Die Sonntagsfrage

Wie aufwändig war der Stapellauf vom "Schiff des Theseus"?

Anfang Oktober erschien die deutsche Ausgabe des mit zahlreichen Beilagen versehenen Romans "S." ("S. − Das Schiff des Theseus") von J. J. Abrams und Doug Dorst bei Kiepenheuer & Witsch. Stieg sogleich in die Bestsellercharts ein. Welche Herausforderungen für die aufwändige, bibliophile Gestaltung zu bewältigen waren, erläutert Herstellungsleiterin Monika König.

Dieses Buch ist eines der planerisch und herstellerisch aufwändigsten Bücher, das der Verlag Kiepenheuer & Witsch in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Wie kompliziert es wirklich werden würde, war uns beim Ankauf der Rechte nicht in allen Konsequenzen klar. Doch das änderte sich in dem Moment, als wir an die Realisation gingen.

Es war von Anfang an klar, dass wir uns großen Herausforderungen würden stellen müssen: zum einen, weil wir das Original ins Deutsche übersetzen ließen und somit der Textumfang pro Seite stieg und zum anderen, weil die Übersetzer genaue Vorgaben bekommen mussten, wie sie ihre Übersetzung formal anzulegen hatten. Alles musste so übersichtlich und klar sein, dass wir ohne große Rückfragen damit in die technische Umsetzung, also in den Satz gehen konnten. Wir bewegen uns schließlich in diesem Buch inhaltlich auf vier Ebenen!

Für die technische Realisation brauchten wir Fachleute, die mit Handlettering sowie mit kompliziertem Satz Erfahrung hatten. Schon bei den ersten übersetzten Seiten fingen wir an, Satzproben zu machen, um zu sehen, ob das von uns entwickelte Konzept, mehrere Ebenen zu verknüpfen, auch klar und übersichtlich für die Graphikerin ist. Diese Abstimmung, sowohl was den Satz als auch die Farbgebung angeht, dauerte bis zum Druck über ein Jahr. Aber auch dann, selbst während des Druckes, mussten immer wieder die Farbgebung bzw. die Daten noch einmal überarbeitet werden. Das erforderte nach Übertragung der Druckdaten an die Druckerei weiterhin beinahe täglichen Kontakt zwischen der Grafikerin in Berlin einerseits und der Druckerei in Tschechien sowie der Herstellungsabteilung andererseits.

Der Auftrag an die Druckerei zur Gesamtherstellung erging ein Jahr vor der Auslieferung des Buches. Für Umsetzung waren letztlich verschiedene Dienstleister nötig, die intensiv daran beteiligt waren, dieses große Projekt zu realisieren. Der gesamte Druck aller einzelnen Druckbestandteile war in einer Hand, ebenfalls gehörte die Beschaffung der mit dem Verlag abgestimmten oder vorgeschlagenen Materialien dazu. Die Kassette wurde von einem weiteren Dienstleister erstellt, sowie alle weiteren Arbeiten wie Bindung, Konfektionierung, Koordination bei unserem Hauptlieferanten.

Die Materialauswahl gestaltete sich nicht einfach, da wir von den Autoren angehalten waren, uns in der gesamten Ausstattung an der amerikanischen Originalausgabe zu orientieren. Wir mussten also auf die Suche gehen, geeignetes Material auch hier im europäischen Raum zu finden, was nicht nur unseren Qualitätsansprüchen standhalten musste, sondern schnell lieferbar sein sollte. Das erforderte von uns für die zahlreichen einzelnen Materialien einen enormen Recherche- und Planungsaufwand.

Wir entdeckten zudem erst nach ein paar Wochen, dass die amerikanischen Ausgaben, die wir als Muster benutzt hatten und die wir auch an die Dienstleister versandt hatten, kein einheitliches Druckbild in den einzelnen Exemplaren hatten. Im Gegenteil: Jedes Buch wies leichte bis stark abweichende Farbschwankungen auf, je nachdem, von welcher Druckauflage es stammte. Diese Erkenntnis führte dazu, dass wir uns ein Buch als Master aussuchten und daraufhin alle Daten neu anpassen mussten.

Bei den Vorbereitungen wurde uns schnell klar, dass wir nicht nur eine ganz enge Abstimmung zwischen den einzelnen Dienstleistern benötigten, sondern auch, dass wir nur eine einzige Auflage drucken würden um die Kosten einigermaßen überschaubar zu halten. Denn die Produktionszeiten waren extrem lang, nicht nur bedingt durch die aufwändigen Vorgaben, sondern auch deshalb, weil alle Beilagen (immerhin 22 an der Zahl!) an bestimmten festgelegten Stellen einzulegen waren. Das übernimmt natürlich keine Maschine, das kann nur manuell gemacht werden.

Das alles und noch viel mehr ist das Zusammenspiel aller Beteiligter (etwa zwischen 30 und 40 Personen) gewesen, von denen jeder Einzelne nimmermüde seine Aufgabe gewissenhaft wahrnahm. Was uns alle angetrieben hat, war die Vision, das Projekt perfekt umzusetzen – und das konnten wir nur gemeinsam schaffen, auch wenn der Weg dahin nicht immer einfach war.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, finde ich, es entspricht in allen Punkten unseren Vorstellungen und kann somit als großer Erfolg in die Geschichte des Verlages Kiepenheuer & Witsch eingehen.

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