Novitäten zu Gesellschaftspolitik

Deutschland, deine Krisen

Die Vorschauen der Verlage spiegeln im Sachbuchbereich die Herausforderungen wider, denen sich die Bundesrepublik stellen muss. Besonders der gesellschaftliche Rechtsruck wird untersucht und thematisiert. KATHARINA GRöGER

Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft

Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft © dpa

Die globalen Umwälzungen gehen auch an der Bundesrepublik nicht spurlos vorüber. Obwohl Deutschland im letzten Jahr aufgrund seiner ausgeprägten Willkommenskultur weltweit Schlagzeilen machte, werden zunehmend rechte Tendenzen innerhalb der Bevölkerung sichtbar, die sich seit den wachsenden Übergriffen auf Flüchtlingsheime und deren Bewohner sowie den Erfolgen der AfD bei den Landtagswahlen im März nicht mehr bagatellisieren lassen.
Aktueller und brisanter denn je erscheint daher die Aufarbeitung der sechsten "Mitte-Studie", "Gespaltene Mitte – Feindselige Zustände" (Dietz Verlag, November, 144 S., 9,90 Euro), von Andreas Zick in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Publikation beschäftigt sich unter anderem mit der Wahrnehmung von Flucht und Migration sowie der Akzeptanz oder Zurückweisung kultureller Vielfalt. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen also nicht nur Asylsuchende, sondern auch andere gesellschaftliche Gruppen.

Dass die rechten und rechtskonservativen Bewegungen des Landes nicht nur Flüchtlinge zu ihren Feindbildern erklärt haben, schlüsselt Andreas Speit in "Bürgerliche Scharfmacher" (Orell Füssli, November, 256 S., 17,95 Euro) auf. Er porträtiert neben den wichtig­s­ten Organisationen auch die Akteure und deren Profile und Strategien zur ­Abschaffung einer pluralistischen Zivilgesellschaft.

Doch woher kommt der plötzliche Ruck nach rechts? An der Erforschung der Ursachen arbeitet Ernst-Dieter Lantermann und beschreibt in "Die radikalisierte Gesellschaft" ­(Blessing, Oktober, 240 S., 19,99 Euro) das Phänomen des Extremismus hinsichtlich seiner Ursachen. Dabei stellt der Sozialpsychologe fest, dass selbst konträre extremistische Bewegungen von zahlreichen gemeinsamen Handlungsmotiven geprägt sind – allen voran die Überforderung aufgrund vielfältiger Diskurse und der Mangel an Gewissheiten.

Damit allein ist es jedoch nicht getan. Auch die Art und Weise, wie in den letzten Jahren innerhalb Deutschlands über den Islam und seine Anhänger diskutiert wurde, trug maßgeblich zum heutigen Erfolg von AfD und Pegida bei, so "TAZ"-Journalist Daniel Pax. Dessen Beitrag "Feindbild: Islam" ist gemeinsam mit zahlreichen anderen nachzulesen im Kursbuch 186 mit dem Titel "Rechts. Ausgrabungen" (Sven Murmann Verlagsgesellschaft, 192 S., 19 Euro), herausgegeben von Armin Nassehi und Peter Felixberger. Die Autoren legen die "Sedimentschichten" rechter Ideologien in der Gesellschaft frei und betrachten diese fernab eines relativierenden Kontexts.

Heute wird der Islam trotz aller Offenheit und Pluralität noch immer als fremdartig, von einigen sogar als Bedrohung empfunden. Nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach gehört der Islam für lediglich 22 Prozent der Befragten zu Deutschland. Mathias Rohe versucht mit "Der Islam in Deutschland" (C. H.Beck, Oktober, 350 S., 14,95 Euro) sachliche Aufklärungsarbeit zu leisten: Er geht der Frage nach, ob der muslimische Lebensstil mit dem westlichen vereinbar ist und zeigt Perspektiven des Zusammenlebens.

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, zeigt die Ausstellung "Immer bunter". Das Buch zur Ausstellung (208 S., 24,90 Euro), herausgegeben vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, ist nun bei Nünnerich-Asmus im Vierfarbdruck erschienen. Von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart beleuchten verschiedene Autoren die historischen Ereignisse, die zur Einwanderung führten.

Experten sind sich einig, dass die rechten Tendenzen nicht zuletzt aus der sozialen Ungleichheit des Landes resultieren, denn die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Obwohl die Arbeitslosigkeit sinkt und die Löhne steigen, leben zahlreiche Familien in Armut. Doch statt sich in einer Armutsdebatte zu erschöpfen, richtet Georg Cremer in "Armut in Deutschland" (C. H. Beck, Oktober, 224 S., 16,95 Euro) sein Augenmerk auf den Sozialstaat, dessen Fehler sowie Ansätze zur Armuts­bekämpfung.

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