Kundenmagazine im Handel

"Ein haptisches Erlebnis"

Die Welt wird digital – und die Menschen wollen doch am liebsten ihr gedrucktes Heft mit nach Hause nehmen. Dies steht als Fazit einer Gesprächsrunde im Forum Börsenverein über den Einsatz und die Möglichkeiten von Kundenmagazinen.

Veronika Ott

Veronika Ott © Claus Setzer

Sie liegen beim Friseur und in der Apotheke, beim Bäcker und natürlich in der Buchhandlung um die Ecke: Kundenmagazine, die sich griffbereit an der Kasse, auf der Theke oder in Verkaufsständern an der Ladentür stapeln. Sie informieren über News und Trends, haben einen hohen Wiedererkennungswert, machen neugierig und Lust auf den Einkauf und sind meistens gratis. Kurzum: Kundenmagazine sollen Kunden binden und Umsatz machen – ob und wie dies gelingt, war Thema einer von Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir moderierten Podiumsrunde bei der Frankfurter Buchmesse unter dem Motto "Darf’s ein bisschen mehr sein? Mit Kundenmagazinen Image aufbauen und Umsatz steigern".
Tanja Hildebrandt und Jutta Sommer

Tanja Hildebrandt und Jutta Sommer © Claus Setzer

"Menschen, die unser Magazin mitnehmen, kennen sich in unseren Läden aus, sie sind meist hoch informiert und haben eine starke Bindung an unsere Marke", sagte Tanja Hildebrandt, Chefredakteurin des Kundenmagazins "alverde". Ihr Heft liegt einer Auflage von 1,7 Millionen Stück in 1.850 Filialen der Drogeriemarkt-Kette dm aus. Ein hochprofessionell erstelltes Massenprodukt, an dem der Kunde fast nicht vorbei kommt: "Alverde" liegt in allen Filialen direkt an der Kasse zum kostenlosen Mitnehmen bereit.

Dass es auch ganz anders, nämlich ganz persönlich geht, zeigte in der Gesprächsrunde die Apothekerin Jutta Sommer: Seit 2014 drückt sie ihren Kunden drei Mal im Jahr ein komplett eigenes Magazin in die Hand – selbst konzeptioniert, selbst zusammengestellt, selbst geschrieben. "Neben der 'Apotheken-Umschau', an der leider kein Weg vorbei führt, haben wir uns schon lange ein Magazin gewünscht, in dem wir unser Gesicht zeigen können", sagte Sommer. Und das im wahrsten Sinne: Die Cover zieren Fotos von ihr und ihren zehn Mitarbeitern, es wird in jeder Ausgabe ein Gesundheitsthema ausführlich behandelt, Produkte vorgestellt und auf Aktionen hingewiesen. 400 Exemplare verteilt sie in ihrer Rats-Apotheke, der Rest der 8.000er-Auflage wird per Post an die Haushalte der 14.000-Einwohner-Stadt Michelstadt im Odenwald geschickt. "Es ist viel Arbeit, die sich aber lohnt", so Sommer. "Kunden sprechen uns sehr oft darauf an, loben die Themenauswahl und kaufen verstärkt die Produkte, die wir herausstellen."

Dass auch ein auflagenstarkes Kundenmagazin eine persönliche Bindung erreichen kann, erläuterte Veronika Ott vom Beauty-Magazin "Salon Beauté": Einige Hundert Friseur- und Beautygeschäfte führen das Magazin und viele der Händler setzen inzwischen auf die Möglichkeit, sich, ihren Laden und ihr Team auf den Umschlagseiten in Wort und Bild vorstellen, Öffnungszeiten und Serviceleistungen hervorzuheben und ausgewählte Produkte zu empfehlen. "Wir wissen, dass Kunden häufig nachfragen, wann das nächste Magazin erscheint, und dass die Händler durch die persönliche Kundenansprache eine noch engere Bindung an ihren Laden erreichen", sagte Ott.

Nicole Thater und Torsten Casimir

Nicole Thater und Torsten Casimir © Claus Setzer

Auch die Alsdorfer Buchhändlerin Nicole Thater ist vom Nutzen ihres Kundenmagazins als Instrument der Verkaufsförderung und Kundenbindung voll überzeugt. Sie bezieht 600 "Buchjournal“-Exemplare, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „von vorne bis hinten durchlesen“, schließlich müsse jeder wissen, so Thater, nach welchen Titeln die Kunden fragen werden und welche Bücher gegebenenfalls im Laden vorrätig sein müssen. Der Erfolg eines Kundenmagazins – da war sich Nicole Thater mit ihren Mitstreitern auf dem Podium einig – sei zwar nicht in Cent und Euro zu messen, doch habe der Einsatz eben deutlich mehr als nur eine gefühlte Wirkung auf den Verkauf. Die Buchhändlerin reichert jedes Exemplar mit einem Infoblatt zum Service ihres Ladens sowie mit einem Bestellzettel an, damit beim nächsten Besuch in ihrer Buchhandlung auch ja nichts verloren geht. "Außerdem legen wir das Buchjournal bei Ärzten, Rechtsanwälten und beim Tennisclub in der Nähe aus." Nicht selten finden Eltern, die auf das Ende der Tennistrainings ihrer Sprösslinge warten, im Buchjournal Lektüreanregungen, die dann auf dem Heimweg oft gleich eingekauft werden. Und zu Nicole Thaters Freude kann sie sich vom kommenden Jahr an im Buchjournal noch persönlicher präsentieren: Das reichweiten- und auflagenstärkste Magazin der Buchbranche, das im Verlag der MVB erscheint, bietet Buchhändlern demnächst die Möglichkeit, die Umschlagseiten individuell zu gestalten.

Das gedruckte Kundenmagazin hat in Zeiten von Facebook, Twitter & Co. also längst nicht ausgedient – im Gegenteil: "Zwar nutzen wir selbstverständlich auch die modernen Kommunikationskanäle", sagte dm-Chefredakteurin Tanja Hildebrandt. "Wir haben unsere Kunden dazu aber auch befragt und alle haben gesagt, dass sie etwas wollen, das sie besitzen, mit nach Hause nehmen, durchblättern und weitergeben können. Das haptische Erlebnis eines gut gemachten Kundenmagazins ist durch nichts zu ersetzen."

bai

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