Pro und Contra zu VLB-TIX

Die ideale Vorschau: Digital oder gedruckt?

"Die Aufmerksamkeit für Bücher und Inhalte leidet", meint der freie Vertreter Jochen Thomas-Schumann, und verzichtet liebend gern auf digitale Vorschauen und VLB-TIX. Seine Kollegin Claudia Graßl von der Aurora Vertriebskooperation dagegen freut sich über jede Buchhandlung, die mit ihr "tixen" will. 

© Monique Wüstenhagen

Jochen Thomas-Schumann ist seit 2004 freier Verlagsvertreter und reist u.a. für die Verlage Hanser, C.H. Beck, Beltz, Knesebeck und Schöffling

Jochen Thomas-Schumann ist seit 2004 freier Verlagsvertreter und reist u.a. für die Verlage Hanser, C.H. Beck, Beltz, Knesebeck und Schöffling © Peter-Andreas Hassiepen

Contra von Jochen Thomas-Schumann

Wir arbeiten in der schönsten Branche der Welt. Für das schönste Produkt der Welt, dem Buch. Vermutlich sind die meisten aus Begeisterung für dieses Produkt, - nein, aus Liebe zur Literatur und aus Liebe zum Papier in der Verlags- und Buchhandelswelt gelandet. Die wenigsten werden sich aus monetären Gründen für unser Geschäft entschieden haben.  Das Buch ist kein Statussymbol. Weniger denn je. Ein großer kultureller Bruch ist im Gange.  Nicht nur die Branche, sondern eine breite gesellschaftliche Öffentlichkeit stellt uns in Frage. Stellt das Buch in Frage.  Andere, meist digitale und digitalisierte Dinge sind wichtiger, populärer, einflussreicher, renditeträchtiger. Wir werden totgesagt, am lautesten von uns selber.

Aber solange wir noch ein wenig Atem haben, hecheln wir der Digitalisierung hinterher, um unserem angestaubten Image wenigstens einen Hauch von Modernität zu verleihen.

Statt aber an Strategien und Ideen zu arbeiten, die für das Lesen begeistern und für das Buch als einzigartiges Medium kämpfen, setzen mächtige Teile unserer Branche beachtliche Energien ein, um VLB-TIX im Buchhandel zu etablieren. Seit Monaten fällt mir auf, wie einseitig darüber im Börsenblatt geschrieben wird. Die Berichterstattung konzentriert sich auf die Anforderungen und Interessen zweier großer Verlagsgruppen und einiger Filialisten. Es wird der Eindruck erweckt, als würde die Digitale Vorschau in Kürze flächendeckend im Deutschen Buchhandel eingesetzt. Vor wenigen Wochen vermeldete Hugendubel den kompletten Einsatz von VLB-TIX. Nun hat auch noch Random House angekündigt ab Herbst 2019 keine Papiervorschau mehr herzustellen.

Man könnte meinen, VLB-TIX ist auf einem ungebremsten Siegeszug. Doch meine Erfahrung ist eine andere. In meinem Reisegebiet nutzten auf der vergangenen Frühjahrsreise ein kleines halbes Dutzend (sic!) Buchhandlungen VLB-TIX. (Meine freien Vertreterkollegen bestätigten auf den jüngsten Vertretersitzungen ähnliche Zahlen aus ihren Gebieten.) Und auch in den vielen von mir besuchten Filialen wird noch immer gerne in Vorschauen aus Papier geblättert.

Das liegt nicht daran, dass ich als freier Vertreter mich dieser Technik versperre. Von Beginn an wurde ich von "meinen" Verlagen sorgfältig auf den Einsatz mit VLB-TIX geschult und begleitet. Ich wäre dazu bereit, auch wenn sich mir nach all den Seminaren und Webinaren der größere Nutzwert dieser Innovation immer noch nicht erschließt. Denn auch nach drei Jahren hat das System immer noch eine Entwicklungsstufe, die einem die Arbeit eher erschwert als erleichtert: Vertretertermine dauern mit TIX doppelt so lange wie vorher, noch kein Termin lief ohne technische Schwierigkeit ab, Printvorschauen wurden noch nie ganz weggelassen. Weitere Detailprobleme gäbe es zu diskutieren. 

