Neue Ratgeber zum Umgang mit Hunden

Hundeleben

Wer sich einen Hund ins Haus holt, muss wissen, dass er damit sein Leben verändert – von einem Tag auf den anderen. Diese Bücher erleichtern das Zusammenleben. CHRISTOPH SCHRöDER

© sir oliver / fotolia

Ein Hund braucht Zuneigung und Pflege, Erziehung und Auslauf. Nicht zuletzt kostet er auch Geld. Vor allem aber hat jeder Hund seinen eigenen Charakter, seine Eigenheiten, Schwächen und Stärken. Es ist also keine Übertreibung, wenn Jana Rätke und Barbara Perfahl ihr neues Ratgeberbuch mit dem Titel "Abenteuer Welpe" (Kynos, April, 200 S., 19,95 Euro) versehen haben. Es ist ein praxisnahes Buch, vor allem deswegen, weil am Anfang die Erwartungen von Hundebesitzern an ein Leben mit dem Tier formuliert werden, die nicht selten erst mit der Realität abgeglichen werden müssen: Nicht jeder Hund funktioniert, und schon gar nicht so, wie es in den Erziehungsbüchern steht. Das kann Folgen haben für den Alltag, aber beispielsweise auch für die Partnerschaft oder den Freundeskreis. Trotzdem machen Rätke und Perfahl auch Mut, denn jeder Hundefreund weiß: Die harte Zeit hat ein Ende. Und danach werden Herrchen und Frauchen reichlich entlohnt.

Bereits einen Schritt früher setzen Kristina Ziemer-Falke und Jörg Ziemer mit "Welpen Basics" an (GU, 144 S., 16,99 Euro): In einer kleinen Charakterstudie geben sie den Lesern zunächst einmal einen Leitfaden dafür an die Hand, welche Hunderasse eigentlich für welchen Charakter und Anspruch geeignet ist, um anschließend systematisch und Schritt für Schritt das sich aufbauende Verhältnis zwischen Mensch und Tier nachzuvollziehen.

Zu einem vernünftigen Miteinander gehört die richtige Erziehung. "So einfach geht Hundeerziehung" verspricht die versierte Hundetrainerin Katharina Schlegl-Kofler in ihrem neuen Buch (GU, 168 S., 17,99 Euro), das ebenfalls nah an der täglichen Praxis entlanggeschrieben ist. Nach einer kurzen Einführung, in der die Autorin die unterschiedlichen Kommunikations­ebenen von Mensch und Hund erklärt, gibt es hier ganz konkrete Anleitungen zur Übung der wichtigsten Bausteine, also Sitz und Platz, Spaziergang an der Leine, allein in der Wohnung bleiben oder auch Anti-Aggressionsverhalten. Anhand von Schlegl-Koflers Buch lässt sich ein konkreter Trainingsplan erstellen, mit dessen Hilfe Schritt für Schritt vorgegangen werden kann.

Falls das einmal nicht so gelingen sollte, wie es im Lehrbuch steht (und jeder Hundebesitzer weiß: Das wird geschehen), dann sei Gerd Ludwigs und Monika Weglers aufschlussreiche Wesenskunde ­empfohlen ("Hunde verstehen lernen", GU, 144 S., 16,99 Euro). Der Zoologe Ludwig, ebenfalls bereits Autor mehrerer Hundefachbücher, löst eventuelle Irritationen und Miss­verständnisse in Bezug auf das Verhalten von Hunden auf, indem er gut verständliche wissenschaftliche Erklärungen liefert und ­Lösungen anbietet. So geht es hier beispielsweise um den fundamentalen Unterschied zwischen "Nasentier" Hund und dem eher auf das Sehen fixierten Menschen. Aus der Historie des Hundes als Rudeltier entwickelt Ludwig kluge Tipps, wie Hundehalter eine feste und zuverlässige Partnerschaft zu ihrem Haustier aufbauen können.

Teamgeist ist das Stichwort, das Mariella Blümel in ihrem Buch in den Vordergrund stellt ("Beste Freunde", April, Kosmos, 208 S., 24,99 Euro). Blümel verzichtet ganz bewusst auf praktische Trainingsanleitungen, und wirbt stattdessen anhand zahlreicher Beispiele dafür, die Interessen und Bedürfnisse des Hundes zu erkennen und den eigenen Bedürfnissen als Hunde­besitzer gegenüberzustellen. Der Hund will jagen. Der Mensch will das verhindern. Der Hund will sich fortpflanzen, was nicht unbedingt im Interesse seines Menschen ist. Blümel zielt auf Verständnis und Einfühlungsvermögen – mit dem Ergebnis, dass das naturgemäß autoritäre Verhältnis nicht zur Einbahnstraße wird.

Und wenn es einmal schiefgeht? Wenn der drollige Vierbeiner aus dem Ruder zu laufen droht? Die Tierpsychologin Christine Holst analysiert in "Warum tut der Hund, was er tut?" (Verlag Eugen Ulmer, 192 S., 29,90 Euro) problematisches Verhalten bei Hunden auf der Basis wissenschaftlicher Studien und gibt Hundebesitzern Lösungsmöglichkeiten an die Hand. Die Grund­voraussetzung: Um den Hund zu verstehen, muss der Besitzer zunächst das eigene Verhalten reflektieren und gegebenenfalls auch korrigieren können.


