Nina George über die Stellung der Frauen im Literaturbetrieb

Macho Literaturbetrieb

Bücher von Autorinnen erscheinen seltener in (hoch-)literarischen Verlagen, erhalten weniger renommierte Preise und Rezensionen im Feuilleton – und weniger Geld. Nina George hat nachgerechnet.

Nina George ist Schriftstellerin und sitzt am Runden Tisch "Frauen in Kultur und Medien" der Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Nina George ist Schriftstellerin und sitzt am Runden Tisch "Frauen in Kultur und Medien" der Kulturstaatsministerin Monika Grütters © Urban Zintel

Ich zähle Frauen. Seit zehn Jahren; in Rezensionen von Medien, die das Etikett "intellektuell besonders wertvoll" verleihen, bei Preisen, auf Podien, in Programmen, in Lesungs­kalendern. Mein Vorbild sind die VIDA-Zählungen, die das Vorkommen von Autorinnen in 39 US-Feuilletons untersuchen. Die schlechte Nachricht vorab: Der deutsche Literaturbetrieb hat’s nicht so mit Frauen.

In den Dutzend Leitmedien meiner Zählung, wie "Welt", "Zeit", "SZ", "FAZ", "Spiegel" usw., wirken Frauen an 25 Prozent aller Rezensionen mit. Kritiken über Autorinnen finden zwischen zehn Prozent (häufigster Wert) und 24 Prozent (zu Buchmessezeiten) statt. In Unterhaltungsmedien wie "Brigitte" oder dem WDR steigt der Autorinnenanteil, erreicht aber selten Parität. In Literaturblogs liegt er, kumuliert, bei 19 Prozent (Blogger) und 40 Prozent (Bloggerinnen). Auffällig bleibt die testosterongefärbte ­Filterblase in den Feuilletons. In der "Welt" vom 1. November wurden "Elf Bücher, die du bis zu deinem 30sten Geburtstag gelesen haben solltest" kanonisiert. Alle von Männern, zehn der ­Romane kreisten um eine männliche Hauptfigur. Die "Bild" kanonisierte "25 wichtigste Romane" mit einem Frauenanteil von zwei, im Literatur Spezial zur Buchmesse der "Zeit" (Nr. 43/2016) waren unter den "20 wichtigsten Büchern" vier von Frauen.

Elena Ferrante sagte einmal: "Männer nehmen von Frauen geschriebene Bücher als Bücher für Frauen wahr." Ein Kritiker antwortete darauf: "Ein Frauenbuch ist ein Buch, das ich als Mann nicht verstehe." Liegt die ­Unwucht daran, dass in die Echokammer der Rezeption leichter Bücher von Männern dringen, weil die Themen den Rezensenten vertrauter, oder schlicht: wichtiger sind? Quasi aus der Unschuld der Sozialisation, einem unabsichtlich angewöhnten Desinteresse für die feminine Sicht auf die Welt (gilt auch für Kritikerinnen)? Mitunter ist es auch Feigheit vor dem Gefühl. Dieses tief sitzende Unbehagen, sich mit komplexer Emotionalität auseinanderzusetzen, die nicht distanziert und analytisch erzählt wird, sondern zu nah an der Seele ritzt, viel zu nah, Moment: Ist das nicht … Kitsch?

Oder beginnt das Aussortieren schon in der Programm­planung – wo häufig Frauen planen, aber Männer zahlen, und damit entscheiden? Die Vorschauen von E- und U-Verlagen zur Frankfurter Messe zeigen jedes Jahr: Je mehr E, desto weniger Frau. Das Verhältnis liegt oft bei drei Frauen zu zehn Männern. Autorinnen finden sich mehr in Genreformaten, die der Unterhaltung oder "Frauenliteratur" (Gedöns, anspruchslos, Untenrumkitsch – suchen Sie sich ein despektierliches Wort aus, diese Schublade ist seit Dekaden bestens geölt) zugeordnet sind, außerdem im Taschenbuch, gern mit Blümchen vorne drauf. Alles Feuilletongift. Männer werden häufiger im Hardcover veröffentlicht, etwa bei E-Edelverlagen wie Suhrkamp, Hanser, Aufbau. Das lieben die Kulturredaktionen. Und Buchhändler, die nicht zum Lesen kommen, stellen sich ihre Tische wiederum nach Kritiken zusammen – so wirkt auch auf Kaufende die "wichtige" Literatur eher männlich.