Am meisten aber leiden die Bücher und ihre Inhalte unter dem neuen System! Denn die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Technik, - auf eine Datenbank mit der sinnlichen Verführungskraft einer Excel-Tabelle. Die Aufmerksamkeit für Bücher, die einer gewissen Vermittlung bedürfen und nicht mit hohen Marketingbudgets ausgestattet sind, sinkt weiter. (Also vermutlich 90 Prozent aller Bücher!) Bücher, die die kulturelle Vielfalt und die Einzigartigkeit des deutschen Buchmarkts ausmachen. Bücher, die sich nicht von selbst und überall verkaufen. VLB-TIX fördert die weitere Konzentration auf wenige Spitzentitel.

Die Diskrepanz zwischen dem vermittelten Eindruck in der Branchenpresse und der Realität im Buchhandel ist fast beispiellos. Vergleichbar höchstens mit der jahrelangen Berichterstattung zum Thema E-Books. Vergleichbar mit dem Desaster namens Libreka. Kann es sein, dass einzelne Verlagsgruppen auf dem Rücken und mit finanzieller Unterstützung aller Börsenvereinsmitglieder ihre hausgemachten Probleme in den Griff zu bekommen versuchen?

Sinnvolle Innovationen sind immer wichtig. Doch gibt es nicht dringendere Herausforderungen? Wir handeln mit Papier - und versuchen nun das Papier aus unserer Branche zu verbannen. Merken wir eigentlich, was wir da tun? Unsere zentrale Aufgabe sollte es weiterhin sein, Menschen für Gedrucktes zu begeistern. Glauben wir wirklich, dass uns das durch die Abschaffung eines elementaren Arbeitsinstruments, das in der Regel mit großer Sorgfalt hergestellt wird und eine innige Verbindung zu unserem Endprodukt besitzt, besser gelingen wird?

Wie sollen wir Menschen für Papier begeistern, wenn wir selbst schon daran (ver-)zweifeln? Wenn wir Papier und damit das Buch, das schönste Produkt der Welt in Frage stellen. Sollten wir nicht lieber Geld und Energie aufbringen, Ideen sammeln, um das Buch wieder „schick“ zu machen, anstatt „Vorsicht Buch!“ zu rufen?

Claudia Graßl vertritt die 12 Verlage der Aurora Vertriebskooperation

Claudia Graßl vertritt die 12 Verlage der Aurora Vertriebskooperation © privat

Pro von Claudia Graßl

Als Vertriebsbüro mit den momentan zwölf unabhängigen Verlagen der AURORA Vertriebskooperation arbeiten wir nun schon im dritten Programmzyklus mit VLB-TIX - und die Arbeit wird immer intensiver. Angefangen haben wir „zum Üben“ mit dem Erstellen einer Thalia-Sortimenterkreisvorschau und seit zwei Programmzyklen arbeiten wir zum Beispiel auch bei Hugendubel mit VLB-TIX und sind trotz der Kinderkrankheiten, die das System immer noch hat, mit Begeisterung dabei.

Unsere Kundentermine mit VLB-TIX waren – bis auf die manchmal langsame Ladezeit – immer sehr produktiv und auf das Wesentliche konzentriert und wir freuen uns über jede weitere Buchhandlung, die zukünftig mit uns "tixen" will!

Für uns ist VLB-TIX als verlagsübergreifende Plattform ideal, um für die Buchhändler themenbezogene Einkaufsempfehlungen aufzubereiten. So können wir z. B. zu Themen wie Yoga, Ernährung oder Nachhaltigkeit eigene Vorschauen erstellen und so unsere Kunden zielgenau bedienen.

Das entspricht genau dem Gedanken unserer Vertriebskooperation: Buchhändler sollen bei uns alles gebündelt aus einer Hand bekommen. Unser spezieller Account für Vertriebskooperationen macht es dem Händler möglich, in den Vorschauen direkt nach „Aurora“ zu suchen und sich dann alle zugehörigen Vorschauen unserer einzelnen Verlage anzeigen zu lassen. Außerdem wollen wir zusätzlich zu den Einzelvorschauen noch eine öffentliche Aurora-Vorschau online stellen, in der alle Novitäten unserer Verlage (wie bei den Individualvorschauen) in einer Vorschau zusammengefasst sind.

