Lübbe und Amazon verschenken Dan Brown

Ein Pro und Contra: Klaus Kluge vs. Michael Riethmüller

Vom 8. Januar bis zum 14. Januar verschenken Bastei Lübbe und Amazon das E-Book von Dan Browns Bestseller "Illuminati". Ist das eine Segen oder ein Fluch für den stationären Buchhandel? Ein Pro und Contra von Klaus Kluge, Vorstand von Bastei Lübbe, und Michael Riethmüller, Buchhandlung RavensBuch.

Klaus Kluge

Klaus Kluge © Bastei Lübbe

Klaus Kluge, Vorstand der Bastei Lübbe AG:

"Die inkriminierte Amazon-Aktion reiht sich ein in vergleichbare Aktionen, die unser Haus in den zurückliegenden Wochen auch mit anderen Handelspartnern, etwa der tolino-Allianz, gemacht hat. Und die wesentlicher Bestandteil des Digitalen Marketing ist. Fünf Ziele verfolgen wir mit solchen zeitlich stets eng begrenzten Aktionen:

1. Neue Leser: Wir wollen den Kreis der Leser erweitern, neue Leser an altbewährte Stoffe heranführen. 

2. Aktivierung der Backlist: Hohe Sichtbarkeit – in diesem Fall auf der Startseite von Amazon – führt zu hoher Nachfrage. Flächendeckend und kanalübergreifend, digital wie stationär.

3. Autorenpflege: Es ist unsere Pflicht den Autoren gegenüber, sie bestmöglich am Markt zu platzieren. Und es ist unsere Aufgabe als Unternehmer, die gerade bei Top-Autoren substanziellen Vorschüsse so weit als möglich einzuspielen. 

4. Rentabilität: Die den Marktgegebenheiten geschuldete Realität, dass der Handel immer schneller remittiert, um teure Ladenflächen rentabel zu halten, fordert vom Verlag ein kreatives "Durchdeklinieren" vorhandener Stoffrechte, will man Autor und Werk nicht verlieren. Die anstehende Änderung des Urherbergesetzes wird uns zwingen, hier noch aktiver zu werden.

5. Gesunder Wettbewerb – am Ende entscheidet der Kunde: Die Chance auf gemeinsames Wachstum in einem stagnierenden Markt kann unseres Erachtens nur im Miteinander aller Handelspartner funktioniert. Mit jeweils individuellen Vermarktungskonzepten, die idealerweise aufeinander einzahlen. Und mit Blick auf die Bedürfnisse des Lesers. Unsere Aufgabe sehen wir darin, für die bestmögliche Sichtbarkeit des Buches und seines Urhebers Sorge zu tragen. Wo der Kauf stattfindet, wo sich der Kunde am besten aufgehoben fühlt, entscheidet allein er. 

Persönliche Anmerkung: "Illuminati" erschien 2003. Es liegt mittlerweile in der 48. Auflage vor mit rund 3,4 Millionen verkauften Exemplaren. Wer jetzt dank der Amazon-Werbung den Erstzugriff wagt, dürfte ein klassischer Neukunde sein, niemand also, der dem Buchhandel verloren ginge. Sehen wir es als Chance, solche Erstleser für das Buch zu begeistern. Zum Nutzen aller."

Michael Riethmüller

Michael Riethmüller © Claus Setzer

Michael Riethmüller, RavensBuch (Ravensburg):

"Bastei Lübbe hat einfach nichts verstanden – weder, vor welcher Konkurrenz das stationäre Sortiment aktuell steht und welche Sorgen die Buchhändler umtreiben, noch, wie weitreichend die Folgen dieser Aktion für die gesamte Buchbranche sind. Wer mit Amazon eine Woche lang Dan Browns Bestseller "Illuminati" verschenkt, fördert die Attraktivität von Amazon und bindet über die heruntergeladene App neue Nutzer. Schließlich zahlt der Käufer mit seinen Daten. Ein Geschäft, das Folgen hat und weitere E-Book-Käufe nach sich ziehen soll. Das geht gar nicht! Mit einer solchen Aktion brüskiert Bastei Lübbe den Sortimentsbuchhandel.