Sie können sich, sofern Frau, übrigens noch einen Schnaps bereitstellen. Es gibt 580 Literaturpreise in Deutschland, davon gelten 140 als "wichtig", zwei Dutzend als die Krönung des Schaffens. Ihre Jurys sind, kumuliert, zu 23 Prozent mit Frauen besetzt. Ich zählte die Gewinne der Krönungspreise seit jeweiligem Beginn der Verleihungen. Das Ergebnis: Männer gewinnen fünfmal häufiger. Ausnahme: der Deutsche Buchpreis. Und Prost! 

Ich will Sie nicht weiter mit Zahlen traktieren; Sie ahnen, dass in den Akademien der Künste Frauen in der Sparte Literatur spärlich (20 %) vertreten sind; dass sie laut 50prozent. speakerinnen.org nur zu einem Viertel auf Expertenpodien sprechen, und, ach ja: laut Agentinnen wie Karin Graf geringere Vorschüsse angeboten bekommen.

Dennoch glaube ich nicht an eine grundsätzliche Misogynie des Feuille­tons, der Juroren oder Verlagsleiter; einige unangenehme Zeitgenossen ausgenommen. Es ist auch die zur Bieder­keit neigende Buchbranche, die, aus Gefalldrang, in die Klischeefalle tappt: Frauen dichten fürs Herz, Männer fürs Hirn.

Für mich liegen die Antworten auf die Frauenfrage auch NEBEN dem Literaturbetrieb. In der Erziehung, in der Auswahl von Lehrmaterialien, in der Gesellschaft, ihren Leit-Memen, und dem Rollback zur Rosa/Hellblau-Simplifizierung.  Und: in den Hauptfiguren, die wir, die Autorinnen und Autoren, erschaffen. Welches Bild zeichnen wir denn von Frauen und Männern? Auch das wird, neben aufgeregten Debatten zu Quoten, zu hinterfragen sein.


Männer gewinnen im Schnitt fünfmal häufiger

• Der Georg-Büchner-Preis (50.000 €) ging 55 Mal an einen Mann, 9 Mal an eine Frau.

• Der Literaturnobelpreis ging 99 Mal an einen Mann, 14 Mal an eine Frau.

• Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (25.000 €): 57 Männer,  8 Frauen, 1 Paar, 1 Club

Heinrich-Mann-Preis (8.000 €): 18 Männer, 4 Frauen

Thomas-Mann-Preis (25.000 €): 18 Männer, 3 Frauen

Horst-Bienek-Lyrikpreis: 23 Männer, 5 Frauen (Stand 2014)

Konrad-Adenauer-Preis: 19 Männer, 5 Frauen

Einhard-Preis für Biografien (10.000 €): 8 Männer, 2 Frauen

Heinrich-Böll-Preis (20.000 €): 20 Männer, 5 Frauen

Kleist-Preis (20.000 €): 20 Männer, 9 Frauen

Jean-Paul-Preis (15.000 €): 17 Männer, 3 Frauen

Deutscher Krimipreis: 26 Männer, 7 Frauen, 2 davon 2x, also 5 Frauen

Kurt-Tucholsky-Preis (3.000./5.000 €): 12 Männer, 1 Frau

 

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20 Kommentar/e

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  • Andrea Reidt

    Andrea Reidt

    Liebe Nina George,
    vielen Dank für diese zutreffende Information und Meinungsäußerung! Was den Deutschen Buchpreis angeht, mag es eine Parität bei den Preisträger/innen geben, allerdings nicht auf den Short- und Longlisten. Ich zähle diese just for feminist fun immer aus. Zum Beispiel 2016: 6 Autorinnen von 20 Büchern auf der Longlist; 1 Autorin von 6 Shortlist-Büchern. 2015 sah es vergleichsweise blendend aus: 8 von 20 und 3 von 6. Aber 2014! 2 von 6 und 5 von 20. Ist das Erbsenzählerei? Ja, und? Absolut berechtigt.