Das individuelle Sortieren und Priorisieren für unsere Kunden ist eine Funktion, die die gedruckte Vorschau nicht bieten kann. Diese hält sich immer an die vom Verlag festgesetzte Dramaturgie, die aber nicht immer für jeden Kunden gleichermaßen gelten muss. Für Buchhändler mit Spezialsortiment gelten vielleicht andere Bücher als Spitzentitel als für solche mit allgemeinem Sortiment und so kann man die Novitäten verlagsübergreifend in der Reihenfolge aufbereiten, die bei dem jeweiligen Händler sinnvoll ist.

Zudem spielt die Aktualität eine große Rolle: Die Daten sind (sofern vom Verlag korrekt gepflegt) immer auf dem aktuellsten Stand - im Gegensatz zu Print-Vorschauen oder diversen Excel-Listen, mit denen wir zuvor gearbeitet haben. Wenn sich Erscheinungstermine verschieben oder sich Cover oder Preise ändern, bietet VLB-TIX für uns als externe Vertriebsabteilung, die nicht im Verlag sitzt, ein super Informationstool.

Gerade für unabhängige Verlage wie die unseren bietet sich in vlbTIX die Chance, durch gut gepflegte Metadaten genauso sichtbar zu sein wie die großen Konzernverlage. Als Premiumverlage können wir unsere Titel mit Bühnen, Verkaufsargumenten, Referenztiteln, Videos, etc. anreichern und so für einen gleichermaßen professionellen Auftritt bei VLB-TIX sorgen.

Und es gilt nach wie vor: Nur was gefunden wird, wird gekauft; nicht nur im Internet, sondern auch im stationären Handel. Wenn zukünftig Buchhändler in VLB-TIX für einen Thementisch zum Thema „Yoga“ bibliographieren, der in einem bestimmten Monat stattfinden soll, kann sich der Buchhändler exakt die Novitäten, die bis dahin erschienen sind, auf einen Blick anzeigen lassen und muss nicht diverse Vorschauen wälzen (von denen die Hälfte dann gerade nicht auffindbar ist). So stößt er auf Titel, die er über die Suche in den Print-Vorschauen nicht gefunden hätte und kann auch Bücher von Verlagen entdecken, bei denen er vielleicht nicht danach gesucht hätte.

Mit der "geheimen Titelmeldung" können wir frühzeitig auch schon die Titel den Händlern zugänglich machen, die noch nicht offiziell gemeldet sind und z. B. schon mal einen Coverentwurf online stellen, zu dem wir uns dann bei einzelnen Händlern Rückmeldungen einholen können. Wäre es nicht super, wenn man sich in VLB-TIX als Verlag zukünftig mittels eines Bewertungssystems für Buchhändler direkt Feedback zu Covern, Titelformulierungen oder Preisgestaltung einholen könnte?

Auch die Zusammenarbeit mit der Technikabteilung von VLB-TIX funktioniert super und alle - Buchhändler wie Verlage - haben die Möglichkeit, Ideen und Anregungen einzubringen und das System mitzugestalten. Ich hätte mir zu meiner Zeit als Buchhändlerin ehrlich gesagt so ein Tool wie VLB-TIX gewünscht, in dem alle Vorschauen auf einen Blick zu finden und auch von daheim aus zu bearbeiten sind! In immer mehr Städten gründen sich VLB-TIX-Stammtische zum gegenseitigen Austausch, und oft sind die Mitarbeiter von VLB-TIX dort auch selbst vor Ort. Das ist doch eine tolle Chance, die wir alle nutzen sollten!

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17 Kommentar/e

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  • Lesesaal Hamburg

    Lesesaal Hamburg

    Der Lesesaal am neuen Standort in der Neustadt in Hamburg möchte auf jeden Fall bei den gedruckten Vorschauen bleiben. Wenn die Technik versagt, dann habe ich keinerlei Vorschauen in der Hand. In die digitalisierten Vorschauen kann ich nicht mit einem Kugelschreiber reinschreiben, die Seiten nicht mit einem Eselsohr markieren - mit anderen Worten: wenn digitalisierte Vorschauen kommen, werde ich keine Freude daran haben. Es erfüllt mich mit Grauen, wenn ich daran denke. Alleine die Vorstellung, dass ich mit einem IPad meiner Vertreterin/meinem Vertreter gegenüber sitzen muss...

