Insolvenzverfahren eröffnet

Berliner Buchhandlung Wasmuth vor dem Aus

Beim Amtsgericht Charlottenburg ist am 20. Januar das Insolvenzverfahren über die traditionsreiche Berliner Fachbuchhandlung Wasmuth eröffnet worden. In keiner Weise davon betroffen ist der Ernst Wasmuth Verlag in Tübingen. Die beiden Museumsshops von Wasmuth im Deutschen Technikmuseum Berlin und im Museum der Bildenden Künste in Leipzig sind vorher dem Verlag angegliedert worden und werden als Zweigniederlassung in Berlin weitergeführt. VON CRO

Den sieben Mitarbeitern der Wasmuth Buchhandlung und Antiquariat GmbH & Co. sei bereits gekündigt worden, so Insolvenzverwalterin Kerstin Stein von der Kanzlei WallnerWeiß, die auch das Insolvenzverfahren der Berliner Buchhandlung Ocelot betreut. Ein Kaufinteressent habe sich bislang nicht gefunden, die Aussicht auf einen potenziellen Investor schätzt Stein auf Anfrage als "gering" ein. Mit dem Aus für Wasmuth würden gut 140 Jahre Berliner Buchhandelsgeschichte zu Ende gehen.

Die Buchhandlung, 1872 gegründet, war seit geraumer Zeit vor allem im internationalen Bibliotheksgeschäft aktiv und betreute weltweit 3.000 Institutionen. Immer knapper werdende Margen bei weiter steigenden Service-Anforderungen der Kunden – diesen Spagat auf einem umkämpften Markt hat Wasmuth offenbar nicht mehr geschafft. Dass die Luft selbst für die Großen der Branche dünner wird, hatte im September 2014 die Insolvenz des niederländischen Informationsdienstleisters Swets deutlich gemacht.

Zweites Standbein der Wasmuth-Firmen war der Museumsbuchhandel. Hier musste Wasmuth 2013 einen herben Rückschlag verkraften, als die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Shops der Staatlichen Museen in einer Hand bündeln wollte. Bei der Ausschreibung für einen entsprechenden Generalunternehmer bekam am Ende die Buchhandlung Walther König den Zuschlag. Wasmuth verlor dadurch sechs Shops an vier Standorten, 2014 musste die Buchhandlung außerdem den Ableger in der Deutschen Kinemathek im Sony Center an Dussmann abgeben.

Geschäftsleiter und Wasmuth-Mitinhaber Thomas Emig wird die beiden verbleibenden Museumsshops im Deutschen Technikmuseum und im Museum der Bildenden Künste in Leipzig (2013 eröffnet) weiter beratend betreuen. Außerdem hat er Teile der Fachbuchhandlung übernommen – darunter das Bestellgeschäft für monografischen Publikationen und Abo-Bestände einzelner Verlage.

Im vergangenen Herbst hat Emig die Altlandsberger Buchhandlung in der brandenburgischen Kleinstadt Altlandsberg (knapp 10.000 Einwohner) gegründet. Schwerpunkt soll das Firmenkundengeschäft mit Steuerberatern, Rechtsanwälten und anderen Büros sein, zur Buchhandlung gehört aber auch ein Ladengeschäft mit Allgemeinem Sortiment und Antiquariat. Für Kollegen schnürt Emig Pakete mit Modernem Antiquariat, um sein junges Unternehmen möglichst breit aufzustellen.

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