  • Barbara Epple

    Barbara Epple

    Liebe Nina George,

    ganz prima, dass sich da endlich jemand die Mühe macht zu zählen!
    Besonders schön finde ich "die testosterongefärbte ­Filterblase in den Feuilletons"! Kann ich auch als ZEIT-Leserin absolut bestätigen.
    Die Krimibesprechungen lese ich da schon gar nicht mehr. Ich lese gerne schlaue, witzige und sehr ungerne gewaltdominierte Romane. Daher lese ich generell lieber Frauen. Und da werde ich in der ZEIT fast nie fündig (bin schon ganz glücklich, wenn mal was von Liza Cody dabei ist). In den Buchhandlungen dagegen schon ...
    Ich glaube übrigens, dass viel mehr Frauen als Männer lesen, weswegen es doppelt schade ist, wenn hier auch die Rezensenten die Rezensentinnen so deutlich überwiegen.

  • Kristin Sprechert

    Kristin Sprechert

    Im Zuge des Artikels möchte ich auf die Rollenverteilung im "Literarischen Quartett" hinweisen. Diese spitzt die Auswertung von Frau George noch für das Format zu.

  • Birte Vogel

    Birte Vogel

    In meiner Rubrik „Nachgezählt“ hatte ich 2015 einige der Buchpreise auf ihr Geschlechterverhältnis überprüft (http://thea-blog.de/nachgezaehlt-buchpreise-fuer- frauen/). Umso interessanter (wenn auch leider nicht überraschend), nun auch andere Zahlen aus dem Buchbetrieb zu erfahren. Danke, Nina George!

  • Jo Kramer

    Jo Kramer

    Heute in der WELT: Die 20 Bücher, die Sie lesen sollten
    http://www.welt.de/icon/service/article161079569/D iese-20-Buecher-sollten-sie-2017-lesen.html
    Dabei: EINE Frau. Thema ihres Romans: Familienbeichte (sic)
    Wohingegen absolut geschlechterparitätische Zusammensetzung beim …
    … Dschungelcamp! Yeah

  • Torben Koch

    Torben Koch

    "Ich lese gerne schlaue, witzige und sehr ungerne gewaltdominierte Romane. Daher lese ich generell lieber Frauen."

    Der war gut, @Barbara Epple. Treffen die Bücher der bekanntesten Krimiautorinnen doch geradezu vor Blut. Sie sollten die Scheuklappen ablegen und es auch mal mit Büchern versuchen, die von Männern geschrieben wurden. Aber die gegenseitige Pflege von Vorurteilen ist ja gerade das Problem.

  • Markus Glass

    Markus Glass

    Vielleicht bekommt Literatur, die Männer verfassen, mehr Aufmerksamkeit, weil Frauen diese auch einfordern, weil Frauen überhaupt offen sind für eine männliche Perspektive, weil diese auch schon gebahnt ist seit Jahrhunderten, viele Frauen sehen sich heute noch durch die Augen eines Mannes, deswegen geht das. Männer sind diese Frauensicht vielleicht nicht gewohnt, sind gar nicht fähig oder bereit, sich darauf einzulassen. Das ist eine Vereinfachung. Der Versuch einer Erklärung. Bleibt mir nur zu sagen: Lest Emma Cline - The Girls! "I waited to be told what was good about me. I wondered later if this was why there were so many more women than men at the ranch. All that time I had spent readying myself, the articles that taught me life was really just a waiting room until someone noticed you – the boys had spent that time becoming themselves."

  • Andresen, Felicitas

    Andresen, Felicitas

    Au ja,lasst uns weiterzählen, Professorinnen, Komponistinnen, Dirigentinnen, Intendatinnen, Bildhauerinnen, Malerinnen, Redakteurinnen, Nobelpreisträgerinnen, USA Präsidentinnen...

  • jenny schon

    jenny schon

    und Dagmar Nick als Hauptpreisträgerinnen, erst seit 2010 wird paritätisch Frau - Mann berücksichtigt

  • jenny schon

    jenny schon

    und es ist heute nicht anders. Neue Zahlen ergeben auch für Krimis mehr Leserinnen als Leser!

  • Andreas Eschbach

    Andreas Eschbach

    Wie kann das sein, wenn doch (wie man immer wieder hört) 80% aller Bücher von Frauen gekauft werden?

