Kommentar von Martina Bergmann zur Weltbild-Krise

"Oje, oje, Frau Bergmann"

"Wenn die es schon nicht schaffen, wie wollen Sie sich dann in Borgholzhausen halten?" Martina Bergmann, Buchhändlerin - und Verlegerin - aus Borgholzhausen, findet ihren Job als Pressesprecher des Buchhandels gerade gar nicht einfach.

Jeder einzelne Buchhändler ist ja ein bisschen auch Pressesprecher des Buchhandels insgesamt. Ein schwieriger Job zurzeit. Was soll ich schon zu Weltbild sagen – außer: Großer Mist? Kunden und Geschäftspartner haben mehr Worte. Oje, oje, Frau Bergmann. Wenn die es schon nicht schaffen, wie wollen Sie sich dann in Borgholzhausen halten? Radio und Fernsehen tun ein Übriges und rufen gleich das Ende des Lesezeitalters aus.

Wie soll ich mich dazu verhalten? Blick auf die Zahlen. Stabil. Zuwächse in der Belletristik, schwächelndes Jugendbuch, solide Verkäufe von Coffee Table Books. Die Regionalia machen Freude, und über unsere Kooperation mit einem englischen Verlag jubeln wir. Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Ich würde einfach eine Woche Urlaub machen.

In kleinem Rahmen wohlbehalten: Dem stimmen nach meiner unrepräsentativen Umfrage die Lieblingskollegen weitgehend zu. Was uns aber behindert: Diese Negativ-PR. Die Weltbild-Berichterstattung fällt (auch) auf uns zurück. Dabei erklärt die Misere, warum es den unabhängigen Sortimentern gut geht. Unsere Arbeit ist kleinteilig, individuell, mitunter intellektuell. Mein einziger Artikel für 1 Euro sind Postkarten.

Soll ich das den Kunden erklären? Wenn ich Zeit habe, vielleicht. Aber das ist nicht das Wichtigste. Als Pressesprecherin meines Berufsstands sollte ich sagen, wie sehr ich mich ärgere, dass mehreren Hundert Kollegen übel mitgespielt worden ist. Wenn hier Initiativbewerbungen mit kleinen Post-Its eingehen: Nichts für ungut. Das Arbeitsamt will es so, dann schreibe ich artig die Absage zum Abheften, aber das ist keine produktive Solidarität.

Ich sehe keine Lobby für die Mitarbeiter von Weltbild. Diese Buchhändler haben auf unserem Arbeitsmarkt nur geringe Chancen, weil die derzeit profitable Betriebsform kaum Angestellte vorsieht. Sie haben auch eher schlechte Aussichten, weil so vieles fehlt, was dort nicht nötig war: Fachwissen, Einkaufserfahrung, der Anschluss an das Digitalzeitalter. Es ist den Kollegen sehr zu wünschen, dass sie aus der Mausefalle des Abwartens schnell freikommen.

 

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24 Kommentar/e

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  • Nina

    Nina

    Oha... Frau Bergmann... sie sitzen auf einem ganz schön hohen Ross. Vielleicht mal auf die Idee gekommen, dass auch bei Weltbild bzw. LesensArt ausgebildete Buchhändlerinnen arbeiten und nicht nur gescheiterte Persönlichkeiten, die sonst nix finden?

    Gerade bei LesensArt ging es eigentlich darum wieder richtigen Buchhandel zu machen und ich kann zu unserer Filiale nur sagen, dass es gut funktioniert hat und die Kunden begeistert waren. Ist nur blöd, wenn man kein Budget für Ware bekommt und deswegen nichts verkaufen kann.

    Weltbild und Lesensart geht es nicht schlecht, weil die Kollegen vor Ort schlechte Arbeit machen oder wir schlechte Ware haben (zumindest bei LesensArt steht im Laden, was die Buchhändler vor Ort bestellen), sondern durch Missmanagement in den oberen Etagen und einem infamen Intrigenspiel zwischen Droege, Wenk und Winkelhaus.