  • Ingeborg Gollwitzer

    Ingeborg Gollwitzer

    Also, ich hab ja nix gegen tix - nämlich dann, wenn man schnell noch mals nachsehen will - aber jetzt, wo gerade die ersten Vorschauen eintrudeln werde ich traurig bei dem Gedanken,dass die künftig wegfallen sollen!
    Vielleicht sollten sich die Verlage klar darüber werden, wieviele interessierte Leser sie schon in den einzelnen Firmen haben! Hinzu kommen aber auch Kultur- und Literaturinteressierte außerhalb der reinen Geschäftswelt hinzu - jene die nämlich, die flächendeckend über Bücher sich und andere informieren etc.

    Es ist auch einfach zu anstrengend, noch weitere Stunden am Bildschirm verbringen zu müssen, um die uniformierten Titelauflistungen zu lesen. Merken kann man sieh bei einem solchen Durchgang eh nichts.

    Auf einem anderen Blatt steht, dass man auch an den Vorankündigungen dies und das verbessern sollt e / könnte - statt seitenweise Abbildungen von Verkaufscontainern , oder e i n e ganze Seite für e i n e n Satz, den die Times oder sonst wer Prominentes über das Buch von sich gegeben hat kostentreibend zu vergeuden, lieber ausführlichere Angaben z.B. über Autor und Inhalt des Buches zu bringen.

    Vielleicht mal eine Art gut vorbereitetes Brainstorming zum Thema!

    Nur auf diese Weise wird man über Trends, die sich oft erst nach und nach herauskristallisieren, tatsächlich informiert!

    Bitte! : weiter auf Papier!

    Ingeborg Gollwitzer

  • Buchladen am Markt

    Buchladen am Markt

    Ich kann mich nur dem Lesesaal anschließen. Wir möchten auf keinen Fall auf die gedruckten Vorschauen verzichten. Wir lieben das Buch, wir lieben das Haptische und wir lieben es abends auf dem Sofa mit einem Glas Wein unsere Kommentare in die Vorschauen zu schreiben und mit Eselsohren zu versehen. Besonders, wenn wir den ganzen Tag schon am PC gearbeitet haben! Klingt jetzt natürlich völlig "oldschool" aber ich kann z.B. nicht auf der einen Seite alljährlich zum "Welttag des Buches" mehr als 500 Schülern und Schülerinnen die Vorzüge des Gedruckten anpreißen und gleichzeitg selbst nur noch online unterwegs sein... Somit schließe mich zu 100% Herrn Thomas-Schumann an und habe seiner Position nichts mehr hinzuzufügen und unterschreibe jedes Wort. Vielen Dank!

  • Buchhandlung Rote Zora, Ingrid Röder

    Buchhandlung Rote Zora, Ingrid Röder

    Ich kann Herrn Thomas-Schumann nur zustimmen. Auch wir möchten weiterhin mit gedruckten Vorschauen arbeiten. Der effizienteren Arbeitsweise wegen. Auch wenn ich die vielen Vorteile des VLB -Tix durchaus zu schätzen weiß und auch gelegentlich nutze, so haben meine Tix-Versuche gezeigt: Wenn ich am Ende ein Programm abgearbeitet habe, wußte ich schon nicht mehr, welche Bücher mich besonders interessiert hatten, welche ich wie besonders in Szene setzen wollte. Ich habe meine Bestellungen gut verwaltet mit allen digitalen Vorteilen, aber eine Beziehung zur bestellten Ware habe ich nicht aufgebaut. Papier in der Hand zu halten, den Finger an eine bestimmte Stelle legen, zu blättern und handschriftliche Notizen zu machen, Eselsohren machen, Seiten für KollegInnen und Dekorateurin herausreißen, all das scheint also auch was mit einer besseren Auffassungsgabe zu tun haben. Ein Lehrer erklärte mir das mal so: Für ein erfolgreiches Lernen müssen Hand, Herz und Hirn zusammenarbeiten.
    Nur liebe Verlage: Hört endlich auf, die Vorschauen aufzublähen. Eine Seite pro Buch sollten i.d.R. reichen, gerne auch mal mehrere Bücher auf einer Seite. Keine extra Folder mit glänzendem Lack etc. Und laßt den Kram weg, ich brauche weder ein Säckchen Sternenstaub noch einen Extra-Karton mit muhendem Soundmodul.

  • Susanne Scheffel, Buchhandlung Wälischmiller, Markdorf

    Susanne Scheffel, Buchhandlung Wälischmiller, Markdorf

    Seit Jahren gehe ich unter der Tonne Vorschaupapier, das zweimal im Jahr unsere Buchhandlung flutet, in die Knie – und so bin ich begeistert von der Möglichkeit, Vorschauen in digitaler Form nutzen zu können und sehe darin einen vernünftigen Weg, Kraft, Papiermüll und Zeit zu sparen.

