Jahrestreffen der Jungen Verlagsmenschen

Neuer Vorstand geht #andiearbeit

Auf der Jahresversammlung des Nachwuchsverbands Junge Verlagsmenschen wählte der Verein einen neuen Vorstand. Unter dem Motto „Schöne neue Arbeitswelt“ wurden Arbeitsbedingungen und Fördermöglichkeiten für den Nachwuchs diskutiert. Gastgeber des Treffens in Frankfurt am Main war der Börsenverein. VON KAI MüHLECK

Zum ersten Mal in seiner Geschichte hatte der Börsenverein seine Schlüsselgewalt abgegeben: Am 25. Juli konnte der Nachwuchsverein Junge Verlagsmenschen einen ganzen Samstag lang im Haus des Buches schalten und walten – und reichlich Platz wurde auch für sechs Workshops und die Jahreshauptversammlung des Vereins benötigt. Dorothee Werner begrüßte die rund 120 Teilnehmer mit den Worten: „Wir sind stolz, dass sie bei uns zu Gast sind.“ Werner, die als Studentin das Azubistro ins Leben gerufen hatte, konnte sich in die Nachwuchskräfte hineinfühlen: „Man braucht Unterstützung und Anerkennung ­– mein Chef fand das damals nicht so lustig, dass ich mich engagiert habe.“ Viele Briefe und Telefonate musste sie damals während der Arbeit führen, das kam in der Firma nicht immer gut an. „Wir nehmen ernst, was der Nachwuchs sagt“, so Werner. Vor allem beim Thema Nachwuchsrechte, etwa was die Ausgestaltung von Volontariaten angeht, wünschen sich die Jungen Verlagsmenschen mehr Engagement von Seiten des Verbands. „Wir können keine Dekrete erlassen, aber wir sind sensibilisiert für das Thema“, versprach die Leiterin Unternehmensentwicklung im Börsenverein, aber: Es gebe auch eine Holschuld. Werner forderte die Jungen Verlagsmenschen (JVM) auf, sich im Verband künftig in bestehenden Interessensgruppen einzubringen. Zuvor hatte bereits Vorsteher Heinrich Riethmüller gegenüber einer anderen Nachwuchsorganisation, dem Nachwuchsparlament, brieflich signalisiert, dass der Gründung eigener Interessensgruppe nichts entgegenstehe. Explizite Ausnahme: Die Gründung einer Interessensgruppe Nachwuchs.

 

Neuer Vorstand der Jungen Verlagsmenschen

Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins wurde vor allem ein neuer Vorstand gewählt, zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte besteht die Führungsspitze aus komplett weiblichen Mitgliedern.  Für zwei Jahre gewählt wurden:

  • Lena Augustin: 1. Vorsitzende (Piper, vorher Schatzmeisterin)
  • Sandra Wegner: 2. Vorsitzende (Piper, vorher Schriftführerin)
  • Antje Katzer: Schriftführerin (Klett-Kinderbuch)
  • Cigdem Aker: Schatzmeisterin (Zeitverlag)
  • Britta Fietzke: Beisitzerin (Übersetzerin)

Aus dem Vorstand ausgeschieden sind die beiden Vorsitzenden Eva Heptner und Dennis Schmolk, der sich auch künftig in der AG Nachwuchsrechte einbringen will. Heptner hatte bereits aus beruflichen und familiären Gründen die Arbeit im Vorstand auf die Pflege bestehender Partnerschaften beschränken müssen. Die Umfrage zum Thema Nachwuchsrechte hatte im März dieses Jahres für Aufsehen gesorgt: Schlechte Noten in Sachen Betreuung und eine miserable Bezahlung von Volontären (im  Schnitt 1.117 Euro brutto im Monat oder 6,44 Euro pro Stunde) – die Jungen Verlagsmenschen ließen keinen Zweifel daran, dass sie weiter für faire Bedingungen und einen Mindestlohn für Volontäre kämpfen wollen.