    Ob das gerade irgendwie mal für ein paar Tage auch auf die ach so kleinen inhabergeführten Buchhandlungen zurückfällt, interessiert doch nun wirklich nicht. Spätestens wenn alles abgewickelt ist, interessiert es keinen Menschen mehr und sie können wieder wohlbehalten ihre Coffee-Table-Books verkaufen und sich besser fühlen, als die arbeitslosen Kollegen, die nach ihrer Meinung keinen Platz in dieser Branche haben.

  • Buchhändlerin zweiter Klasse

    Buchhändlerin zweiter Klasse

    Liebe Frau Bergmann,
    genau so sieht uns die Branche nicht wahr? Wir sind uns dessen durchaus bewusst. Jeder weiß genau wie wir arbeiten, richtig?
    Ich habe in verschiedenen Buchhandlungen gearbeitet. Im inhabergeführten Buchhandel, in der großen Buchhandelskette und zuletzt bei Weltbild. Auch bei Weltbild benutzt man Warenwirtschaftssysteme, bestellt speziell für seine Kunden, liest Verlagsvorschauen, besucht Fachmessen und so weiter.
    Ich finde Ihren Kommentar zu unserem Schicksal sehr überheblich und voruteilsbehaftet.
    Die Überheblichkeit der Branche ist es übrigens auch, die beim Kunden Schwellenangst aufbaut und zu Boulevardbuchhandlungen und vor allem ins Netz treibt.
    Kommt da jetzt ein: "solche Kunden wollen wir gar nicht ansprechen"?
    Hmmmm ja Arroganz kann sich grad der Buchhandel sicher leisten.
    Ich geh jetzt mal die BILD lesen, denn zu mehr reicht es bei mir armer Weltbildbuchhändlerin ja nicht...

  • Ex-WBler

    Ex-WBler

    Dud mer wiarklisch laid, Frau Bergmüllerche, das isch in ihrener schönem Buchgschäft in Kleinkrotzenhausen - oder wo sie hersinn´ - net könne werde abbeidde tun, weil isch blos soan en unner-indellektududdllter Weltbildler bin, wo isch hob doch immer blos´ hölzerne Rehscher, Dibbscher und Teflonpfanne de Leut´an die Kepp geknallt. Geschbroche worn is ja typischerweis auch nie ebbes irschendwas in unsernere unnerendwiggelte Weltbildläde. Ach ja: Gaddezwärsch hadde mer aach!
    Das war übrigens (wenn auch in anderer Mundart vorgebracht) wirklich die Meinung einer Sortimentsbuchhändlerin aus Bonn gegenüber mir, einem ehemaligen WB-Filialleiter...
    Was unsere wahren Kompetenzen angeht, da kann ich mich nur an meine beiden Vorautorinnen anschließen!
    Kurz und gut, Frau Bergmann, Sie haben mit obenstehendem Artikel uns Ex-Wb´lern viel an Portokosten erspart; denn an Sortimentsbuchhandlungen wie die Ihre, braucht wirklich niemand von uns Bewerbungen zu senden.
    Verpassen Sie doch diesen sofort nach Eingang (ungelesen) eines dieser praktischen kleinen gelben "Ungeeignet"-Post-its! Uaahhaahaa: Das muss ja einen Spaß machen...

  • Pirandello

    Pirandello

    @Ex-WBler
    Gut gebrüllt Löwe :-)
    und Recht haben alle drei Kommentatoren.
    "...weil die derzeit profitable Betriebsform kaum Angestellte vorsieht", ist aber auch eine Aussage, die so wahr wie gruselig ist. Ohne eine angemessene Zahl guter Buchhändler ist der Vorteil des stationären Handels aber ganz schnell aufgebraucht. irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir einer Auflösung dieses gordischen Knotens nicht näher kommen. Immer noch steigende Mieten, schlechte Löhne die trotzdem nicht bezahlt werden können...
    da bringt aufeinander einhauen auch keinen Erkenntnisgewinn

  • Thomas

    Thomas

    Liebe Ex-Weltbildler, lasst Euch von einem alten Vertriebler trösten: Als Verlagsvertreter bei einem großen Publikumsverlag habe ich Weltbild-Filialen betreut, mit denen ich doppelt soviel Umsatz gemacht habe, wie mit den umliegenden drei bis vier "Qualitätssortimentern". Die waren sich nämlich zu fein für Krimis und Unterhaltung oder schlicht nicht liquide. Ich wünsche Euch neue Jobs bei Sortimentern, die wissen, dass Masse auch Kasse macht und hilft, das schöne und geschätzte Randsortiment mitzutragen.

