Die Sonntagsfrage

„Warum profitiert die Librairie Allemande nicht von den deutschen Institutionen in Paris, Frau Mönch-Hahn?“

Seit fast zwei Jahren gibt es in Paris wieder eine Deutsche Buchhandlung. Dank der vielen deutschen Institutionen im Land dürfte der Laden brummen, meint man. Wer tatsächlich in der Librairie Allemande kauft und warum die Mitarbeiter der Deutschen Botschaft und anderer Institutionen umdenken sollten, erklärt Iris Mönch-Hahn, Geschäftsführerin der Librairie Allemande.

Iris Mönch-Hahn, Geschäftsführerin der Librairie Allemande in Paris

Iris Mönch-Hahn, Geschäftsführerin der Librairie Allemande in Paris © privat

Die Anfang Mai 2015  neu gegründete Deutsche Buchhandlung – Librairie Allemande – bestens plaziert im Quartier Latin, nur wenige hundert Meter von der Kathedrale Notre-Dame entfernt – wurde mit Kompetenz, Engagement, Enthusiasmus und ausschließlich mit privater Finanzierung auf die Beine gestellt.

Die Buchhandlung (40qm, 1,3 Vollzeitkräfte plus Praktikanten) bietet als erste deutsche bzw. ausländische unabhängige Buchhandlung in Frankreich, alle deutschen Bücher (ca. 5000 Titel vorrätig) zum gleichen festen Verkaufspreis wie in Deutschland an. Also ein Service im Hinblick auf die Preispolitik, der seines Gleichen sucht und keine Ausrede mehr duldet, deutsche Bücher wären im Ausland – in diesem konkreten Fall in Frankreich - einfach zu teuer.


Wo sind die deutschen Kunden?

Unter dieser Prämisse und mit dieser Preispolitik ist die Buchhandlung aktuell noch in Betrieb - dank des Interesses der Franzosen und anderen deutschsprachigen Ausländern an deutscher Kultur, Literatur und Sprache. Unsere Kundschaft besteht selbst nach zwei Jahren immer noch aus mehr als 80 Prozent Franzosen, französischer Einrichtungen und Institutionen. Wir fragen uns, wo der deutsche Kunde in Frankreich beziehungsweise in Paris seine Bücher kauft?

Besonders fällt auf, dass nicht einmal zwei Prozent der Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in der Librairie Allemande Bücher einkaufen! Genauso oder noch schlechter verhält es sich mit der Deutschen Schule Paris, der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer und den in Paris ansässigen deutschen Instituten (Deutsches Forum für Kunstgeschichte, Deutsche Historisches Institut, Goethe Institut, Maison Heinrich Heine).

Warum kaufen französische Schulen mit einer sehr kleinen Deutsch-Abteilung mehr bzw. überhaupt Bücher in der Librairie Allemande ein im Vergleich zur Deutschen Schule Paris, die bis heute als Kunde bei uns nicht registriert ist? Eine Frage, die sich aus unserer Sicht nicht wirklich beantworten lässt. Geht es hier um Desinteresse ganz allgemein oder im Spezifischen? Sollte hier nicht auch von Seiten der Deutschen Botschaft als Vertreter des Auswärtigen Amtes ein gewisser Einsatz gezeigt und geleistet werden, dass man auch vor Ort den Deutschen Buchhändler in Paris unterstützt und zumindest einen Teil seiner Bücher dort bestellt und einkauft? Sollte man diesen Einsatz nicht auch von alle anderen deutschen Einrichtungen in Paris und vor allem auch von den Mitarbeiter der Deutschen Botschaft mehr als erwarten können?