    Es ist ja nun nicht so, dass man in der Buchbranche nur Männer vorfinden würde. Und selbst wenn es so sein sollte, dass halt die Männer die Entscheider sind und sich über all die Lektorinnen, die lieber Bücher von Frauen veröffentlichen würden, hinwegsetzen: Letztlich entscheidet doch, was von dem vielen Publizierten tatsächlich GEKAUFT wird. Alles andere wird wieder eingestampft, mag es noch hardbecovert oder buchbepreist sein, und wer allzu oft Bücher veröffentlicht, die niemand kaufen mag, wird irgendwann keine Bücher mehr veröffentlichen.

    Und da, wie gesagt, 80% aller Bücher von Frauen gekauft werden, ist der Artikel doch wohl als Vorwurf an diese zu verstehen, oder?

  • Nina George

    Nina George

    Liebe @Felicitas Andresen,

    diese Zahlen finden sich u.a. in der Studie zu Frauen in Kultur und Medien des Deutschen Kulturrates. Aus den Ergebnisse heraus hat sich der Runde Tisch bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters gebildet. Sie finden das pdf samt 400 Seiten Statistik der letzten 25 Jahre (u.a. v. Gabriele Schulz und Olaf Zimmermann evaluiert) unter
    https://www.kulturrat.de/wp-content/uploads/2016/1 2/Frauen-in-Kultur-und-Medien.pdf

    Lieber @Markus Glass: ja, in dem Buch "Girls" findet sich vieles von dem wieder,was ich oft auch als (sehr) junge Frau empfand: der männliche Blick sagte mir, wer ich bin und was ich wert bin.
    Das ist oft aber erst aus einer Retroperspektive so klar zu analyiseren. Danke jedenfalls für dieses Zitat, das ich sehr passend finde.

    @Liebe Birte Vogel, spannend sind an Ihren Evaluationen auch die Unterschiede in der Sparte Sachbuch und Sachbuchpreise. Zählen wir weiter.

  • Susanne K.

    Susanne K.

    Ich find den Beitrag sehr interessant, möchte aber entgegenhalten, dass die Partizipationsmöglichkeiten von Schriftsteller*innen am Literaturbetrieb von ihrem Ansehen und weniger vom Geschlecht abhängen. So kümmern sich Literaturhäuser i.d.R. nur um die "Upper Class" von Autor*innen, dann gibt es eine Mittelschicht und zuletzt eine ehrenamtlich arbeitende schriftstellerische Basis, die aber keinen Zugang zu renommierten Verlagen und besser dotierten Literaturpreisen hat.

  • Helmut Schlang

    Helmut Schlang

    "2013 kauften 67 Prozent der befragten Frauen Bücher, und von 53 Prozent der Männer wurde Lektüre erstanden. Auch bei der Nutzung der Bücher scheiden sich die Geschlechter: 46 Prozent der Frauen nutzten 2013 Bücher täglich bzw. mehrmals in der Woche. Im Gegensatz zu den Frauen griffen 2013 nur 30 Prozent der Männer täglich oder mehrmals pro Woche zum Buch."
    https://www.boersenblatt.net/artikel-buch_und_buch handel_in_zahlen.373301.html

    Gleichzeitig sind die meisten Bestseller-Autoren männlich.
    "Im Untersuchungszeitraum wurden von den 20 meistverkauften Büchern mehr als sechzig Prozent von Männern verfasst und nur 39 Prozent von Frauen. Ein Blick auf die Top 100-Liste verschärft dieses Bild sogar noch. Danach gab es Jahre, in denen es nur 18 Prozent der von Frauen verfassten Titel auf die Bestenliste geschafft haben"
    http://www.uni-stuttgart.de/hkom/presseservice/pre ssemitteilungen/2014/065_bestsellerforschung.html? __locale=en

    Frage: Warum kaufen und Lesen die Frauen mehr Bücher von männlichen Autoren?

  • Peter Baum

    Peter Baum

    Ich finde die Betrachtungsweise etwas unkomplex. Wie viele weibliche und wie viele männliche Schriftsteller gibt es denn? Es gab z. B. noch nie eine weibliche Schachweltmeisterin. Unter den hundert besten Schachspielern der Welt gibt es nur eine Frau (Stand 2009). Aber: von den rund 90.000 Mitgliedern, die der Deutsche Schachbund zählt, sind nur sieben Prozent weiblich. Ich würde diesen Zusammenhang eher kulturell als durch unmittelbare Benachteiligung erklären.

