Daten zur Umsatzentwicklung in der Buchbranche

Kassensturz

Es gibt wieder valide Zahlen für die Buchbranche – und deshalb steht sie endlich: die Auswertung für Januar und Februar sowie die Jahresabrechnung 2016. CHRISTINA SCHULTE

Die ersten vier Wochen 2017 bescherten dem Buchhandel über alle Vertriebswege hinweg einen Umsatzzuwachs von 2,4 Prozent. Dabei waren vor allem Hard- und Softcover gefragt, die um 3,9 Prozent zugelegt haben. Taschen­bücher hingegen verloren 2,8 Prozent. Bei den Warengruppen standen die Zeichen fast ausschließlich auf Grün: Die Nase vorn hatten Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft mit einem Anstieg von über zehn Prozent, gefolgt von den Ratgebern, die um 4,5 Prozent nach oben kletterten. Größter Verlierer war das Sachbuch mit minus 1,4 Prozent.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn das Sortiment allein betrachtet wird. Dann gab es lediglich einen kleinen Zuwachs von 0,4 Prozent zu notieren. Auch hier waren es die Hard- und Softcover, die sich verbesserten, und die Taschen­bücher, die Umsatzanteile abgeben mussten. Bei den Warengruppen fiel das Ranking ähnlich aus wie bei allen Vertriebswegen gemeinsam: Sozialwissenschaften & Co. mit mehr als zehn Prozent im Plus, das Sachbuch gar mit 3,6 Prozent im Minus. Ein wenig Trost spendete das Rechnungsgeschäft, das ein Plus von 2,9 Prozent eingefahren hat.

Der Schwung aus dem Januar konnte nicht in den Februar hinübergerettet werden: Bei allen Absatzkanälen zusammen schlug ein Minus von 6,7 Prozent zu Buche. Dies ist allerdings auch auf einen Verkaufstag weniger als im Vorjahr zurückzuführen. Dem Rückgang entsprechend, suchte man vergeblich nach Plus­zeichen in der Auswertung. Alles rot. Taschenbücher lagen fast neun Prozent unter Vorjahr, die Belletristik sowie Kinder- und Jugendbücher jeweils 6,4 Prozent. Sachbücher haben sich nicht erholt und verfehlten ihre Messlatte um 8,5 Prozent.

Das schwache Februar-Ergebnis führt auch dazu, dass die für die beiden ersten Monate kumulierten Werte durchgängig unter denen des Vorjahrs liegen, ausgenommen Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft. In der Summe beläuft sich das Minus auf 2,1 Prozent.

Im Sortiment sahen die Zahlen mit einem Rückgang von 7,9 Prozent im Februar noch etwas schlechter aus. Gerade die starken Warengruppen Belletristik (minus sechs Prozent) und Kinder- und Jugendbuch (minus 8,2 Prozent) trugen wesentlich zu dem Rückgang bei. Das Rechnungsgeschäft konnte auch nicht für Kompensation sorgen, lag es doch bei minus 9,3 Prozent. Und so blieb auch im Sortiment nach acht Wochen mit einem aufgelaufenen Minus von 3,7 Prozent ein Teil des Umsatzes von 2016 auf der Strecke.

Im vergangenen Jahr hat der Buchmarkt über alle Absatzwege hinweg 0,8 Prozent hinzugewonnen – zum ersten Mal seit drei Jahren wieder ein positives Abschneiden. Dieses ist vor allem der starken Warengruppe Kinder- und Jugendbücher zu verdanken, die einen großen Sprung gemacht hat (plus neun Prozent). Kräftig zu­legen konnten auch Geisteswissenschaften, Kunst und Musik. Die anderen Segmente stagnierten oder drehten ins Minus. Zu dem neunprozentigen Umsatzzuwachs bei den Kinder- und Jugendbüchern hat "Harry Potter und das verwunschene Kind" einen großen Teil beigetragen. Der Absatz im Kinder- und Jugendbuch ging um 2,7 Prozent zurück, der von Käufern im Schnitt bezahlte Preis stieg um 6,2 Prozent.

Eine kleine Abwärtstendenz zeigte mit minus 0,5 Prozent die Belletristik. Im Reisebuch herrschte wenig Bewegung (plus 0,2 Prozent). Größter Verlierer waren Naturwissenschaften, Medizin, Informatik und Technik mit einem Rückgang von 11,6 Prozent. Auch bei Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft blieb nur ein Minus – in Höhe von 10,7 Prozent. Sachbücher verloren im Vergleich zum Vorjahr 2,7 Prozent ihres Umsatzes. Größter Gewinner waren Bücher zu Geisteswissenschaften, Kunst und Musik mit einem satten Plus von 13,4 Prozent.

Bei den Editionsformen waren Hard- und Softcover beliebter als zuvor (plus 2,9 Prozent). Der Umsatz mit Taschenbüchern reduzierte sich hingegen um 5,5 Prozent.

Betrachtet man allein das Sortiment, fällt die Jahresbilanz 2016 im Vergleich zu allen Vertriebswegen 2,1 Prozentpunkte schlechter aus: Der stationäre Buchhandel schloss 1,3 Prozent unter Vorjahr. Die Schlussfolgerung: Das Wachstum der Branche kommt einmal mehr aus dem elektronischen Handel. "Das Onlinegeschäft ist wichtiger Wachstumstreiber, den auch der Sortimentsbuchhandel intensiv nutzt und entwickelt", stellt auch Alexander Skipis fest.

Das Handelspanel von Media Control

Die Basis bilden 4.189 Abverkaufsstellen, die 84 Prozent des Markts abdecken. Das Panel setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • Sortimentsbuchhandel: 2.355 Abverkaufsstellen
  • E-Commerce: 10 Abverkaufsstellen
  • Bahnhofsbuchhandel: 479 Abverkaufsstellen
  • Kauf-und Warenhäuser: 197 Abverkaufsstellen
  • Elektro- und Drogeriemärkte: 1.148 Abverkaufsstellen

Aus dem Panel werden zwei Stichproben gezogen:

  1. Sortimentsbuchhandel, E-Commerce inklusive Amazon (seit 2016 reale Zahlen, 2015: Amazon-Simulation), Bahnhofsbuchhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie Elektro- und Drogeriemärkte
  2. Sortimentsbuchhandel ohne E-Commerce

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