Lesetipp von Litprom-Chefin Anita Djafari

Brasilien auf dem Seziertisch

Literarische Schätze aus aller Welt: Anita Djafari, Geschäftsführerin der Litprom, empfiehlt auf boersenblatt.net jeweils am letzten Sonntag im Monat ein Buch einer Autorin, eines Autors aus Afrika, Asien oder Lateinamerika. Diesmal den Kriminalroman "Der stumme Zeuge" von Edney Silvestre (Limes Verlag).

© Limes Verlag

"Wir haben deinen Sohn". Es geschieht gleich im ersten Kapitel, ein vermeintlich klassischer Entführungsfall. Der Inhaber einer Werbeagentur, die für die Kampagnen der einflussreichsten Politiker Brasiliens zuständig ist, Olavo Bettencourt, soll damit erpresst werden. Er hat alles, Geld und Macht, eine schöne Frau − und zu viel Dreck am Stecken. Seine Frau, ein ehemaliges Callgirl, ein ungebildetes Geschöpf, ekelt sich eigentlich vor ihm, doch das Luxusleben hat sie korrumpiert. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Entführung um eine folgenschwere Verwechslung handelt, ist sie menschlich gefordert − und handelt.

Der Autor beschreibt in kurzen, fast filmisch aufbereiteten Sequenzen den durch und durch korrupten gesellschaftlichen Sumpf im Brasilien der 1980er Jahre. Und lässt uns ein bisschen besser verstehen, warum dieses einst hoffnungsvolle Schwellenland heute wieder tief in der Krise ist. Wie jetzt nach Olympia wieder allzu deutlich wird. Wer immer noch glaubt, dass da wo Kriminalroman draufsteht, keine gute Literatur drin sein kann, der sollte dieses Buch lesen und sich eines Besseren belehren lassen. Große Kunst auf knappen 224 Seiten.

Bibliografie:

Edney Silvestre: "Der stumme Zeuge"
Kriminalroman
Aus dem Portugiesischen übersetzt von Kirsten Brandt
Limes Verlag 2016
224 S., geb., 19,99 Euro

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