    Dass das Gespräch über Bücher und deren Inhalte leidet?
    Ganz im Gegenteil: Da der Vertreter vor dem Buchhandelsbesuch den von den BuchhändlerInnen erarbeiteten Auftragsentwurf aus VLB-TIX per Mail erhalten kann, kann er sich auf den Besuch viel qualifizierter als bisher vorbereiten und hat im Gespräch vor Ort mehr Zeit und Konzentration über einzelne wichtige Titel zu sprechen, da nicht mehr Titel für Titel durchgehechelt werden muss.

    Für die Vorbereitung in der Buchhandlung ist wunderbar, dass alle MitarbeiterInnen gleichzeitig arbeiten und ihre Kommentare austauschen können. Und so freuen meine Kolleginnen und ich uns jetzt richtig auf die Vorbereitung der Herbstbestellungen per VLB-TIX, freuen uns darauf alle unsere Anfängerfehler aus dem Frühjahr nicht mehr zu machen und immer neue Möglichkeiten, die VLB-TIX bereit hält, zu entdecken.

    Susanne Scheffel, Buchhandlung Wälischmiller, Markdorf

  • Torsten Hornbostel

    Torsten Hornbostel

    Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des Buchreport kommt zu dem Ergebnis, dass 73% aller befragten Buchhandlungen die Entscheidung von Random House ab Herbst 2019 auf die gedruckten Vorschauen zugunsten von VLBTix zu verzichten, für schlecht halten. Ein Mehrheit spricht sich also für die gedruckte Vorschau aus. Genau das wird mir immer wieder von vielen Einkäufern für die Verlage mitgegeben, seit das Damoklesschwert der digitalen Vorschau über dem Handel schwebt. Sowohl Digital- wie auch Printversion der Vorschau haben ihre Vorteile, das ist vielfach thematisiert worden. Die gedruckte Vorschau ist in ihrer Kommunikations- und Verkaufsleistung der digitalen in VLBTix überlegen und wird noch viele Jahre unverzichtbar bleiben.
    Während in anderen Branchenmedien kritische Stimmen zu VLBTix zu lesen sind, ist dies im verbandseigenen Organ eher seltener der Fall. Um so wohltuender das Statement von Jochen Thomas-Schumann, das sich absolut mit meinen Erfahrungen als freier Verlagsvertreter deckt. Man möchte dem Börsenblatt mehr Mut zu einer offenen Debatte wünschen.

  • Simon Lissner

    Simon Lissner

    An die Aufgabenstellung freier Verlagsvertretungen ist bei diesem System offensichtlich nicht wirklich gedacht worden. Anfragen zu diesem spezifischen Einsatzgebiet (Vertretung verschiedener Verlage aus einer Hand) wurden entweder eher vage, zuletzt eigentlich gar nicht mehr beantwortet. Schade eigentlich. Auf einige Hürden weist der Kollege Thomas-Schumann hin. Die Begeisterung der Kollegin von Aurora erklärt sich aus deren spezifischer Aufgabenstellung und zeigt sehr gut die unterschiedlichen Interessenlagen. Vor Ort aber, sieht die Sache anders aus. Am PoS fühlt sich VLB TiX eher an, wie die, bekanntlich weitgehend erfolglosen, Versuche zum "papierlosen Büro" zu kommen. Als jemand, der die Entwicklung der populären IT von den Anfängen begleitet hat und selbst einmal für freie Vertretungen ein System bei steuerte, dass die damals in Teilbereichen erforderlichen Lageraufnahmen über Barcode unterstützte, lassen Sie sich gesagt sein: "Totgesagte leben stets länger" als gedacht. Sicher kann der inflationäre Verbrauch an Printvorschauen eingedämmt werden, zum Beispiel durch Verteilung an Buchhändler*innen nach deren Interessen. Dringend abraten würde ich jedoch vom gänzlichen Verzicht auf Printmedien vor Ort. Bekanntlich und gerade in den Zeiten der angespannten Personaldecke im Handel, können wir vor Ort noch so gute Sendboten unserer Verlage sein - ohne eine schriftlich nachhaltige Unterlage dalassen zu können, zählt das alles nur zur Hälfte. Die Vorschau ist eben einfach auch ein wichtiger "Merkzettel" für die ja immer öfter, später und an anderen Orten, stattfindende Auftragserteilung. Sinnvollerweise elektronisch übermittelt, direkt an die Auslieferung/Verlag oder auch unseren allerorten schnellen und starken "Apothekern" - den Barsortimenten. Verlage, die von der Vertriebstätigkeit durch Verlagsvertreter*innen überzeugt sind, sei empfohlen, die Unterstützung dieser Kolleginnen und Kollegen nicht unnötig einzuschränken.