Dass Amazon für viele Verlage der wichtigste Kunde ist, damit können wir Buchhändler umgehen, wir agieren ja nicht im Wünschdirwas. Auch dass Verlage mit Filialisten wie Hugendubel Sonderaktionen machen, ist in Ordnung, das ist Bestandteil des normalen Wettbewerbs. Herr Kluge müsste doch inzwischen wissen, dass die Strategie von Amazon darauf abzielt, Verlage und Buchhandlungen überflüssig zu machen. Liest man bei Bastei Lübbe keine Zeitungen? Nachhaltiges Denken und Handeln sieht jedenfalls anders aus!

Unsere zwei Buchhandlungen ziehen daraus Konsequenzen: Wir haben am Montag den Vertreterbesuch abgesagt und sämtliche Vormerkungen der Lübbe-Gruppe storniert, es wird keine Novitätenaufträge geben. Auch Backlist-Bestellungen werden wir nicht mehr tätigen, an "Lübbe go" werden wir uns nicht mehr beteiligen. Die Titel der Verlagsgruppe bis hin zu "Greg" sind in unseren Läden in die Regale gewandert und werden nicht mehr präsentiert. Die wenigen wirklich wichtigen Titel der Verlagsgruppe werden wir künftig beim Barsortiment ordern. Solange sich Bastei Lübbe nicht bewegt, werden wir die Umsätze durch Bücher anderer Verlage ersetzen – das geht gut."

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13 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Besorgter Leser

    Besorgter Leser

    Auf der einen Seite eine schlüssige Erklärung eines Verlagsvertreters, die von A-Z nachvollziehbar ist, auf der anderen Seite ein Buchhändler der es sich leisten kann, Bastei-Lübbe nicht mehr zu führen, weil er den Umsatz anders kompensieren kann. Wenn das also mit Bastei-Lübbe so einfach möglich ist, warum dann so einen Sturm im Wasserglas? Oder will jemand den Begriff "Beissreflex" mit praktischen Beispielen erklären?

  • Holger Zanker

    Holger Zanker

    Wir schließen uns den Ausführungen Herrn Riethmüllers in vollem Unfang an.
    Auch wir werden den Vertreterbesuch absagen und bis auf Weiteres beim
    Barsortiment bestellen.
    Gabi und Holger Zanker
    Buchhandlung Zanker

  • Matthias Lätzsch

    Matthias Lätzsch

    Ich habe die Illuminati Aktion mitbekommen aber mir keine Gedanken um die Folgen gemacht (gibt es jemanden der Illuminati noch nicht hat). Nun verfolge ich die Diskussion sehr interessiert.

    Ich muss zugegeben, das ich beide Seiten verstehe.

    Ohne Kenntnis der Aktionstragweite habe ich die Lübbe TB Vorschau bearbeitet und war begeistert von den POS Aktionen des Verlags.
    -Verlags MA zu Gast bei Buchhändlern
    -Schaufensteraktionen
    -haptische Aufwertung der Bücher

    Hier wird richtig Geld in die Hand genommen um den lokalen Handel zu stärken. Das ist natürlich keine carte blanche und ganz klassisches Marketing, aber ich sehe es auch als ein Zeichen der Wertschätzung.

    Ich wünsche mir das diese Diskussion weiter sachlich geführt wird und für beide Parteien zu einem Konsens und keiner Konfrontation führt, denn dafür ist unsere Branche zu klein und letztendlich jeder auf den anderen angewiesen.

  • Manfred Keiper

    Manfred Keiper

    Es ist natürlich bedauerlich, dass man als "Unabhängiger" mit Boykott säbelrasseln muss, um von den Verlagen etwas ernster genommen zu werden. So sieht leider auch die Realität auf dem Buchmarkt aus. Bei mir spielt Bastei Lübbe nur eine sehr untergeordnete Rolle, um mit Boykott Wirkung zuerreichen. Ich wünsche mir auch eher, dass Argumente ausgetauscht und in Entscheidungen aufgenommen werden - da bin ich hoffnungsloser Optimist. Klaus Kluge sei deshalb von mir auf den Weg gegeben, dass Aktionen mit Tolino nicht mit Aktionen mit Amazon gleichgesetzt werden können, denn der Kindle ist ein proprietäres System. Zum zweiten finde ich grundsätzlich solche Verschenkaktionen fragwürdig. Zum Glück führen Downloads - insbesondere kostenlose - nicht gleich zum Lesen, die Downloader bunkern das. Die Gefahr bleibt, dass den KundInnen die kostbare Lesezeit mit Umsonstramsch geraubt wird