  • Fachbuchhändlerin

    Fachbuchhändlerin

    Ojeh ojeh, Frau Bergmann...
    wie kann man nur so überheblich daherreden, wenn es um die Arbeitsplätze von Kollegen geht, die ganz sicher eine genauso gute Ausbildung wie Sie genossen haben, nur nicht das wahnsinnige "Glück" hatten, sich in die Selbstständigkeit zu stürzen und nun wie Sie vom hohen Ross herunter predigen können...
    Und bitte wer hat ausgerechnet Sie, die immer nur herumjammert (siehe JEDEN Ihrer Beiträge hier im Börsenblatt und auch bei Buchreport...), also wer hat ausgerechnet Sie zur "Pressesprecherin" des Buchhandels erklärt? Das würde sicher nicht nur mich interessieren.
    Ein Happen Demut würde Ihnen gut tun, bevor Sie zum nächsten Schlag gegen angebliche Buchhändler zweiter Klasse ausholen.

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    Frau Bergmann und ihre Kommentare... Hübsch verpackt in den allerbesten Wünschen für die Kollegen, die bald wieder "aus der Mausefalle des Abwartens" herauskommen mögen steckt jede Menge Standesdünkel, der meiner Meinung nach für so manchen unabhängigen Sortimenter typisch ist. Wir wünschen Euch alles Gute - aber bitte, bitte, kommt gar nicht erst auf den Gedanken Euch bei UNS zu bewerben! Frau Bergmann hat ja in Bezug auf die Weltbild-Mitarbeiter auch schon mal von "Schleckerfrauen des Buchhandels" gesprochen. Aber sie weiß ja auch bestimmt über die Qualifikation sämtlicher Weltbild-Mitarbeiter gut Bescheid... sie ist ja schließlich nicht umsonst "Pressesprecher des Buchhandels" ;)

  • Schwager Charon

    Schwager Charon

    @Thomas:
    Was für ein Sphärenklang aus mythischer Vergangenheit! Wann hätten wir in den Weltbild-Filialen jemals noch Kontakte gepflegt zu Verlagsvertretern, gar zu solchen aus dem Bereich des Krimi- und des Unterhaltungsbuchs?!
    (...)
    Noch ´mal ganz entspannt: Was für Weltbild-Filialen, lieber Herr Thomas haben Sie denn in letzter Zeit so betreut? Wir Weltbild-In-diese-Gesellschaft-schwierig-zu-Inklud ierenden durften uns (zuletzt) doch allerhöchstens noch mit verquengelten Vertretern aus dem Grußkartensegment abgeben...Rosen, Tulpen, Nelken, doch auch diese Blumenmotive welk(t)en...

  • Buchhändler ohne Fachwissen

    Buchhändler ohne Fachwissen

    Ich persönlich kenne zwei ehemalige Weltbild Kollegen, die mittlerweile Thalia Filialen leiten und eine, die jetzt als erfolgreiche selbstständige Sortimenterin arbeitet. Kolleginnen wie Frau Bergmann mus ich leider schon seit der Buchhhändlerschule ertragen. Auf die treten, die schon am Boden liegen, zeugt nicht gerade von Stil. Als Pressesprecherin eine Schande für unseren wunderschönen Beruf.

  • Bettina Gähle

    Bettina Gähle

    Ich glaube, ich lese nicht richtig...!!

    Sollte dieser Beitrag ernst gemeint sein, dann ist er unter aller Kritik. Vielleicht habe ich ihn aber auch falsch verstanden, und er ist ironisch gemeint?!

    Werte Frau Bergmann:

    In 22 Jahren, die ich im Buchhandel verbracht habe (10 davon als Ausbilderin), hatte ich die unterschiedlichsten Kollegen - jeder von uns hatte Stärken und Schwächen, wie das halt so ist.
    Es kommt vielmehr darauf an, was man seinen Mitarbeitern zutraut - das sollte grundsätzlich erst mal alles sein.
    Davon abgesehen ist der Mensch erwiesenermaßen bis ins hohe Alter lernfähig.

