und Sekteinladungen entgegen.

Auch die Jury und NetGalley zeigen sich unterm Strich zufrieden:  Klar gebe es noch Verbesserungswürdiges, aber es sei gut, dass der Preis jetzt da ist. Karina Elm, Verantwortliche von NetGalley, berichtet von großem Zulauf und auch deutlichem Interesse bei den Verlagen. 

Dass die Verlagshäuser Blogs inzwischen nicht mehr für "böse" halten, sondern deren Einfluss auf Verkaufszahlen durchaus interessiert zur Kenntnis nehmen, betonte Moderatorin Christiane Frohmann schon eingangs in ihren Statusmeldungen zur Bloggerszene. Felicitas von Lovenberg antwortete auf die Frage, was sie von der Juryarbeit mit in den Verlag nehme: "Den Enthusiasmus. In Zeiten, in denen ohne Ende Leser verloren gehen, ist sehr ermutigend zu sehen, dass es durchaus auch eine andere Seite gibt." Mit diesem Enthusiasmus im Gepäck darf man gespannt sein, was sich die Macher für den Buchblog-Award 2018 ausdenken werden.

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