Kein Engagement für die Librairie Allemande von Deutschen Institutionen

Dieser fehlende Einsatz von Seiten der Deutschen Botschaft, den Deutschen Instituten und Schulen, die sehr viel Wert auf den Erhalt und die Verbreitung der deutschen Kultur, Literatur und Sprache legen, sollte nun dringend in Relation zu dem unermüdlichen Einsatz einer Deutschen Buchhandlung in Paris gesetzt werden. Denn nirgends wird die deutsche Kultur, Literatur und Sprache so einfach, unkompliziert und vor allem kostengünstig den Franzosen und anderen Ausländern, die in Frankreich leben und arbeiten, vermittelt und näher gebracht, als in einer Deutschen Buchhandlung. Diese bietet mehr Öffentlichkeit und Informationen in bestimmten Bereichen als so manche deutsche steuerfinanzierte Institution. Eine Deutsche Buchhandlung in Paris ist viel mehr als ein – im besten Fall – funktionierendes Handelsunternehmen. Es ist die außergewöhnlichste und beste Form eines buchhändlerischen Dienstleisters die deutsche Kultur, Literatur und Sprache weiter zu vermitteln und zu fördern und dadurch einen sehr wichtigen Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft zu leisten.

Deshalb rufen wir genau sie, die Deutsche Botschaft, alle Vertreter deutscher Institute, Einrichtungen und Schulen in Frankreich auf jetzt und langfristig dazu auf, uns mit Werbung und persönlichen Einsatz zu unterstützen, bevor Sie in der deutschen und französischen Presse den nächsten Nachruf über eine weitere geschlossene Deutsche Buchhandlung in Paris lesen werden!

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16 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Sonja Hilzinger

    Sonja Hilzinger

    Ich lese mit Erstaunen, dass es sich um die einzige Buchhandlung mit deutschsprachigem Angebot in Paris handele - das ist jedenfalls nicht zutreffend. Seit Jahrzehnten gibt es beispielsweise "Le roi des aulnes" in der Rue Lacharrière, geführt von Nicole Bary, die als Übersetzerin u. a. Werke von Christa Wolf ins Französische gebracht hat. Ebenfalls seit Jahrzehnten existiert "Marissal" in der Rue Rambuteau direkt am Centre Pompidou. Vielleicht sind die deutschen Institutionen dort einfach schon seit Jahren Stammkunden ...

  • Bücherfreund

    Bücherfreund

    Ist das wirklich ernst gemeint? Wieso sollte es eigentlich Aufgabe der Botschaft sein, Werbung für eine Buchhandlung (und nicht für deutschsprachige Bücher, Musik etc.) zu machen? Schliessslich: zeigt die Kundenstruktur nicht sehr schön, dass der gewünschte Werbeeffekt gerade gegenüber französischen Kunden durch Sie selbst erbracht wird?
    Mir scheint, dass hier eigene Interessen der Umsatzsteigerung mit kulturpolitischen Argumenten bemäntelt werden. Der Wunsch ist zwar nicht verwerflich - mit den Aufgaben der genannten Einrichtungen hat er aber rein gar nichts zu tun.

  • Librairie Allemande

    Librairie Allemande

    Sehr geehrte Frau Hilzinger, Sehr geehrter Bücherfreund,
    Ihre Kommentare bzw. Fragen können wir gleichzeitig beantworten. Grundsätzlich ist es immer sehr hilfreich bevor man einen Kommentar schreibt, sich auch über die Situation, in diesem Fall die Deutsche Buchhandelslandschaft in Paris zu informieren. Die genannte Buchhandlung "Le roi des aulnes" ist seit vielen Jahren geschlossen, die Buchhandlung Marissal ist seit zwei Jahren geschlossen. Nach deren Schliessung im Januar 2015 gab es in der deutschen und französischen Presse einen grossen Aufschrei von verschiedenen Seiten, auch von Seiten der Deutschen Botschaft. Wir wissen aus einschlägiger Quelle, dass man noch versuchte, eine Hilfestellung kurz vor der Schliessung anzubieten, doch da war es bereits zu spät. Und genau dies ist nun die Intention dieses Aufrufs, dass die potentielle Hilfestellung vielleicht dieses Mal nicht zu spät kommt. Natürlich geht es um ein allgemeines Interesse der Umsatzsteigerung, aber nicht um irgendwelche Profite einzufahren, sondern um die Kostendeckung zu gewährleisten und somit eine eventuelle Schliessung abzuwenden. Deshalb ist dies hier alles wirklich mehr als ernst gemeint! Mit besten Grüssen, Librairie Allemande

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich kann den Unmut gut verstehen - allein, sich über mögliche Kunden öffentlich zu beschweren, heißt, sie aktiv zu vertreiben. Keiner lässt sich gern zum Kauf verpflichten, gar erziehen. Wenn Pariser Institutionen deutschsprachigen Buchhandel subventionieren wollten, täten sie das. Sonst halt nicht. - Aussage gilt genauso für jede Kleinstadt überall in Deutschland, für jede einzelne Universitäts- und Museumsbuchhandlung. Sich auf die Loyalität der öffentlichen Hand zu verlassen, ist gefährlich.