    Beste Grüße
    Simon Lissner
    (Vertrieb für ZWEI)

  • Buchhändlerin Kati B.

    Buchhändlerin Kati B.

    Danke Jochen Thomas-Schumann und Lesesaal Hamburg, für Ihre treffende Beschreibung der Situation. Zitat Thomas-Schumann: "Die Diskrepanz zwischen dem vermittelten Eindruck in der Branchenpresse und der Realität im Buchhandel ist fast beispiellos. Vergleichbar höchstens mit der jahrelangen Berichterstattung zum Thema E-Books." An den 2 Sätzen stimmt einfach alles. Wieder werden die Buchhändler als altbacken und technikscheu hingestellt, was nicht mehr zutrifft. Es doch vielmehr um ein bewusstes Abwägen, wie der ohnehin volle Buchhändler-Arbeitsalltag gemeistert werden kann. Der unberechtigte E-Book Hype ist vergleichbar mit dem unberechtigten VLB-TIX Hype. Dabei hat die MVB schon beim VLB gezeigt, dass es ihre eigene Klientel nicht versteht. Mit VLB-TIX wird damit fröhlich weitergemacht, jetzt sogar international so weitermachen will. Ist das die Aufgabe einer Tochterfirma eines Branchenverbands? VLB-TIX ist umständlich und keine Verbesserung, die man sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung erwartet. Wenn Random House sich dazu entschließt keine gedruckten Kataloge zu verschicken, ohne die Buchhändler zu fragen, sagt das viel über das schlechte Verhältnis Verlage und Buchhandel aus. Und was ich so lese, die Buchhändler werden das bei Ihren Bestellungen entsprechend einordnen.

  • Claudia Hillebrand, Vertreibsleitung Wallstein Verlag

    Claudia Hillebrand, Vertreibsleitung Wallstein Verlag

    Die entweder-oder Diskussion stellt sich für uns nicht, denn auf Vorschauen Print werden wir nicht verzichten. Unser Verlag, der durch den Einsatz von innovativer Computertechnologien seit der Gründung 1986 auf Erfolgskurs ist, verschließt sich nicht neuen Mitteln der Kommunikation. Aber vlb tix kann und wird kein Ersatz für das kenntnisreiche Vertretergespräch sein! Wir lieben Qualität und treten als unabhängiger Verlag für die Vielfalt der Programme und Ideen jenseits des »mainstreams« ein, vermittelt können wir diese Haltung durch das persönliche Gespräch und unsere Print Vorschauen.

  • Gustav Förster

    Gustav Förster

    So schön wie das VLB-TIX sein kann, sicherlich auch sein wird, so wenig wird die Branche auf die gedruckte Papiervorschau verzichten können. Und auch dürfen. Das VLB-TIX kann die gedruckte Vorschau durchaus ergänzen, und das sicherlich ganz prima, beide werden parallel bestehen, und auch bestehen können, sollen. Vor- und Nachteile haben beide Technologien. Die Vorteile haben brancheintern derzeit allerdings mehr Promotion. Es wird dabei immer von der Vorbereitung der Vertretergespräche gesprochen, aber was ist denn mit den Buchhandlungen, die nicht / nicht mehr von Vertretern besucht werden? Und nach 34 Jahren Selbstständigkeit kann ich eins sagen, das werden immer mehr. Für die ist die Erinnerung durch die körperliche Anwesenheit der gedruckten Vorschau nach wie vor wichtig und wird es auch bleiben. Die Datei ist zwar da, irgendwo in der Cloud, meldet sich aber nicht zu Wort! Es werden also viele Infos "hinten rüber" fallen, weil sie nicht präsent sind, weil die Erinnerung daran fehlt. Genau wie die alte Schallplatte oder die CD im Regal durch ihre körperliche Anwesenheit dazu animiert, sie mal wieder zu hören. Andererseits, so schön das TIX auch sein mag, so es kann doch, und wird es sicherlich auch, die Werbeabteilungen dazu verlocken noch mehr, noch Überflüssigeres reinzupacken, aufzublähen, hier ein Spielchen, da ein Video. Dazu kommt, im Netz muss ich wissen, was ich suche. Zufallsfunde sind nicht mehr drin. Als ich meinen Steuerberater mal fragte, warum er denn "immer noch" Loseblattwerke bezieht, erhielt ich die Antwort, "Ich habe beim Einsortieren mal draufgeschaut und vielleicht sogar gestutzt, da war doch was, bei der Datei, die im Hintergrund eingespielt wird passiert genau das nicht"! Und bitte auch nicht mehr das Argument der Umweltfreundlichkeit des Digitalen! Dass das immer noch vorgebracht wird erstaunt doch ganz schön! Was ist denn allein mit dem Energieverbrauch der Informationstechnologie? Was ist mit dem immer weiter zunehmenden E-Schrott? Was ist denn mit dem Rohstoffverbrauch dieser Technologie? In unserer Branche sollte das doch eigentlich bekannt sein, sind wir doch Leser (oder?).