    Viele der Kollegen, von denen ich persönlich am meisten gelernt habe, waren Quereinsteiger mit gänzlich anderem beruflichen Hintergrund!!!

    Wie auch immer:
    Wenn ich das hier so lese (1-2x BB im Monat langt mir vollkommen), dann bin ich noch glücklicher als sowieso schon, das ich dem Buchhandel bereits vor Jahren den Rücken gekehrt habe.

  • Thomas

    Thomas

    @Schwager Charon: Ich werde hier sicherlich nicht durch Nennung von Filialnamen Kolleginnen und Kollegen vor Ort ans Messer liefern, die an der Regionalleitung vorbei weiterhin den Anspruch gepflegt haben eben auch Buchhandel zu machen. Nur soviel: Das ging bis vor nicht allzu langer Zeit noch sowohl in ECE-Centern wie in Kleinstädten. Aber raten Sie mal, warum auch ich dem Buchhandel den RÜcken gekehrt habe...

  • Buchhändlerin

    Buchhändlerin

    Meine Güte! Das ist ein zugespitzter, gut geschriebener Kommentar. Natürlich gibt es bestens ausgebildete Weltbild-Mitarbeiterinnen, aber es gibt auch andere. Bergmann sieht keine Lobby für die Weltbild-Mitarbeiterinnen. Sehen Sie eine? Sie schreibt "jeder einzelne Buchhändler" sei "ein bisschen auch Pressesprecher für den gesamten Buchhandel". Wie kann man da herauslesen, sie hätte sich zur Pressesprecherin erklärt?

  • Ausgebildeter Buchhändler

    Ausgebildeter Buchhändler

    @ Buchhändlerin

    Persönlich finde ich den Kommentar von Frau Bergmann weder zugespitzt noch gut, aber das nur am Rande....
    Ich finde es eher anmaßend von Frau Bergmann, das sie den Weltbild-Buchhändlerinnen und Buchhändlern fehlendes Fachwissen, Einkaufserfahrung, und Anschluss an das Digitalzeitalter unterstellt. Und eine Differenzierung, das es solche und solche gibt, findet bei Frau Bergmann nicht statt. Zumindest nicht, wenn man den letzten Absatz das Kommentars von Frau Bergmann liest. Ebenso wie einige der Vorkommentatoren/innen bin auch ich ebenfalls heilfroh, den Buchhandel vor ein paar Jahren verlassen zu haben.

  • Nina

    Nina

    Vielleicht liegt es daran, dass Frau Bergmann immer zu allem meint einen Kommentar abgeben zu müssen?

    Und ja, es gibt schlecht ausgebildete, faule Weltbild-Mitarbeiter, genauso wie bei Thalia, Mayersche oder einer kleinen Buchhandlung. Also was soll das Ganze?

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Was soll das denn für ein Kommentar sein, Frau Bergmann? Mitfühlend überheblich jammernd? Erstmal ist das Weltbild-Desaster scheinbar sehr ärgerlich für Sie - fällt doch bei Ihren offensichtlich völlig zur Differenzierung unfähigen Kunden alles (also Sie und Weltbild) in einen großen Topf. Dann kurze Sortimentsanalyse der Weltbildfilialen: "Mein einziger Artikel für 1 Euro sind Postkarten." Bei Weltbild gab/gibt es also nur 1 Euro-Artikel. Diese Läden heißen übrigens 1 Euro-Shops, nicht Weltbild. Dazu noch die Analyse der Gründe für die Weltbild-Krise: "Dabei erklärt die Misere, warum es den unabhängigen Sortimentern gut geht. Unsere Arbeit ist kleinteilig, individuell, mitunter intellektuell." Im hier implizierten Umkehrschluss also bei Weltbild "gebündelt, gleichgeschaltet und blöd". Da wundert es natürlich nicht, dass Sie keine Lobby für die Mitarbeiter von Weltbild sehen, sich gar in Ihrem Berufsstand von denen abgrenzen. Die gehören ja auch nicht dazu. "Diese Buchhändler haben auf unserem Arbeitsmarkt nur geringe Chancen, weil die derzeit profitable Betriebsform kaum Angestellte vorsieht." Lt. Statistiken waren 2012 rund 31.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Bucheinzelhandel beschäftigt. M.W. lag die Zahl der Buchhandlungen bei rund 6.000. Scheint also nicht überall so wie in Borgholzhausen zu sein... Und zu guter letzt kommt dann noch die qualitative Einschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: "Sie haben auch eher schlechte Aussichten, weil so vieles fehlt, was dort nicht nötig war: Fachwissen, Einkaufserfahrung, der Anschluss an das Digitalzeitalter." Gut, dass Sie diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so gut kennen, dass Sie ein so fundiertes Urteil abgeben können. Vielleicht sollten Sie Ihre Nase mal über die Grenzen von Borgholzhausen hinaus bewegen, sich mal mit der einen oder dem anderen Weltbildler persönlich unterhalten, bevor Sie derartig peinliche Kommentare verfassen. Wäre jedenfalls wünschenswert.