  • Susanne Martin

    Susanne Martin

    Bedauerlich ist, daß nun wieder einmal reflexhaftes Sortimentsjammern über amazon in einen Topf geworfen wird mit der Reaktion auf das Verhalten eines Verlages, der einerseits den lokalen Handel durch eine Fördermitgliedschaft unterstützt, andererseits über amazon E-Books verschenkt und dadurch ein Stück Glaubwürdigkeit verliert. Nachdem offenbar Gespräche darüber stattgefunden haben, bevor die Fördermitgliedschaft gekündigt wurde, sollte man dieses Signal ernst nehmen.
    Wie man sich gegenüber Lübbe als einzelne Buchhandlung verhält, muss jede/r für sich entscheiden. Ich werde jedenfalls Lübbe nicht aus dem Sortiment kegeln, aber meinen Einkauf reduzieren. Nicht weil das Lübbe irgendwie kratzen würde, sondern weil ich weiß, daß die Vertreterinnen und Vertreter über ihre Besuche im Buchhandel an den Verlag Bericht erstatten, viele solcher Berichte aus dem stationären Buchhandel werden vielleicht einen kleinen Impuls in die Hirne der Verlagsleitung pusten.
    Lübbe ist ein Verlag, der sich besonders engagiert im digitalen Bereich. Das finde ich wichtig für einen Verlag. Aber es wäre schön wenn Lübbe, so wie überhaupt die gesamte Verlagswelt, ein wenig mehr Fantasie und Hirnschmalz in Überlegungen stecken würden, wie das Sortiment sinnvoll in digitale Vertriebsmodelle eingebunden werden könnten. Denn irgendwie ist es halt doch so, daß Verlage wie Lübbe die Buchhandlungen als Showrooms brauchen, in denen sich die Leserinnen und Leser Inspiration und Ideen holen können. Daß wir, die wir diese Räume bieten wiederum keine Lust darauf haben, sie zu betreiben und zu finanzieren, damit sich die Leute dann die E-Books bei amazon holen, das ist sicher irgendwie nachvollziehbar.
    Anstatt sich also so etwas wirklich phantasieloses wie das Verschenken eines alten Hutes via amazon auszudenken, hätte ich es gut gefunden, wenn sich Lübbe mal mit den Buylocalmacherinnen und -machern zusammen gesetzt hätte und sich eine gute Digitalaktion ausgedacht hätte. Ebenso schön hätte ich es übrigens gefunden, wenn buy local genau das eingefordert hätte.

  • Dieter Bührnheim

    Dieter Bührnheim

    Mich persönlich geht diese Diskussion nur marginal an. Aber auch ich sehe und spüre die Allmacht von Amazon. Als Buchhändler aber hauptsächlich Antiquar hat Amazon schon seit Jahren abbebooks.de auf dem Markt und im vergangenen Jahr sich auch noch ZVAB einverleibt. Was man da erlebt, ist einfach "genial". Rechnungen für Leistungen zu schreiben ist bei Abebooks nicht normal, man bucht einfach den Betrag ab, der Händler so sehen, wie er damit klarkommt. Wie deutsche Finanzämter das mitmachen, ist mir spanisch. Bei uns Allen sind diese doch mehr als kleinlich!! Armer Buchhandel, armes Antiquariat!! Amazon schluckt noch Alle!! Leider!!

  • Lars Müller

    Lars Müller

    Bücher die der stationäre Buchhandel nicht im Regal hat werden dann eben im Internet gekauft und bei wem wohl? Richtig, bei Amazon! Und später wird man für andere Literatur auch nicht mehr den Buchhändler bemühen, denn "bestellen" kann der Kunde bereits jetzt schon, mit einem Mausklick.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Lieber Klaus Kluge,

    da wir uns persönlich kennen, darf ich mich direkt an Sie wenden. Sie wissen, ich schätze Ihr Engagement für den Buchhandel sehr, und wenn man je Teilnehmer einer Ihrer Veranstaltungen in Köln war, weiß man, daß Sie gerne und mit Lust am Büchermachen den Erlös von gutgängigen Titeln nutzen um Titel machen zu können, die Ihnen wichtig sind, die die Buchkultur bereichern und die Vielfalt unterstützen, auch wenn sie deutlich weniger zum ökonomischen Erfolg beitragen können, als Ihnen wohl lieb wäre.