  • Librairie Allemande

    Librairie Allemande

    Sehr geehrte Frau Bergmann, es geht hier nicht um Unmut, es geht um wesentlich mehr. Grundsätzlich kann man Nicht-Kunden nicht mehr vertreiben, man kann nur immer wieder versuchen, sie erneut aufzurütteln und auf unsere Vorteile und unseren Service hinzuweisen. Es geht hier übrigens auch nicht um Pariser Institutionen, es geht um Deutsche Institutionen in Paris und dies ist leider - aus langjähriger Buchhandelserfahrung - nicht mit einer deutschen Buchhandlung in Deutschland zu vergleichen. Mit besten Grüssen, Librairie Allemande

  • Sven Fund

    Sven Fund

    Martina Bergmann trifft den Nagel auf den Kopf. Klientelismus hat nichts mit Kulturförderung zu tun.

  • Librairie Allemande

    Librairie Allemande

    Sehr geehrter Herr Fund, es handelt sich hier weder um Klientelismus noch um Kulturförderung. Es geht hier um die Frage, wer profitiert von den Einkäufen und Bestellungen der Deutschen Institutionen in Paris. Wir, als unabhängige örtliche Buchhandlung, jedoch nicht! Wir fragen uns einfach, warum? Mit besten Grüssen, Librairie Allemande

  • Felix

    Felix

    "Es geht hier um die Frage, wer profitiert von den Einkäufen und Bestellungen der Deutschen Institutionen in Paris."
    Ich hab da eine ganz einfache Vermutung: Die „deutschen Institutionen“ in Paris kaufen ihre Bücher da, wo sie sie auch schon vor dem Eröffnen der in den Medien jammernden Frau Iris Mönch-Hahn gekauft haben: In einer Pariser Buchhandlung oder beim Versandbuchhändler. Deren Gejammer hört sich so an, als ob die Librairie Allemande die einzige Buchhandlung ist, in der man in Paris deutschsprachige Bücher kaufen kann: Ich kann in Paris in jeder Buchhandlung deutsche, amerikanische, spanische Bücher bestellen. Und Frau Bergmann hat völlig recht: Potenzielle Kunden durch die Medien abzukanzeln, geht garnicht. Und das auch noch unter dem Motto "Deutsche, kauft in Paris nur bei der deutschen Buchhändlerin" ist ein absolutes No-Go.

  • Librairie Allemande

    Librairie Allemande

    Sehr geehrter Felix, dies ist kein Gejammer. Wir stellen nur fest, stellen Fragen und rufen auf! Auch wenn wir uns wiederholen, aber wir sind die einzige stationäre Buchhandlung in Paris, die alle Bücher zum gleichen festen Ladenpreis wie in Deutschland verkauft. Genauso wenig kanzeln wir hier ab, sondern weisen auf die aktuelle Situation hin immer im Hinblick auf die starken Reaktionen bezüglich der Schliessung einer deutschen Buchhandlung im Januar 2015. Und bei genauem Lesen des Artikels lässt sich Ihr daraus interpretiertes Motto nicht im Geringsten erkennen. Mit besten Grüssen, Librairie Allemande

  • Felix

    Felix

    Sehr geehrte Frau Mönch-Hahn, Sie rufen in Ihrem Artikel dazu auf, dass Deutsche Institutionen in Paris nur bei der deutschen Buchhändlerin ihre Einkäufe tätigen sollen. Da muss man garnichts interpretieren. Und da ich ein Jahr lang in Paris gearbeitet habe und die wunderbaren Buchgeschäfte dort kenne, weiß ich ganz genau, dass mir jede Buchhandlung jedes gewünschte deutschsprachige Buch bestellt. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in eine "deutsche" Buchhandlung zu fahren, um "deutsche" Bücher zu kaufen. Und wenn die Mitarbeiter der Deutschen Botschaft mit ihren Buchhändlern in Paris zufrieden sind, warum sollten sie zu Ihnen wechseln? Nennen Sie mir einen einzigen Grund! Weil Sie Deutsche sind? Das kann doch im 21. Jahrhundert in einem westeuropäischen Land nicht Ihr Ernst sein!

