Neue Denkweisen fürs Management

Iss! Deinen! Spinat!

Ideologisch vernarrt, altmodisch, naiv, dumm – der Unternehmens-Coach Kurt Steffenhagen hat nicht viel übrig für Chefs, die stur an gesetzten Zielen festhalten, obwohl alle äußeren Umstände dagegen sprechen.   MARCUS SCHUSTER

Eierkochen ist ein ziemlich banaler Vorgang – und erfordert gleichzeitig so viel Fingerspitzengefühl, dass er nicht erst seit Loriot immer wieder als Gleichung herhalten muss für das große Ganze im Leben. Der Unternehmens-Coach und Autor Kurt Steffenhagen hat sich regelrecht verliebt in dieses Bild, sodass es sich wie ein roter Faden durch sein Buch zieht und sogar im Titel Platz findet.

In "Management by farce. Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen" (BusinessVillage, 280 S., 19,95 Euro) rechnet Steffenhagen mit Managern ab, die ihre Unternehmen nach dem althergebrachten Ursache-Wirkung-Prinzip führen, wonach man nur das Richtige tun muss und die Dinge werden sich schon fügen. Wie beim Eierkochen. Diese Art zu denken sei spätestens in den 1950er Jahren – im Zeitalter der Mechanik – stecken geblieben, die Manager müssten sie endlich aus ihren Köpfen bekommen. "Alles Gerede vom Change, alle Management-Methoden werden nicht fruchten, wenn wir nicht zu einem neuen Denken finden."

Leider bleibt Kurt Steffenhagen oft im Ungefähren, was genau diese neue Denke seiner Ansicht nach ausmacht und was sich konkret in den Chefetagen ändern müsste. "Paradigmen" beziehungsweise "Paradigmenwechsel" rangieren bei den im Buch am meisten genutzten Begriffen direkt hinter dem Eierkochen, ohne dass der Autor sie mit Leben füllt. Auch bei seinen acht Kernthesen, die er gleich zu Beginn formuliert, wenn der Leser selbst noch lange nicht in seine Denke hineingefunden hat, wird es schwierig: "Die Psychologie ist wie eine wehrlose Prostituierte, missbraucht von sogenannten Experten", lautet eine. Aha.

Statt konkrete Beispiele aus seiner Beratertätigkeit zu wählen, liefert er zwar viele griffige, aber im Sinne eines Transfers auf die Arbeitswelt oft unzureichende Anekdoten – wie jene aus seiner Kindheit, als er gezwungen wurde, gegen alle eigenen Vorbehalte Spinat zu essen, allein aufgrund "der fast ideologischen Vernarrtheit" seiner Eltern "in das Richtige". 

Da ist der Brückenschlag zum Taylorismus nicht weit. Zumindest für Kurt Steffenhagen. Ähnlich würden heute noch immer Führungskräfte nach dem Prinzip "Wir da oben, ihr da unten" verfahren und auf Teufel komm raus Zielen hinterherjagen, die sie selbst – oder die Shareholder – fixiert haben. Das viel zitierte "Management by Objective" mache aus Mitarbeitern Figuren auf einem Schachbrett, beklagt Steffenhagen. MbO, "das grundlegende Werkzeug des naiven Managements, ist tot. Aber niemand traut sich, von dem Pferd abzusteigen."

Im Verlauf des Buchs erfährt man dann doch noch Konkretes. Der Autor empfiehlt, "Living Goals" einzusetzen, bewegliche Ziele mit kürzeren und wandelbaren Laufzeiten. Außerdem sollte die Trennung zwischen Denkern und Machern im Unternehmen – wie sie der Taylorismus vorgibt – aufgelöst werden. Die Macher – die Arbeiter vor Ort – können nämlich denken. "Dies in der Praxis umzusetzen, sollte keine geistige Steilkurve mit der Gefahr des intellektuellen Motorausfalls sein."

Mehr zu Buch und Autor: www.kurt-steffenhagen.de

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