    Dies gesagt, können wir uns sicher darauf einigen, daß all das nur unter dem Schutzschirm der Preisbindung möglich ist, und Sie wissen, die eBuch kämpft engagiert gegen jedes Ausfransen der Grundsätze der Preisbindung - zum Glück auch mit Erfolg.

    Neulich gab es eine Aktion mit vorgeblichen GRATIS-ebooks beim Kauf eines Tolinos. Vorgeblich, weil sich im Kleingedruckten dann herausstellte, daß es den Tolino mit 20.- Euro Rabatt gab, die auf der Rechnung dann zum Kauf einer Gutscheinkarte ausgewiesen wurden. Sehr ausgefinkelt und preisbindungstechnisch sehr schwer angreifbar, aber völlig klar gegen den Geist der Preisbindung.

    Ihre Aktion allerdings - wir lassen das gerade prüfen - ist m.E. unbedingt ein Verstoß gegen die Preisbindung resp. den Geist derselben. Ja, ich weiß, bislang hat der Börsenverein immer argumentiert, das Verschenken von preisgebundenen Büchern sei erlaubt. Rabatt nein, aber verschenken ja. In einem früheren Fall haben die Anwälte um unseren Preisbindungstreuhänder, RA Ehrlinger, Berlin, schon mal ganz anders argumentiert und ich kann mich der Logik des Arguments schlecht entziehen: Rabatt von 5%? Ist klar verboten. 10%? Natürlich auch. 99%? Unbedingt, oder? Aber 100% soll plötzlich erlaubt sein? Das ist unlogisch - oder welche Logik sehen Sie darin? Denn natürlich dient diese Preisreduktion um 100% nur der Werbung - und genau das will ja das BuchPRG verhindern, der Preis soll nicht für werbewirksame Aktionen genutzt werden dürfen, nicht beim Kleinen, bei dem schon ein Kugelschreiber als Zugabe der Guten zuviel sein kann, der ja nicht mal den kaufmännisch durchaus üblichen Barzahlungsrabatt von 3% aushändigen darf, und erst recht nicht beim Großen, der sich sowas viel leichter würde leisten können.

    amazon-bashing mal völlig beseite gelassen, denn vielleicht hätten Sie ja eine solche Aktion auch mit unserer Online-Plattform unabhängiger Buchhändler, genialokal.de, verabreden wollen oder können.
    Aber wenn Sie mich gefragt hätte, ich hätte NEIN gesagt. Warum? Jede Aktion, die am ohnehin nur marginal vorhandenen Bewußt sein kratzt, daß man Bücher auch nebenan kaufen kann, weil sie nirgendwo billiger oder teurer sind, ist ein Tritt in die Kniekehle der Preisbindung. JEDE!

    Ob da nun ein EDEKA mit "Sonderposten" wirbt, obwohl es sich um völlig reguläre presigebundene 4,99-Titel handelt, oder ein Regionalfilialist einen schon vor mehr als einem halben Jahr offiziell gesenkten Preis mit "Jetzt nur" bewirbt, die eBuch geht gegen alle diese Fälle vor (mit Erfolg, OLG-Urteile bestätigen uns und werden die Verfolgung solcher Fälle in Zukunft erheblich erleichtern), denn genau *so* erodiert das ohenhin schwache Bewußtsein für die Preisbindung - und das kann einem Mann wie Ihnen, der die Vorteile der Preisbindung zu guter, kulturschaffender Arbeit nutzt, wirklich nicht recht sein.

    Neulich hatten die Sparkassen die Idee, den (kostenlosen) Ewerb der neuen Sparkassen-Kreditkarte mit einem 30.-Euro Gutschein von buecher.de zu belohnen. Es fehlte der Hinweis, daß das für maximal 5% der Ware gelten konnte, die buecher.de anbietet, die preisfreie Ware nämlich - irreführende Werbung par excelence und erfolgreich von der eBuch gestoppt. Fragen Sie nicht, was das an Mühe, Arbeit und Geld gekostet hat. Aber eine stabile Preisbindung ist es uns wert. Und da darf auch das Verschenken von preisgebundenen Büchern zu Werbezwecken nicht erlaubt sein.