    Dann trifft man immer wieder auf einen etwas seltsamen Egalitarismus bei der Frage nach der Vergabe von Preisen. Am gerechtesten wäre es also, wenn genau gleich viele weibliche und männliche Autoren ausgezeichnet würden? Wenn also aus kontingenten Gründen in einem Jahrgang die Bücher der Männer insgesamt qualitativer waren als die der Frauen (vielleicht gibt auch es mehr männliche Autoren? Kulturell sind die Gründe komplex), wäre die ungleiche Verteilung der Literaturpreise unter den Geschlechtern eine Ungerechtigkeit? Aber preiswürdig ist doch, wer die beste Leistung erbracht hat, und nicht, was zu einer gleichmäßigen Verteilung von Preisen führt. Man sieht hier, wie die ursprünglich hellenische Wettbewerbskultur mit der egalitären Ethik moderner Gerechtigkeitsvorstellungen kollidiert.

  • Dr. Dagmar Gausmann-Läpple

    Dr. Dagmar Gausmann-Läpple

    Liebe Frau George,
    es ist so wichtig, dass Sie Fakten zusammentragen. Sonst bliebe es ja "nur "ein Gefühl. Und damit typisch Frau, nicht wahr? Ein schönes Recherchefeld zum Thema wäre auch die Leseförderung. Also das Bemühen, möglichst viele Menschen zu befähigen, mehr als Twitter lesen zu können. Ich würde sagen (auch ein Feld für genaue Zahlen;-)) die Leseförderung ist zu 99,5 % Prozent in Frauenhand. Hm. Irgendwas stimmt also vorn und hinten nicht. Was ich übrigens grad (wieder) lese: Hannah Arendt. Vita activa oder Vom tätigen Leben. Darin u.a. gut ausgeführt: Was wirksam werden soll, muss Öffentlichkeit erhalten. Danke, Frau George.

  • Stella

    Stella

    Ich wurde kürzlich auf P. Bourdieus "Die männliche Herrschaft" hingewiesen (Danke, Manuela Schon!). Er erklärt dieses Phänomen (Frauen halten das System aufrecht, anstatt es zu durchbrechen, lesen i.e. mehr männliche Autoren, sind kritischer anderen Frauen gegenüber, u.ä.) mit dem weiblichen Habitus, der Teil des patriarchalen Herrschaftssystems ist.
    Die Beherrschten tragen zur Reproduktion der Verhältnisse bei, weil ihre Wahrnehmungs- , Denk- und Erkenntnisschemata geprägt sind vom Herrschaftssystem selbst - vergleichbar mit sog. "uncle Toms" bei früheren Generationen v. Afroamerikanern.

  • Marianne Sax

    Marianne Sax

    Als Buchhändlerin sehe ich, wie virulent das Thema bereits beim Kinderbuch ist. Einem Jungen wird kaum je zugemutet, ein Buch mit einer Heldin zu lesen. Mädchen hingegen wird attestiert, dass sie sich in Helden einfühlen können. Und diese Bedenken gehen nicht in erster Linie von den Kindern aus, sondern werden von denen allenfalls übernommen. Grossväter, Mütter, Lehrerinnen, Erzieher: lest den Jungs Bücher vor über Ronja, Zora, Momo & Co - sie werden es Euch danken.

  • Christiane Hornauer

    Christiane Hornauer

    Moin!
    Mir sagte heute ein Rezensent, er würde sich ja bemühen, Schriftstellerinnen in der schier unüberschaubaren Buchwelt der Verlage zu finden. Aber...
    Ist das nicht süß?

  • Angelika Diem

    Angelika Diem

    Danke für den interessanten Artikel.
    Der (scheinbare) Unterschied zwischen solchen Buchpreisen und dem Umstand, dass soviel mehr Frauen Bücher kaufen und lesen, liegt er nicht darin begründet, dass eben nicht die Leser und Leserinnen sondern eben (meist) mehrheitlich männlich besetzte Jurys von männlich dominierten Verlagsleitungen besonders wertig produzierte und als solche kommunizierte Bücher auswählen?

    Diesen Jurys wären hohe Verkaufszahlen und viele weibliche Jubelmeinungen in Blogs und amazon eher suspekt als Hinweis auf besondere Qualität.
    Schließlich bräuchte man keine Jurys mehr, wenn Preisträger so leicht an der Begeisterung der Lesermasse zu erkennen wären.

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