 

Umfrage: Der Verein schmiedet seine Zukunft

Ebenfalls fortgesetzt werden soll die Arbeit der AG Zukunft, in der das Netzwerk der Frage nachgeht, wie sich der Verein positionieren und den Exodus der älteren Mitglieder stoppen soll: Zwar wächst der Verein stetig (aktuell rund 700 Mitglieder, die sich in 12 Regional- und Städtegruppen engagieren), aber den JVM gelingt es nicht, die berufstätigen Mitglieder über 35 zu binden. Der Verein muss auch für ältere Mitglieder attraktiver werden und will besser zwischen den Interessen der jobsuchenden Einsteiger, der Berufsanfänger und den Mitgliedern vermitteln, die bereits fest mit beiden Beinen im Arbeitsleben stehen. Das könnte ein Fortbildungs- oder Mentoringprogramm leisten, wie es etwa bei den BücherFrauen bereits etabliert ist, allerdings fehlt es den JVM gerade an erfahrenen Mitgliedern, die Know-how weitergeben könnten. „Wir haben  gerade erste vorsichtige Überlegungen in diese Richtung angestellt“, sagt Vorstandsmitglied Sandra Wegner. Gut möglich, dass der Verband nach Experten außerhalb der eigenen Reihen suchen muss, um die Idee umzusetzen. Weitere Aufgaben des Vereins sind eine engere Zusammenarbeit zwischen den Regionalgruppen und dem Vorstand. Die Regionalgruppen, die vor allem im Osten Deutschlands kaum vertreten sind, unterscheiden sich in ihren Aktivitäten zum Teil beträchtlich voneinander. Gestärkt werden sollen diese Gruppen durch einen festen Budgettopf für Veranstaltungen. Eine Umfrage, die die AG gerade ausarbeitet, soll dabei helfen, die wichtigsten Aufgaben in Angriff zu nehmen.

Schöne neue Arbeitswelt

Die Keynote beim Jahrestreffen hielt Marlies Hebler, Director Business Relations bei Bookwire. Hebler ließ sehr unterhaltsam die Stationen ihres vielfältigen Berufslebens Revue passieren und verknüpfte dies mit der Technikgeschichte. Der erste Sony Walkman, Bewerbungsschreiben mit der Schreibmaschine für eine Buchhändlerausbildung, E-Mails, die eine ganze Nacht durch den PC rattern, die ersten gesetzten Bücher auf einem Macintosh, kurz vor ihrem Ausstieg bei Rogner & Bernhard in den 90er Jahren lachte die Branche noch über einen „komischen Händler, der Bücher über das Internet verkaufen will“, wenige Jahre später sollte Jeff Bezos die Buchbranche auch mit seinem Kindle verändern. Als Hebler nach Jahren in der Verlagswelt 2009 zu textunes ging, saß sie plötzlich an einem Schreibtisch ganz ohne Bücher. 2013 verschlug es Hebler zu Bookwire, „in den Süden“, ein Schritt, der für sie in den Studienjahren nie in Frage gekommen wäre.  Ihr Fazit und Tipp an den Nachwuchs: „Immer neugierig sein, auch wenn es weh tut.“

Sechs Workshops am Nachmittag sorgten für jede Menge Input: Vom Bewerbungstraining zu innovativen journalistischen Geschäftsmodellen, von Open Source Lösungen im E-Book-Satz zur Bedeutung von Bloggerportalen – die Angebotspalette war groß. Dass kurzfristig ein Workshop zum diesjährigen Auftritt der Frankfurter Buchmesse ausfallen musste, war ein Wermutstropfen.

Für viel Aktivität im Netz sorgte der Hashtag #andiearbeit, ein schräges Fotogewinnspiel sorgte für unvergessliche Erinnerungsfotos. Sponsor Libri war auch in diesem Jahr mit einem eigenen Stand vertreten, ebenso wie die BücherFrauen, mit denen die JVM im vergangenen Jahr zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt hatten.

Sponsoren des Events waren der Börsenverein, Bommersheim Consulting, die Frankurter Buchmesse, juni.com, Libri, der mediacampus frankfurt, Random House, S. Fischer und  Wiley. Medienpartner war das Börsenblatt.

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