    Die Reaktion von buy local resp. Herrn Rietmüller kann ich verstehen, aber ich halte plausible und klare Argumente für hilfreicher als Auslistungen - und ich habe meine Zweifel, daß man Lübbe adäquat ersetzen kann. Warum? Weil das für jeden Verlag gilt, der individuelle Literatur "herstellt". "Ersetzen" kann man vielleicht austauschbare Titel, die nicht als Literatur im weitesten Sinne gelten können, wie z.B. Wörterbücher und Lexika - alles andere ist niemals austauschbar. Wer früher mal die Krimis von Sjöwall/Wahlöö um Kommissar Beck gelesen hat, wird mit Mankells Wallander nicht zufrieden sein - und hier handelt es sich gerade mal um das Stiefkind der guten Literatur, den Krimi.

    Sind historische Romane, wie die von Dan Brown, austauschbar gegen andere Titel anderer Autoren dieses Genres? Kann man einen Autor wie Eschbach "ersetzen"? Wenn ich meine jüngere Tochter frage, die nach den beiden Jesus-Video-Bänden sich jetzt durch den "Eine Billion-Dollar"-Folianten kämpft - ein klares Nein. Und ich bin froh, daß sie das liest, denn besser, als Eschbach hier die mitunter fatale Wirkung von Zinsen- und Bankgeschäften ganz en-passant und auch für Teenager nachvollziehbar erklärt, und das auch noch enorm unterhaltsam, besser geht es wohl nicht.

    Sie sehen, es geht mir um Grundsätzliches: Das "machen" von Literatur muss geschützt sein und bleiben und Bücher dürfen nicht zum Spielball liberalkapitalistischer Marktgepflogenheiten werden, wo es sich eingebürgert hat, auch jahrelang unter Null zu wirtschaften, wenn man damit nur den Konkurrenten aus dem Markt drängen kann. Denn das verursacht den Einheitsbrei, denn wir heute schon im Produktangebot und den ganzen Kettenläden im Food- und Nonfood-Bereich haben.

    Bücher aber sind gelebte Vielfalt. Wir haben ausgezählt: in unseren eBuch-Buchhandlungen standen im Dezember genau 313.817 verschiedene Titel im Regal. Das ist gelebte Vielfalt, das ist, was das BuchPRG schützen will und soll. Bitte treten Sie diesem hohen Gut, der Preisbindung, nicht in die Kniekehle.

    LG Lorenz Borsche

  • Jochen Hoff

    Jochen Hoff

    Es tut mir leid, aber hier wird die völlig falsche Diskussion geführt. Die gemeinsamen Interessen von Verlagen und Buchhändlern sind so begrenzt, dass die Katze sie auf dem Schwanz wegtragen kann. Den Verlag interessiert möglichst viele Bücher egal ob Print oder Ebook mit möglichst geringen Kosten und Nachlässen zu verkaufen. Wer das wo und wann macht ist dem Verlag zunächst egal.

    Der stationäre Buchhandel ist in den Zeiten des Internets in einem ständigen Rückzuggefecht, weil er seine Stärken, nämlich die lokale Leser- und Käuferbindung nicht pflegt und kaum Rücksicht auf die Interessen seiner Kunden (Ausnahmen bestätigen die Regel) nimmt. Tatsächlich liegt seine einzige Überlebenschance darin, seine Leser und neue Leser an Autoren und Themen heranzuführen.

    Amazon hat es richtig gemacht. Es kann individuelle Leserinteressen nur stark automatisiert berücksichtigen, was immer wieder zu grotesken Vorschlägen führt, die am Ende eher abschrecken als den Kunden zum Kauf zu animieren. Aber Amazon ist ja nicht nur Handel und Vertrieb sondern hat eine Infrastruktur für Autoren geschaffen, wo diese ihre Bücher sowohl in Print als auch als Ebook einfach vorbereiten und ohne Verlag veröffentlichen können.

    Als ich nach dem Studium mein erstes Buch schrieb, einen Krimi, der mittlerweile ein Teil einer Reihe geworden ist, habe ich gar nicht erst einen Verlag gesucht. Wozu auch. Ich und meine Mitautorin gestalten das Buch selbst und veröffentlichen es auf Amazon. Das gedruckte Buch ist nur über Amazon erhältlich, weil nur die dort diesen Service praktikabel, wenn auch zu teuer anbieten. Das Ebook ist auch überall woanders im Handel zu haben.