  • mapleleafsmauri

    mapleleafsmauri

    "Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden ..."

    Die Aussage des Artikels empfinde ich mindestens als polemisch und unterschwellig beleidigend. Mit anderen Worten, was für Kommentare gilt, sollte auch für Beiträge gelten.

  • Ottmar

    Ottmar

    @ Verkaufnix |

    Ich verstehe die Aufregung nicht!?
    Frau Bergmann kann doch einen Kommentar abgeben, das ist ihr gutes Recht. Man muß diesen ja nicht lesen. Bei mir z.B. fallen "Frau Bergmann-Kommentare" von vorneherein in die "Erst gar nicht lesen"-Kategorie....

  • Fool on the hill

    Fool on the hill

    @Ottmar
    Wenn Frau Bergmann allerdings zum wiederholten Male in Stil und Inhalt schwer daneben greift, ist es andererseits auch das gute Recht aller Leserinnen und Leser, dies deutlich zu kritisieren. Und vielleicht werden dadurch zukünftige Kommentare der selbsternannten Buchhandelserklärerin etwas zurückhaltender und weniger arrogant.

  • Ex-Weltbildler

    Ex-Weltbildler

    Hätte mir im Leben nicht träumen lassen, der "guten" Frau Bergmann mal hilfreich zur Seite zu stehen, doch aufgrund der vielen negativen Kommentare muss ich's wohl mal tun. Denn so unrecht hat Frau Bergmann nicht mit Ihrem Kommentar. Bei Weltbild arbeiten in der Regel eben keine ausgebildeten Buchhändler. Eine Ausbildung ist auch nie Einstellungsvoraussetzung gewesen. Im Gegenteil, oft bekam man zu hören, dass die Geschäftsführer lieber keine Buchhändler einstellen. Leute, die Erfahrung im Einzelhandel haben, gerne, aber nicht im Buchhandel. So heißen die Mitarbeiter bei Weltbild denn auch nicht Buchhändler, auch nicht laut Arbeitsvertrag. Wir waren alles Medienhändler. Doch ist dies kein Ausbildungsberuf. Weltbild bildete und bildet auch nicht aus. Was sollte eine solche Ausbildung auch bringen? Selbstständiges Denken war und ist unerwünscht. Alles am besten gleichgeschaltet, zentralisiert und bis ins Kleinste vorgegeben. Viele Weltbild Mitarbeiter würden in der Tat große Schwierigkeiten haben, nahtlos in eine Sortimentsbuchhandlung zu wechseln. Es fehlen schlicht die Fachkenntnisse. Schulungen, Weiterbildungen bei Weltbild? Ich muß mal kurz lachen. Wenn ich so zurück denke, waren die meisten Weltbild Mitarbeiter, die ich kennenlernen durfte, komplett ohne Ausbildung oder die Ausbildung war ewig her und dann wurde jahrelang nicht im gelernten Beruf gearbeitet. Nach fünf Jahren raus aus dem Beruf ist ja dann schon wie ohne Ausbildung. Viele Hausfrauen bei Weltbild, viele in Teilzeit. Von vielen Autorinnen und Autoren jenseits der Bestsellerlisten haben sie nie etwas gehört. Das denke ich mir nicht aus, sondern das habe ich tagtäglich erleben dürfen. Literaturgeschichte? Bibliographieren? Verlagskunde? War nicht nötig bei Weltbild. Insofern hat Frau Bergmann schon Recht, wenn sie schlechte Berufsaussichten für die Weltbild Mitarbeiter sieht. Viele weiblich, viele an die 50 oder älter, viele jahrelang in einem "Beruf" (Medienhändler) tätig, den es so gar nicht gibt. Dies ist eine realistische Einschätzung des Arbeitsmarktes. Kann jeder gerne anders sehen, wäre in meinen Augen jedoch naiv und weltfremd.

