Buchtage 2018: Bericht von Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis

"Wir brauchen ein Klima der Veränderungsbereitschaft"

Alexander Skipis rief Verleger und Buchhändler in seinem Jahresbericht bei der Hauptversammlung dazu auf, den "zentrifugalen Kräften in der Branche entgegenzutreten". Und bereit für Veränderungen auf allen Ebenen zu sein - bei Buchkäufern, im Verband, in der Politik.

Alexander Skipis

Alexander Skipis © Tobias Bohm

"Veränderung ist die einzige Konstante im Universum": Heraklit gab beim Jahresbericht von Alexander Skipis die Tonlage vor. Schließlich wird die Branche derzeit gleich auf mehreren Ebenen von Umwälzungen erfasst.

Die Buchkäufer verändern sich

Ziel der Studie "Buchkäufer – quo vadis?", die gestern auf den Buchtagen vorgestellt wurde (mehr dazu hier),  sei es gewesen, "einem diffusen Unbehagen" in der Branche auf den Grund zu gehen, so Skipis. Jetzt, wo die Ergebnisse auf dem Tisch liegen würden, weiche das Unbehagen der Gewissheit: "Die Menschen haben sich verändert." Sie sind im Stress, haben keine Zeit, halten sich vor allem im Netz auf – und vergessen darüber das Buch.

"Was sich jedoch nicht verändert hat, ist die Liebe zum Buch", so Skipis. Das hätten die Befragungen im Rahmen der Studie unisono zeigen. Menschen würden Bücher weiterhin mit Inspiration, Information, Unterhaltung verbinden: "Das ist der Stoff, aus dem unsere Chancen sind." Der Verband und die Branche müssten nun aus der Studie Ideen und Projekte ableiten – und "ein Klima der Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft" schaffen.


Der Verband verändert sich

Veränderungsbereitschaft ist dabei auch Selbstverpflichtung für den Verband, der vor drei Monaten das interne Projekt Börsenverein 2025 gestartet hat. "Sind wir noch auf der Höhe der Zeit, mit dem was wir tun – mit unseren Diskussionsformaten, mit der Ansprache der Politiker, mit unseren Kommunikationskanälen?" Diese Fragen würden dabei gestellt, sagte Skipis: "Wir werden alle Aktivitäten, auch die Wirtschaftsbetriebe, auf den Prüfstand heben."


Die Politik verändert sich

Ausführlich analysierte Alexander Skipis den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD: "Die Vereinbarung ist bislang die erfolgreichste für uns", so Skipis -  "aber wird uns das in Zukunft ebenso noch gelingen?" Auch das hängt für Skipis maßgeblich von der Veränderungsbereitschaft der Branche und des Verbands ab: "Denn die Politiker verändern sich ebenfalls – viele gehören inzwischen einer Generation an, die sich ebenso in der Käuferstudie widerspiegelt". Das bedinge andere Formen der Ansprache.

Skipis erinnerte daran, dass die Rahmenbedingungen der Branche keine Selbstverständlichkeit seien. Wie schnell das "Gerüst der Akzeptanz" bröckeln  könne, zeige das Gutachten der Monopolkommission zur Buchpreisbindung (mehr dazu hier). Die Branche müsse zeigen, dass sie selbst ganz deutlich hinter dem Gesetz stehe – und sich daran halte.

Beunruhigt äußerte sich Skipis über Klagen von Buchhändlern, dass ihnen durch immer härtere Konditionenverhandlungen die Luft zum Atmen genommen werde. Solchen zentrifugalen Tendenzen müsse der Verband, die gesamte Branche mit Kraft und Verstand entgegentreten: "Für kurzfristige ökonomische Erfolge einzelner dürfen wir nicht die erfolgreiche Zukunft aller gefährden."

Auch Thomas Bez (Barsortiment Umbreit) verwies in der anschließenden Aussprache auf das Preisbindungsgesetz: Es grenze genau diese zentrifugalen Kräfte der Konditionenpolitik ein. Die Branche müsse sich nur daran halten – und wenn sie es nicht tue, werde das, so wie im Gutachten der Monopolkommission, von außen auch wahrgenommen.


Bei der Verlegerbeteiligung auf der Zielgeraden

Die wichtigsten Punkte aus dem Koalitionsvertrag ließ Skipis kurz Revue passieren. Ein Punkt: Verlegerbeteiligung und reduzierter Mehrwertsteuersatz für E-Books. Skipis ist zuversichtlich, dass beide Regelungen trotz mühsamer Prozesse in Brüssel auf der Zielgeraden sind. Zur Verlegerbeteiligung haben die Verleger heute im Rahmen der Buchtage Berlin noch einmal einen entsprechenden Appell auf den Weg gebracht (mehr dazu hier).

Auch zur Meinungsfreiheit gibt es einen Passus im Koalitionsvertrag, in dem sich die Regierungsparteien dazu bekennen, entsprechende Projekte zu unterstützen. "Hier schlägt sich letztlich unser Einsatz für die Meinungsfreiheit nieder", so Skipis. Der Börsenverein habe für sein Engagement viel Anerkennung bekommen.  "Meinungsfreiheit ist aber nicht nur die Grundlage unseres Tuns, sondern auch unsere Verantwortung aus der Geschichte in den Jahren 1933 – 1945, als sich der Börsenverein auf unsägliche Weise mit dem Regime gemein gemacht hat", so Skipis.

Ein kurzer Rückblick galt der Buchmesse 2017. Der Druck auf den Börsenverein, rechte Verlage nicht als Aussteller zuzulassen, sei hoch gewesen, so Skipis: "Wir haben uns diesem Druck entgegengestellt, weil Meinungsfreiheit für uns bedeutet, so lange publizieren zu können, wie man nicht gegen Gesetze verstößt."

Meinungsfreiheit bleibt weiter ein Herzensthema des Börsenvereins: Zur Frankfurter Buchmesse 2018 wollen Börsenverein und Messe die Kampagne "We are on the same page" starten, wie Skipis ankündigte - zum 70. Geburtstag der Erklärung der Menschenrechte. Hier geht's zur Seite des Aktionsbündnisses, dem sich weitere Unternehmen, Künstler und Einzelpersonen anschließen können: www.buchmesse/onthesamepage.

Einen ausführlichen Rück- und Ausblick von Alexander Skipis lesen Sie hier - und im schriftlichen Jahresbericht des Börsenvereins, der hier abrufbar ist.

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