  • Ulrich Störiko-Blume

    Ulrich Störiko-Blume

    Auch als Nicht-Vertriebsmensch möchte ich etwas zu VLB-TIX sagen. Ist nicht der Zeitpunkt gekommen, um weder ein „Nur digital!“ noch ein „Auf keinen Fall digital!“ zu rufen, sondern »So nicht!«? Wenn eine große Zahl engagierter Buchhändler sich nicht richtig bedient fühlt, weil sie sich nicht zu Bildschirm-Süchtlingen machen lassen wollen, dann muss die Sache doch gründlicher angegangen werden. Wir hatten die E-Book-Euphorie, viele schwärmen noch im Selfpublishing-Fieber, und jetzt VLB-TIX-Monokultur?
    Wenn Claudia Graßl schreibt: »Für uns ist VLB-TIX als verlagsübergreifende Plattform ideal, um für die Buchhändler themenbezogene Einkaufsempfehlungen aufzubereiten«, dann hat sie wohl für ihre Art von Verlagen recht. Aber genau hier offenbart sich doch der beachtliche Unterschied zwischen literarischen und Sachbuchverlagen. Bei Verlagen und bei Büchern, die klar benennbare Themen zum Gegenstand haben, leuchtet das ja ein. Aber nach literarischen Büchern lässt sich doch nicht wirklich erschließend über »Themen« suchen!
    Auch Romane lassen sich an äußerlichen Daten verorten, aber die spielen doch eine ganz andere Rolle als bei einem Koch- oder Yoga-Buch. Suche ich den »Zauberberg« unter »Lungenkrankheit« oder den Tanz der Tiefseequalle« unter »Tanz« und »Meerestiere«? Gewiss kann man nach Autoren suchen; bekannte Namen von Thomas Mann bis Sebastian Fitzek sind da hilfreich, aber wie kommen Buchhändler auf die Spur etwa einer Stefanie Höfler? Da braucht es doch das Gespräch mit dem Vertreter und dessen atmosphärische Vorbereitung. Daher geht die Sorge, dass die Bestseller-Autoren noch »bester« werden und die (noch) unbekannten unentdeckt bleiben, auch die Programm-Macher an.
    Es geht nicht um Beharrer gegen Modernisierer. Gewiss kann und sollte man an ellenlangen Imponierseiten in den Vorschauen sparen. Aber Jochen Thomas-Schumanns Liebeserklärung an das Papier ist keine Nostalgie – diese Liebe hat eine reale und funktionale Basis. Vielleicht kommen wir so besser weiter: „Analyse und Austausch mit allen Beteiligten first - Digitalisierung second“.
    Ulrich Störiko-Blume