    Das gleiche gilt auch für Band 2 und wird in wenigen Wochen für ein politisches Sachbuch und ein unsachliches Sachbuch zur Gentechnik gelten und genaus für die nächsten Bände der Krimireihe. Natürlich sind die Verkaufserfolge bescheiden und immer dann gut, wenn man vor Ort eine Lesung macht. Am besten in einer Buchhandlung.

    Ich werde wohl nie einen Bestseller schreiben, aber das ist auch nicht die Motivation. Autoren schreiben, weil sie schreiben müssen, nicht wegen des Erfolges. Aber ich werde auch im Buchhandel nie vorkommen, weil der Buchhandel der verlängerte Arm der Verlage ist.

    Amazon und andere werden auf Dauer die Verlage fressen. Auch die wissenschaftlichen Verlage weil niemand mehr bereit ist auf Knien zu betteln, sondern einfach veröffentlicht. Ist die Qualität der Bücher schlechter? Ich glaube nicht. Meine Lektorin kennt meine Mängel auswendig und wenn sie mich nicht lektoriert dann arbeitet sie für namhafte Verlage. Die Gestaltung unterstützt eine freie Gestalterin die aber auch für Verlage arbeitet.

    Ich kann den Buchhändlern nur raten, sich neben der einfachen Auslieferung von Verlagsprodukten auch an den freien Autoren zuzuwenden. Da gibt es alleine in Deutschland ein paar Tausend die deutlich besser sind als ich, ja teilweise schon ein großes Publikum haben und sicherlich gerne mit dem stationären Buchhandel zusammenarbeiten würden.

    Die organisieren zusammen mit anderen Autoren Lesereisen zu denen sie teilweise selbst schon ihr Publikum mit in den Buchhandel bringen Das einzige was dem Buchhandel fehlt ist ein Werkzeug um das gedruckte Buch herstellen zu lassen. Die Technik ist da. Die Mittel hat der Buchhandel auch noch und wie man eine Genossenschaft gründet, muss wohl keinem Buchhändler erklärt werden.

    Auch die Wartezeit auf ein Buch ist kein Problem. Der Kunde wartet bei Amazon doch auch und bei Bestellungen im Buchhandel ebenfalls. Wenn die Buchhändler ihre Sortimente wieder mehr selbst bestellen kann Amazon sie nicht schlagen. Ach ja. Ebooks zu verschenken haben auch freie Autoren. Das ist ein Mausklick und die beste Propaganda sind doch zufriedene Leser.

    Bastei-Lübbe wird da kaum Neukunden gewinnen. Die meisten - wie ich haben das Buch bereits in gedruckter Form und packen es für unterwegs nur aufs Handy oder Tablett. Amazon verfolgt nur den Bedarf des Lesers den dieser selbst durch seine Anfragen aufgezeigt hat. Amazon kann nur auf ausgetretenen Pfaden agieren wie Google auch. Die bieten mir immer noch Produkte an, die ich bereits vor Monaten gekauft habe. Der menschliche Buchhändler mit einer guten Computertechnik, der sich wieder um Kundenadressen kümmert ist solch einem System noch auf Jahrzehnte hin weit überlegen.

    (Entschuldigung für die vielen Fehler, aber ich bin eigentlich nicht mehr gut genug mit den Augen um auf dem Tablett zu schreiben und meine Lektorin ist leider nicht verfügbar.)