  • Librairie Allemande

    Librairie Allemande

    Sehr geehrter Herr Felix, es ist - wie bereits schon einmal erwähnt - immer sehr hilfreich den Artikel genau zu lesen. In diesem Artikel steht nirgends, dass Institutionen "nur" bei uns einkaufen sollen! Und ich wiederhole gerne noch einmal, dass wir die erste und einzige deutsche stationäre Buchhandlung in Paris sind, die alle deutschen Bücher zum gleichen festen Ladenpreis wie in Deutschland anbietet. Wir kennen auch seit Jahren alle anderen wunderbaren Buchhandlungen in Paris, nur verkaufen diese keine deutschen Bücher zum gleichen Preis wie in Deutschland. Es gibt viele Gründe um eine Buchhandlung zu wechseln, unter anderem eine einmalige und andere Preispolitik! Mit besten Grüssen, Librairie Allemande

  • Branchenbeobachter

    Branchenbeobachter

    Was ich nicht ganz verstanden habe: Warum rufen Sie über diesen Artikel die Deutsche Botschaft, alle Vertreter deutscher Institute, Einrichtungen und Schulen in Frankreich auf, sie mit Werbung und persönlichen Einsatz zu unterstützen"? Warum gehen Sie nicht ans Telefon und rufen die deutschen Institute, Einrichtungen und Schulen in Frankreich AN und bitten sie um Unterstützung? Das fände ich hilfreicher als diesen Artikel, zumal die genannten Institutionen gar keine Zielgruppe und Leser von boersenblatt.net sind.

  • Librairie Allemande

    Librairie Allemande

    Sehr geehrter Branchenbeobachter, all Ihre Vorschläge wie Telefon, Gespräche, Mail etc. haben wir erfolglos durchgeführt. Somit ist dieser Aufruf, der als offener Brief an die Deutsche Botschaft direkt und gleichzeitig - neben dem Börsenblatt - an verschiedene Vertreter der deutschen und französischen Presse ging, ein letzter Versuch, die Institutionen wachzurütteln. Mit besten Grüssen, Librairie Allemande

  • Rainer Neumann

    Rainer Neumann

    Sehr geehrte Frau Mönch-Hahn,
    schreibe Ihnen als Paris Reisender, nicht als Buchhändler, aber als Bücherfreund, der das gedruckte Wort noch in der Buchhandlung kauft. Ich kenne "Marissal" noch aus guten, alten Zeiten. Ihr Engagement verdient Respekt. Jede Buchhandlung ist ein Glücksfall. Als Selbständiger kann ich Ihre Sorge nachvollziehen. Bücher sind ein Kulturgut. Aber jede Buchhandlung trägt letztendlich auch ein wirtschaftliches Risiko wie jedes Unternehmen.
    Ob ein öffentlicher Appell tatsächlich hilfreich sein kann, wage ich zu bezweifeln.
    Klar, Sie brauchen Umsatzerlöse und es braucht einen langen Atem.
    Ich wünsche Ihnen Licht am Ende des Tunnels.
    Freundliche Grüsse


  • Branchenbeobachter

    Branchenbeobachter

    Hatte mir schon gedacht, dass Sie es probiert hatten, mit den Institutionen direkten Kontakt aufzunehmen. Auch ich wünsche Ihnen, dass Ihr Engagement erfolgreich sein wird.

  • didier scholl

    didier scholl

    Die Librairie Allemande ist nicht die einzige deutsche Buchhandlung in Paris.
    Vergessen wir nicht die ausgezeichnete deutsche Buchhandlung "BUCHLADEN" 3, rue Burq 75018 Paris !!

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