Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017

Aslı Erdoğan wird ausgezeichnet

Die türkische Journalistin und Schriftstellerin Aslı Erdoğan erhält den mit 25.000 Euro dotieren Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017 − unter anderem "für ihr Berichten über die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in der Türkei auf die Menschen und ihren Alltag", wie die Stadt Osnabrück mitteilt.

Asli Erdoğan

Asli Erdoğan © Doris Poklekowski

Die Stadt Osnabrück verweist insbesondere auf Aslı Erdoğans jüngst erschienene Sammlung "Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch" (Knaus-Verlag, 2017). Diese enthält eine Auswahl ihrer Essays, die derzeit nicht in der Türkei erscheinen können. Ihre erzählerischen Texte sind dabei weniger konkret politisch als mehr "seismographisch für den Schmerz der Opfer, die Grausamkeiten, die sie erlitten", so die Jury. Einfühlsam, poetisch und in aller Deutlichkeit steht die Diskriminierung von Frauen im Mittelpunkt ihres Schreibens, darüber hinaus widmet sie sich Themen wie Völkermord, Gewalt, Unterdrückung, Folter und Krieg.

Die Jury will mit dieser Auszeichnung insbesondere die Unantastbarkeit freier Presseberichterstattung sowie die Notwendigkeit unzensierter Veröffentlichung von Informationen und Meinungen betonen, dies vor allem im Hinblick auf die weltweit zunehmende Einflussnahme von Regierungen und Politik auf Medienberichterstattung.

Aslı Erdoğan, geboren 1967 in Istanbul, studierte Physik und arbeitete von 1991 bis 1993 am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf. Ihr erster Roman "Der wundersame Mandarin" erschien 1996. Mit ihrem dritten Buch "Die Stadt mit der roten Pelerine" gelang ihr der Durchbruch als Schriftstellerin. Von 1998 bis 2001 schrieb sie für die linksliberale Tageszeitung Radikal Kolumnen, seit 2013 für die kurdisch-türkische Tageszeitung Özgür Gündem. Letztere wurde im August 2016 geschlossen mit der Begründung, sie verbreite Propaganda für die PKK. Aslı Erdoğan wurde am 16. August 2016 im Rahmen der so genannten "Säuberungen" nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei vom 15. Juli 2016 mit 22 anderen Journalisten der Zeitung verhaftet. Ende Dezember 2016 wurde sie entlassen, allerdings gelte für sie eine Ausreisesperre.

Sonderpreis für "Pulse of Europe"

Der Verein "Pulse of Europe" erhält den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis für das Eintreten für ein Europa, "in dem die Achtung der Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt selbstverständliche Grundlage des Gemeinwesens sind" (pulseofeurope.eu). Im Hinblick auf zurückliegende und bevorstehende Wahlen in USA, Europa und Deutschland, aber auch mit Blick auf die Entwicklungen in der Türkei unterstützt die Jury das Anliegen von "Pulse of Europe", die Europäische Union als Bündnis zur Sicherung des Friedens zu erhalten.

"Pulse of Europe" wurde 2016 in Frankfurt zunächst als Bürgerinitiative gegründet und ist seit April 2017 ein eingetragener Verein. Initiiert wurde die Bewegung aufgrund des weltweit zunehmenden Erfolges nationalistischer und populistischer Bewegungen. Seit Februar 2017 finden jeden Sonntag um 14 Uhr Kundgebungen auf öffentlichen Plätzen der teilnehmenden Städte statt. Im April 2017 nahmen in 16 europäischen Ländern (neben Deutschland in Albanien, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kosovo, Luxemburg, Niederlande, Polen, Portugal, Schweden, Spanien, Österreich, Ukraine) und über 80 Städten ca. 50.000 Menschen daran teil.

Zur Jury

Unter dem Vorsitz von Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück, gehören der Jury Heribert Prantl, Rita Süßmuth, Stefanie Schüler-Springorum, Johano Strasser, Hubert Winkels, Jutta Sauer sowie Tilman Westphalen als Vertreter der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft und Thomas Schneider als Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrum an. Hinzu kommen als Vertreter der Stadt Osnabrück Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und der städtische Pressesprecher Sven Jürgensen.

Zum Preis

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück wird alle zwei Jahre vergeben, erster Preisträger war 1991 Lew Kopelew.

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wird im Sinne seines Namensgebers für belletristische, journalistische oder wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die sich mit Themen des inneren und äußeren Friedens auseinandersetzen, sowie für beispielhaftes Engagement für Frieden, Humanität und Freiheit.

Die Preisverleihung findet am Freitag, 22. September, um 11 Uhr im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück statt.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • ...

    Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • ...
    Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld

nach oben