  • Katharina Bünger, Vertrieb Edition Nautilus

    Katharina Bünger, Vertrieb Edition Nautilus

    Vielen Dank für die überfällige Diskussion. Wir stehen VLB-TIX aufgeschlossen und neugierig gegenüber, wundern uns aber ebenfalls über die einseitige Vermittlung seitens des Börsenvereins, der ja doch eine Vertretung aller Branchenmitglieder ist. Gerade bei einem Thema von solcher Tragweite sollte jeder die Möglichkeit haben, sich ein umfassendes Bild zu machen und frei zu entscheiden. Wie sich nun zeigt, besteht keineswegs Einigkeit über eine Überlegenheit der digitalen Vorschau oder gar eine Verzichtbarkeit der gedruckten Vorschau. Da nicht nur die meisten Buchhandlungen sich noch immer Printvorschauen wünschen, sondern auch die Presse diese geschickt bekommt, drucken wir sie natürlich weiterhin. Was wir gerne tun! Wir sind der Meinung, dass sie gerade kleineren Verlagen mehr Präsenz und individuelles Profil ermöglicht als VLB-TIX, und diese Präsenz ist für uns enorm wichtig.
    Wir sind gerne bereit, darüber hinaus auch VLB-TIX zu pflegen, das ja durchaus Vorteile bietet und eine gute Ergänzung sein kann. Aktuell sind wir allerdings in der Situation, dass Verlage sich auf Zuruf im Wesentlichen eines großen Buchhandelsfilialisten unter Zugzwang gesetzt sehen, Premiumkunden bei VLB-TIX zu werden, weil unsere Programme dort sonst vermeintlich demnächst nicht mehr vorkommen – aber gleichzeitig ist es nicht der Buchhandel, sondern ausschließlich wir Verlage, denen dafür eine nicht unerhebliche Gebühr berechnet wird. Wir möchten den Buchhandel nicht schlechter stellen, finden aber diese Ausnutzung von Marktmacht seitens unseres gemeinsamen Börsenvereins nicht in Ordnung.

  • Monika Osberghaus

    Monika Osberghaus

    Danke an Herrn Thomas-Schumann und Frau Bünger! Genau so sehen und erleben wir das bei Klett Kinderbuch auch.

  • Jutta Leimbert

    Jutta Leimbert

    Lieber Herr Thomas-Schumann, sie sprechen uns aus der Seele. Meine Kolleginnen und ich schauen schon den ganzen Tag über viel zu viel auf Bildschirme. Die Vorschauen sollen ja auch Lust auf die Bücher machen, am Bildschirm stellt sich das für mich nicht ein. Außerdem schaffe ich es nicht, Eselsohren ins Tablet zu knicken. Sollen die über VLB-TIX einkaufen, für die das passt, wir wollen weiterhin Papiervorschauen!

  • torsten spitta

    torsten spitta

    seit über 25 jahren bin ich als verlagsvertreter in SaSaThü unterwegs...
    der beitrag von jochen schumann spricht mir aus dem herzen und ganz ebenso aus dem hirn!!! ich bin in GÄNZE seiner meinung!
    er stellt punktgenau die richtigen fragen! ... - liefert eine schlüssige argumentation! ... - das ganze mit dem notwendig großen blick und ohne kleinliches (persönliches) jammern!
    die ZAHLENDEN börsenvereinsmitglieder müßten sich verstärkt gegen die offenbar geschmiedete unheilvolle allianz gehör verschaffen und stärker ihre stimme erheben... vor allem, weil TIX für die absolute mehrzahl der buchhandlungen überhaupt kein thema ist und auch nicht wirklich sein wird (in meinem reisegebiet spricht man nicht einmal ´drüber)!
    der beitrag von claudia graßl erscheint mir viel zu einseitig und durchschaubar mundgerecht geschrieben, so daß ich mich des gefühls nicht erwehren kann, daß selbiger GENAUSO betsellt wurde... - sorry, schlicht unglaubwürdig.
    torsten spitta

  • Dirk Eberitzsch

    Dirk Eberitzsch

    Alles Wichtige wurde gesagt,aber da es wichtig ist,dass wir mittleren Sortimente uns äussern,auch noch einmal unsere deutliche Meinung gegen VLB-TIX.Danke an Herrn Thomas-Schumann es so ausführlich zu sagen.
    Dirk Eberitzsch

  • Buchhandlung Slawski

    Buchhandlung Slawski

    Danke Jochen-Schumann für diesen Beitrag. Verlage, die uns keine Printvorschauen mehr senden, werden wir nicht mehr direkt einkaufen. Da freut sich das Barsortiment! Wir lieben unsere Verlagsvertreter. Menschen, die unser Sortiment kennen. Uns beraten. Perlenfischer ! Und es ist auch harte Arbeit, die sicht lohnt! Grauenhaft der Gedanke, wir hätten bei einem Gespräch jeder nur noch unseren Computer vor der Nase. Das killt alles.
    Die Eselsohren in der Vorchau sind es Jutta Leimbert. Danke!
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