Buchtage Berlin: Plakette "Dem Förderer des Buches" verliehen

Ehrung für den Literaturwissenschaftler Roland Reuß

In Würdigung besonderen Einsatzes für die Publikationsfreiheit und für den Wert des Buches hat der Börsenverein den Heidelberger Literaturwissenschaftler Roland Reuß mit der Plakette "Dem Förderer des Buches" geehrt. Reuß erhielt die Auszeichnung im Rahmen der Buchtage 2017 in Berlin.

Heinrich Riethmüller (l.), Roland Reuß

Heinrich Riethmüller (l.), Roland Reuß © Tobias Bohm

Auch für die sehr spezifischen Entstehungsbedingungen von Büchern habe Reuß in seinen öffentlichen Debattenbeiträgen immer wieder Bewusstsein geschaffen, sagte Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller zur Begründung der Ehrung. Dem Heidelberger Literaturwissenschaftler komme das Verdienst zu, in den Diskussionen um Digitalisierung immer auch Aspekte der Gegenwart und Vergangenheit von Buchproduktion einzubringen. Riethmüller rief auch den von Reuß 2009 initiierten "Heidelberger Appell" in Erinnerung, der große öffentliche Resonanz bekommen habe.

Roland Reuß bei seiner Dankesrede

Roland Reuß bei seiner Dankesrede © Tobias Bohm

Mit der verbindlichen Anrede "Liebe Kombattanten" begann der streitbare Wissenschaftler seine Dankesworte. Die Ehrung berühre ihn, so Reuß, weil es ihm in seinem publizistischen Engagement stets nicht um irgendwelche Bücher, sondern um das Buch als Kodex gegangen sei, um das Buch als dem einzigartigen Medium konzentrierter Lektüre - im Unterschied zum "flüchtigen Informationsabgriff", auf den andere mediale Angebote abzielten.

Scharf ging Reuß mit dem Komplex einer von ihm beobachteten Informationsökonomie ins Gericht, die sich zwischen Wissenschaftsorganisationen und Politik gebildet habe und die "die Trennung zwischen Wissenschaft und Politik längst hinter sich gelassen hat". Reuß' Überzeugung zufolge gehe es dieser Ökonomie nur mehr um die "Exekution einer digitalen politischen Agenda. Bücher stören in diesem Bereich nur." Viele Vertreter der großen Wissenschaftsorganisationen hätten "die Besserwisserei als Existenzform ausgeprägt" und seien vernünftigen Gegenargumenten nicht mehr zugänglich.

Der Geehrte nutzte sein Auditorium, die Hauptversammlung des Börsenvereins, auch zu einem Weckruf in Richtung derjenigen, die sich jener Exekution der digitalen politischen Agenda aus Sicht des Professors nicht hinreichend oder gar nicht widersetzen. Ihr Schweigen sei Arbeit an selbstverschuldeter Unmündigkeit, geübt von angepassten Leuten, die "ihre Konformitätsboni abholen" wollen.

Schließlich formulierte Reuß mehrere Wünsche an die Zukunft, darunter: dass Autoren und Verlage sich dem Versuch widersetzen mögen, politisch einen Keil zwischen sie zu treiben; und dass die Buchbranche sich auf Qualitätsstandards für das Lektorat und die Herstellung von Büchern einigen, sie durchsetzen und auszeichnen möge - damit die Zukunft des Buches bunt werde und nicht grau.

Mit der Plakette "Dem Förderer des Buches / Der Förderin des Buches" zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die mit der Welt des Buches in besonderer Weise verbunden sind. Seit 2009 wurden Frank Schirrmacher, Norbert Lammert, Petra Roth, Richard von Weizsäcker, Bernd Neumann und Rachel Salamander geehrt.

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