Die Sonntagsfrage

"Verderben viele Köche nicht eher den Brei, Herr Ehrmann?"

Leserfeedback vor der Veröffentlichung – Snipsl Media liefert dafür die Plattform. 230 Schriftsteller machen schon mit, überwiegend Selfpublisher, weshalb Snipsl jetzt auch Partner des Selfpublisher-Verbands geworden ist. Wie funktioniert Snipsl eigentlich genau? Und: Macht der ständige Dialog mit den Lesern die Bücher tatsächlich besser? Snipsl-Media-Gründer Georg Ehrmann gibt Antworten.

Georg Ehrmann

Georg Ehrmann © privat

Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, ich würde Geschäftsführer eines Literaturportals werden, da hätte ich nur müde gelächelt. Die Idee zu Snipsl hat die Erfolgsautorin A.J. Blue (Jasmin Wollesen) gemeinsam mit Ihrem Mann entwickelt. Als dieser bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, habe ich die rechtlichen Interessen von Jasmin Wollesen vertreten. Als die dicksten Brocken aus dem Weg geräumt waren, sind wir auch die begonnenen oder geplanten Projekte durchgegangen − eines davon war "Snipsl".

Als Leseratte und Vater zweier lesebegeisterter Söhne hat mich die Idee auf Anhieb überzeugt. Da habe ich mich dann regelrecht beworben und Jasmin Wollesen vorgeschlagen, eine gemeinsame Firma zu gründen. Meinen Geschäftspartner Ole von Beust konnte ich auch überzeugen und so entstand die Snipsl Media GmbH, deren Gesellschafter und Geschäftsführer ich heute bin. Daneben bin ich aber nach wie vor Rechtsanwalt und leite mit Ole von Beust die von Beust & Coll Beratungsgesesellschaft.

Wie funktioniert Snipsl? Auf der einen Seite gibt es die Autoren, die über das Autorentool ihre Snipsl schreiben und einstellen können, Kommentare bearbeiten, Umfragen mit den Lesern durchführen können. So können sie ihr Buch in kleinen Abschnitten, den Snipsln, bereits vor der Veröffentlichung bekannt machen. Auf der anderen Seite den Leser, der über sein Smartphone die App im Playstore oder App Store herunterlädt und dann die Bücher 'seiner' Autoren mitlesen und kommentieren kann. Jedes Mal, wenn ein von ihm in seine Bibliothek aufgenommener Autor einen Snipsl veröffentlicht, erhält er eine Push-Nachricht auf sein Smartphone.

Die Leser können etwa ein Like-Herzchen setzen oder an Umfragen teilnehmen, dabei vielleicht mit entscheiden, wie ein Charakter heißen soll. Allerdings kommentieren nicht alle, manche lesen einfach nur die Snipsl. Durch die beispielsweise wöchentliche Veröffentlichung ergibt sich ein Seriencharakter und der Leser fiebert schon darauf, wie es weitergeht.

Snipsl wurde von einer Autorin entwickelt, daher werden die Urheberrechte nicht angetastet, die Autoren behalten die völlige Unabhängigkeit. Sicher werden sie nach der Testphase eine gewisse Verwaltungsgebühr zahlen, das ist aber kein Geschäftsmodell. Wir sehen die Monetarisierung

  • zum einen bei den Lesern, die bereit sein werden, dafür, dass sie bei so vielen unterschiedlichen Autoren beim Entstehen der Bücher dabei sein zu können, eine monatliche Gebühr zu zahlen.
  • Auch kann es für Verlage interessant sein, auf Snipsl Trends zu testen.
  • Eine weitere Möglichkeit kann es sein, zusätzliche Services für Autoren anzubieten, etwa Lektoratsdienste.

Derzeit sind wir jedoch von einer Monetarisierung noch weit entfernt, es geht zunächst darum zu zeigen, dass das Snipsl-Prinzip funktioniert. Da ist uns in den letzten neun Monaten sehr viel gelungen.

Die überwiegende Anzahl der Autoren, die auf Snipsl schreiben, sind Selfpublisher, die häufig das Problem haben, keinen Austausch, keine Sparringpartner zu haben. Snipsl bietet den Mitgliedern des Selfpublisher-Verbandes durch die neue Kooperation die Möglichkeit sich mit den Autoren auszutauschen, auch die neue Art des Schreibens auszuprobieren. Am Ende ist es für die Autoren wichtig, durch Snipsl mehr Bücher verkaufen zu können. Die Autoren stellen in der Regel die Bücher von Anfang an ein, das unterscheidet Snipsl auch von Portalen, die nur mit Leseproben arbeiten. Gegen Ende veröffentlicht der Autor dann sein Buch und der Leser möchte natürlich wissen, wie es endet und kauft dann das Buch.

Wie beurteilen die beteiligten Autoren Snipsl? Zum einen werde die Motivation beim Schreiben enorm gesteigert, so hören wir – und mit der Ankündigung von Snipsln steige der Druck im positiven Sinne, 'am Ball' zu bleiben. Das Feedback der Leser bringe sehr viel. Snipsl ist für die Autoren ganz klar auch ein Marketingtool. Von den 230 Autoren haben sich bereits 20 in die Top 100 der Verkaufscharts von Amazon gesnipselt. Ein weiterer Vorteil ist die Vernetzung untereinander sowie die Unterstützung durch Snipsl. Wir organisieren regelmäßig Autorenworkshops, erst kürzlich haben wir uns in Frankfurt getroffen, um das Feedback der Autoren einzuholen. Snipsl ist noch im Entstehen und durch die Einbeziehung der Autoren möchten wir es stetig verbessern.

Sicher gibt es Konkurrenz durch Portale wie Whatpad oder Sweek, aber Alleinstellungsmerkmal von Snipsl ist die Fokussierung auf neue Bücher, die noch nicht veröffentlicht wurden, die Einbeziehung der Leser und dass auf Snipsl nur Autoren schreiben, die unsere Qualitätsanforderungen erfüllen. Bei jungen Autoren lassen wir uns eine Leseprobe schicken und auch bezüglich der Cover behalten wir uns vor, diese abzulehnen und andere vorzuschlagen. Auch bitten uns oft junge Autoren um "Lektorat" ihrer ersten Snipsl.

Unser Ziel ist es, bis Jahresende 500 Autoren zu gewinnen, die den dann 10.000 Nutzern die Chance bieten, beim Entstehen ihrer Bücher dabei zu sein. Ferner wird die Technik so optimiert, Stichwort 'Snipsl 2.0', dass Snipsl wirklich etwas ganz besonders wird, mehr dazu auf der Frankfurter Buchmesse…

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