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Wenn man die Verantwortung des Verlages gegenüber seinem Autor zurbestmöglichen Verbreitung des Buches ernst nimmt, dann ist die Argumentation von Herrn Kluge schlüssig.
    Wenn wir Verlage uns dagegen fragen, wie wir uns eine optimale Absatzorganisation für Bücher in der Zukunft vorstellen, dann kann die Entscheidung auch anders aussehen. Ein nachhaltiger Buchmarkt, wie er mir vorschwebt und wie ihn der Gesetzgeber beim Preisbindungsgesetz vor Augen hatte, der steht zumindest im Gegensatz zu den Visionen, die Herrn Bezos bewegen. Also gibt es einen Zielkonflikt auf lange Sicht. Wird es, wenn Bezos seine Vision umgesetzt haben sollte, noch genau so viele Verlage, Neuerscheinungen, Buchkäufer und Buchkäufe geben, wie in einer Zukunft mit einem breiten, vielfältigen und vitalen Sortimentsbuchhandel? Und hat der Verlag dann vielleicht gegenüber seinen heutigen und zukünftigen Autoren aus seiner Verpflichtung zur Maximierung der Verbreitung der Werke die Verpflichtung, zum Erhalt und zur Verbesserung der Sortimentsstruktur beizutragen? Dann gibt es auch gegenüber heutigen Autoren schlüssige Argumente auf bestimmte Umsatzanteile zu verzichten, um langfristig Umsätze zu erhalten. Letztlich haben es die Verleger in der Hand, wie groß Amazon wird.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Eigentlich ist diese Geschichte doch ganz einfach: Ein Verlag sucht sich die Handelspartner, die er haben möchte - Die Buchhandlung sucht sich die Handelspartner, die sie haben möchte.
    Unternehmensstrategisch ist Lübbes Aktion ebenso nachvollziehbar wie die konsequente buy-local-Antwort.
    Die eierlegende Wollmilchsau (so wie Lübbe sie sieht), die gibt es eben nicht - da darf ein jeder (Verlag oder Sortiment) frei entscheiden, auf welches Pferd er setzt und seine Handelsbeziehungen überdenken.
    Ich denke, dass Lübbe trotz aller Schwurbelei in Richtung Sortiment recht klar ist, in welche generelle Richtung das dortige Pferd laufen soll...


    Noch Fragen? Austauschbare Produkte und Programme sind ersetzbar

  • Sabine

    Sabine

    Es ist sicherlich nicht einfach und leicht für den Buchhändler, wenn man sich gegenüber Onlineshops allgemein und Amazon insbesondere behaupten muss.

    Allerdings sollte man auch mal aus der „Amazon ist ja so böse“-Starre aufwachen und nicht immer nur gleich reflexartig reagieren. Das bringt nicht nur wenig, sondern ist i.d.R. auch nicht wirklich durchdacht, wie man auch an der Aussage von Herrn Riethmüller sehen kann.

    Was passiert wohl, Herr Riethmüller, wenn die Kunden das Lübbe-Buch X _NICHT_ im Laden bekommen? Da sieht doch Nachhaltiges Denken und Handeln anders aus! Das ist der Kunde, den man an Amazon verloren hat. Das ist der Kunde, der bis zu dem Zeitpunkt überhaupt noch in den Buchladen gekommen ist. Das ist der Kunde, dem eindrucksvoll vor Augen geführt wurde, warum der lokale Handel überflüssig ist / wird.

    Das ist das sehr viel bedeutendere Geschäft mit Folgen. Einer Folge, die der Buchhandel auch 2016 noch nicht verstanden hat. Wie sehr der Handel in einer Wünschdirwas-Welt lebt sieht man auch sehr eindrucksvoll, wenn andere / ähnliche Aktionen als OK bzw. normaler Wettbewerb gesehen werden und bei Amazon holt man dann Forke & Heugabel raus.

    Insgesamt wäre die Energie wohl doch besser da investiert, wo es einen Vorteil für den Buchkäufer im Laden hat und nicht, wo man mit den typischen Gejammer und Reflexreaktionen die Leute noch mehr zu Onlinehändlern bzw. Amazon schickt. Da sägt der kurzsichtige Händler doch nur am eigenen Ast und wundert sich dann, warum es bergab geht.

  • Besorgter Leser

    Besorgter Leser

    Das Auslisten, also der Liebesentzug, auch auf Zeit ist die schärfste Waffe im Arsenal eines Einkäufers. Der Einsatz will wohl überlegt sein, er hinterlässt auch im Fall einer Lösung der Situation verbrannte Erde.

    Ob das bei einem 12 (oder 13?) Jahre alten Buch, das temporär als eBook verschenkt wird gerechtfertigt ist, wage ich zu bezweifeln. Die Aussage "Wir brauchen euch nicht, wir kompensieren den Umsatz mit anderen Verlagen" ist arg zweifelhaft und wird wohl eher belächelt werden, also Angstschweiß zu erzeugen.

    Den Effekt, den @Sabine beschrieben hat, wird man nachhaltig nur sehr schwer wieder gerade biegen können, Kunden verlieren geht ganz schnell, sie wieder zu bekommen, dauert 10x länger.

    So sehr ich auch verstehe, daß eine Reaktion folgen musste, so sehr verstehe ich die Art und Weise überhaupt nicht. Das sieht eher nach Kurzschluß, über Ziel hinaus geschossen, kurzsichtig und Knieschuß aus.

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