Buchtage Berlin: Jahrestagung IG Digital

"Ein Schiff auf hoher See umbauen"

Am zweiten Kongresstag stehen digitale Themen im Vordergrund: Die IG Digital und ihre sieben Peergroups präsentieren sich mit mehreren Vorträgen und Projekten. Zu Beginn nahm der Konstanzer Professor Manfred Pollanz den Begriff der "digitalen Transformation" unter die Lupe.

Tagung der IG Digital

Tagung der IG Digital © Tobias Bohm

Ein Jahr nach ihrer Gründung eröffnete die IG Digital heute auf den Buchtagen in Berlin ihre erste Jahrestagung. Das Sprecherteam – Jochen Grieving, Michael Döschner-Apostolidis und Carmen Udina – formulierte das neue Konzept und die Ziele der Interessengemeinschaft.

Michael Döschner-Apostolidis

Michael Döschner-Apostolidis © Tobias Bohm

Carmen Udina

Carmen Udina © Tobias Bohm

Jochen Grieving

Jochen Grieving © Tobias Bohm

Die wichtigsten Punkte:

  • Branchenwissen kartieren, weiterentwickeln und weitergeben
  • Kompetenzen stärken und unterstützen
  • Mitglieder arbeiten für Mitglieder
  • Schnittstellen analog und digital
  • Vernetzung mit anderen IGs und Kompetenzpartnern
  • spartenübergreifende Zusammenarbeit

© Tobias Bohm

Das Paradigma der Anschlussfähigkeit

Um einen anderen Weg zum allbeherrschenden Thema "Digitale Transformation" einzuschlagen, hatte die IG Digital den Konstanzer Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Manfred Pollanz, eingeladen. In seiner Keynote "Wie lässt sich die digitale Transformation (be-)greifen?" wählte er einen kulturanthropologischen Ansatz zum Verständnis des Wandels, der uns alle und eben auch die Buchbranche, erfasst hat. Von den ersten Tonscheiben, mit denen vor 7.000 Jahren Warenströme symbolisiert wurden, bis zum Buch sei es immer darum gegangen, die komplexe Realität zu ordnen und zu systematisieren. Die digitale Transformation, so Pollanz, habe jedoch unsere Ordnungsvorstellungen fundamental erschüttert: In ihr gebe es keinen Leitfaden mehr, mit dem sich das Labyrinth der Wirklichkeit effizient strukturieren lasse. Das erzeuge Angst und Verunsicherung.

Manfred Pollanz

Manfred Pollanz © Tobias Bohm

An die Stelle von Organigrammen oder Taxonomien sei eine vernetzte Welt getreten, die eine rhizomartige Struktur aufweise. Diese mehrfach miteinander verflochtene Matrix sei nicht im Sinne einer Hierarchie oder Baumstruktur aufzulösen. Statt die Frage nach der Effizienz zu stellen, komme es in der digitalen Transformation auf die Anschlussfähigkeit an, so Pollanz' These. Innerhalb dieser Matrix Veränderungen umzusetzen, sei nicht mit traditionellen Vorstellungen von Optimierung zu bewerkstelligen, weil es sich um ein dynamisches System handele, dessen Strukturen sich ständig verändern, und in dem sich auch die Koordinaten der Akteure ständig verschieben. Bildlich gesprochen: "Digitale Transformation bedeutet, ein Schiff auf hoher See umzubauen."

Entscheidend für die Industrien, die dem Wandel unterworfen sind (und ihn möglichst mitgestalten), seien nicht die konkreten Produkte und Formate, sondern das jeweilige Ziel, dem alle Anstrengungen dienen: In der Automobil-Industrie sei das die Mobilität, in der Buchbranche die Bewahrung des Gedächtnisses und die Inszenierung von Inhalten – gleich auf welcher Plattform.

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