Die Sonntagsfrage

„Welche Ausbildung erwartet die Generation Z, Frau Ullrich?“

Felicia Ullrich, Geschäftsführerin von u-form Testsysteme, ist Expertin für Azubi-Recruiting – und referiert zu diesem Thema auf der diesjährigen AWS-Jahrestagung in Schwerin. Welche Ausbildung erwartet die Generation Z? Felicia Ullrich beantwortet die Sonntagsfrage.

Felicia Ullrich, Geschäftsführerin u-form Testsysteme

Felicia Ullrich, Geschäftsführerin u-form Testsysteme © privat

Unsere seit 2013 jährlich durchgeführte Studie Azubi-Recruiting Trends zeigt eine pragmatische Generation: Besonders wichtig bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist die "Die Nähe zum Wohnort". Denn die Generation Z wünscht sich eine gute Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf, Work-Life steht hoch im Kurs, schon bevor "Arbeit" als Faktor so richtig in das eigene Leben getreten ist. Da spielen Eltern vermutlich eine Rolle als negatives Vorbild. Mütter und Väter von Azubi-Bewerbern sehen die eigene Berufspraxis durchaus selbstkritisch, wie unsere in diesem Jahr erstmalig durchgeführten Elterninterviews andeuten.


Spaß darf nicht zu kurz kommen

Die Generation Z wünscht sich Sinn und Sicherheit im Beruf. Sie ist in vielen Fällen materiell gut durch ihre Eltern abgesichert, deshalb ist Geld für viele nicht mehr als ein Hygienefaktor. Dass diese Generation, die zumindest medial schon verschiedene Systemkrisen erlebt hat, nach Sicherheit strebt, verwundert nicht. Auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen – insgesamt also keine leichte Aufgabe für die Arbeitgeber der Zukunft. Zudem muss der Beruf zu den Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen passen. Aber woher wissen 17jährige Schüler, welcher Beruf zu ihren Fähigkeiten passt? Die Buchbranche hat es hier insofern leichter als manch verarbeitendes Gewerbe, da jeder Schüler schon mal ein Buch in den Händen gehalten hat – wenn auch nicht immer freiwillig.

Buchbranche muss wegkommen vom Image als "graue Maus"

Derzeit beobachten wir immer wieder, dass es Ausbildungsbetriebe nicht schaffen, Schülern das Produkt "Ausbildung" zielgruppengerecht zu verkaufen. Wer Sinn sucht, möchte Antworten auf die Sinnfrage und nicht trockene Fakten aus einer Geschäftswelt, die er noch nicht versteht. Statt spannende Geschichten über unsere Jobs zu erzählen, langweilen wir Schüler mit klassischen Unternehmensporträts und Fachchinesisch. Zudem schrecken wir die Besten von ihnen mit Anforderungsprofilen ab, wie die Studie Azubi-Recruiting Trends 2017 zeigt, die wir gerade auswerten.

Die Buchbranche muss als Ausbildungsbranche wegkommen vom Image als "graue Maus" und zeigen, warum Bücher eine Zukunft haben. Die Welt der Bücher ist enorm spannend und voller guter Geschichten. Ausbildungsbetriebe sollten diese Stories identifizieren und stärker für sich nutzen. Die glaubwürdigsten Kronzeugen für die Attraktivität der Ausbildung in der Branche sind dabei die eigenen Azubis. Bringen Sie Ihre Azubis zum Reden – zum Beispiel auf Ihrer Website: Was macht ihren Job spannend? Was schätzen sie besonders an den Produkten, der Branche und dem Betrieb? Wenn das gut funktionieren soll, brauchen Geschäftsführer und Ausbildungsverantwortliche viel Mut zur "langen Leine".

Nicht nur in der Kommunikation ist ein Wandel nötig: Die Auswahl nach Schulnoten bietet nur wenig Verlässlichkeit, was die Eignung von Bewerbern angeht. Gut gemachte, an der Berufspraxis orientierte Testverfahren sind besser. Azubi-Bewerber schätzen besonders solche Verfahren, die neben Faktoren wie Leistung oder Wissen auch die Persönlichkeit erfassen.

Hier geht es zum Programm der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen AWS!

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