  • Zinn 40

    Zinn 40

    Frau Bergmann hätte ihr Vorurteil ohnehin revidiert, hätte sie sich jemals von der vorzüglichen Buchhandelskompetenz speziell bei LesensArt ein Bild gemacht. Wenn z.B. ein Kunde eine LesensArt-Filiale betrat und fragte nach dem Roman: "Die Liebe in den Zeiten der Mitarbeiterinnen", gleich wussten alle Bescheid...

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @Ottmar
    Ich rege mich nicht auf. Ein Artikel prominent im Branchenorgan mit einem derart herablassend arroganten Tenor muss zumindest hinterfragt werden. Und wenn die kritischen Leser und Angehörige unserer Branche solche Kommentare ignorieren, riskieren sie/wir, dass so etwas als Fakt akzeptiert wird. Dem ist aber nicht so!

  • Aus Leidenschaft Fachbuchhändler

    Aus Leidenschaft Fachbuchhändler

    Hm, ich kenne die anderen Artikel der Verfasserin nicht, ich kümmere mich auch in der Regel nicht um das Geschehen in unserer Braunche, außer es geht ums Verkaufen und deren Strategien. Aber hier war ich doch zuerst verblüfft und dann auch etwas verärgert. Da wird vielen Kollegen übel mitgespielt, sie müssen ausbaden, was da so ganz oben vergeigt worden ist. Hat der Verfasserin da irgendwelche Defizite gegenüber Angestellte eines großen Konkurrenten? Kann man jetzt triumphiren und toll verkünden, das man sehr gut im Coffee Table Books Geschäft ist? Nun, wie auch Immer, aber Menschen pauschal als Ausrangiermodel zu erklären, dazu gehört schon eine große Portion falschen Selbstbewußstseins, oder Dummheit oder beides. Ist die Verfasserin da wirklich ein Sprachrohr unseres "Standes" Dann: OH WEH :( Ich empfinde solche Äußerungen jedenfalls als Erbärmlich und in der Sache eigentlich auch nicht hilfreich.

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    Am Bergmann-bashing will ich mich gar nicht erst beteiligen.
    Das Grundproblem hier, im Börsenverein/ Börsenblatt scheint die Meinung zu sein: "Wir sind nicht betroffen ..."
    Zweimal zumindest als Überschrift verwendet und in seiner Doppeldeutigkeit entlarvend.
    Wir werden alle noch betroffen sein, vielleicht nicht von der WeltbildKircheDroegeLesensart...-Krise, aber spätestens im Herbst sind erst einmal wir Antiquare dran ...
    Wie schrieb der falsche "Häuptling Seattle" doch in den 80ern ? "... dann werdet ihr merken, daß man Geld nicht essen kann ..."
    Und statt auf die Kolleginnen und Kollegen weiter draufzukloppen, könnte man sich doch zumindest verbal solidarisieren, oder einfach mal schweigen und den Niedergang einer einst stolzen und freien Branche betrauern (und damit meine ich keineswegs das Teilsegment Antiquariat) ...

    P.S.: Dauert das jetzt wieder 24 Stunden bis Sie den Kommentar freischalten dürfen ? Wen fragen Sie eigentlich dafür ? Die Rechtsabteilung ?

  • Redaktion

    Redaktion

    Sorry, Herr Schäfer! Ihr letzter Kommentar ist uns einfach durchgegangen...

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