Mit der Grunderziehung ist es selbstverständlich nicht getan. Hunde brauchen Beschäftigung und Aufgaben, um nicht zu verkümmern. Und da kommt die Hundeschule ins Spiel, die für jeden Vierbeiner eine ideale Gelegenheit ist, so­ziales Verhalten gegenüber anderen Hunden zu erlernen und gleichzeitig Spaß an den Übungen zu haben. Maria Hense und Christina Sondermann haben mit "Spiele für die Hundestunde" (Cadmos, 192 S., 19,95 Euro) einen präzise ausgearbeiteten Leit­faden erstellt, in dem sie sinnvolle spielerische Übungen wie beispielsweise Futtersuchspiele und Agility Training anschaulich ­erläutern, gleichzeitig aber auch vor Stress und Überforderung warnen. Entscheidend ist aus Sicht der Autoren, dass auf spielerische Weise trainiert wird. Schließlich gehört der Hund zu den wenigen Lebewesen, die bis ins hohe Alter noch Freude am Spiel haben. Das können Hundebesitzer nutzen und in Erziehungs­arbeit ummünzen.

Um Bewegung, Ernährung und Gesundheit geht es auch in Thomas Brodmanns Ratgeber "Unser Hund. Fit und gesund" (Stiftung Warentest, 160 S., 19,90 Euro). Ausführlich erörtert Brodmann die Vor- und Nachteile von Fertigfutter und, nicht unwichtig, des Einsatzes von Leckerlis bei der Hundeerziehung und gibt Ratschläge für den gesunden Rhythmus beim Gassi gehen. Ein ­besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Buch auch auf der rechtzeitigen Erkennung und Behandlung von Krankheiten und deren Symptomen.

Dass Fitnesswahn und zu viel Ehrgeiz auch ungesund sein können, gilt für Mensch und Tier gleichermaßen. Yvonne Adler und Gudrun Braun plädieren in "Allzu viel ist ­ungesund" (Müller Rüschlikon, April, 160 S., 19,95 Euro) für den gesunden Mittelweg zwischen Forderung und Unterforderung. Die Autorinnen betonen zum einen, dass Rituale, Regelmäßigkeit und wesensnahe Beschäftigung (dazu gehört beispielsweise auch der Spaß am Zerrupfen der "Beute" nach einem Suchspiel) dem Hund Sicherheit geben, zum anderen aber auch, dass weniger manchmal mehr sein kann. Der Begriff der "Qualitätszeit", den berufstätige Eltern in Bezug auf ihre Kinder kennen, hat auch im Mensch-Tier-Verhältnis seine Berechtigung. Denn auch ein Hund braucht einmal seine Ruhe. Gerade im Alter.

Und was, wenn die Gesundheit langsam nachlässt? Imre Kusztrich beschäftigt sich in seiner hochinteressanten Abhandlung "Gegen das Vergessen in der Hunde-Demenz" (IGK-Verlag, 56 S., 16,99 Euro) mit den psychologischen Auswirkungen des Alterns: Was, wenn der Hund bemerkt, dass er seiner Auf­gabe als Beschützer des Rudels nicht mehr nachkommen kann? Depressionen können die Folge sein, die medikamentös und durch die richtige Ernährung zumindest gemildert werden können.

Maria L. Schasteen beschreitet dagegen den rein natürlichen Weg und zeigt in "Duftmedizin für Tiere" (Crotona, April, 160 S., 19,95 Euro) Pflege- und Therapiemöglichkeiten für Hunde und Katzen auf der Basis ätherischer Öle auf. Denn ganz gleich, ob Dackel oder Irischer Wolfshund: Auf die Funktion der Nase ist bei jedem Hund Verlass.

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2 Kommentar/e

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  • Andrea

    Andrea

    Angesichts der vielen Hundehalter, die ganz offensichtlich sehr wenig Ahnung davon haben, wie man einen Hund richtig erzieht und sich ihm gegenüber verhält, ist es schön zu sehen, dass es passende Literatur zu dem Thema gibt!
    Ich kann nur jedem, der sich einen Hund zulegen möchte raten, sich vorab ausgiebig zu informieren. Hat man bereits einen Hund, dann kann der Besuch einer Hundeschule helfen, den Hund besser zu verstehen und ihn zu erziehen.

  • Andrea von Kinderalltag.de

    Andrea von Kinderalltag.de

    Hallo!
    Da kann ich meiner Namensvetterin nur beipflichten. Ich erlebe beim Spaziergang mit meinen Kindern immer wieder freilaufende Hunde, oder Hunde, die der Besitzer ganz offensichtlich nicht im Griff hat. Dass man dem Hund keinen Vorwurf machen kann ist völlig klar. Der Besitzer sollte aber besser ein paar von diesen Büchern lesen.
    Achja - Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die typischen Kampfhunde die wenigsten Probleme machen. Auch wenn sie respekteinflössend sind, so sind sie im Regelfall sehr gut erzogen und der Besitzer ist im Umgang mit dem Tier geschult.

    Liebe Grüße

    Andrea von kinderalltag.de

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