Publishers' Forum 2015

Das Verhältnis zwischen Autor und Verleger

Verleger Jo Lendle und Wolfgang Ferchl, Literaturagentin Karin Graf und Autorin Kathrin Passig diskutierten beim Publishers’ Forum über das Verhältnis zwischen Autor und Verleger - und die Konsequenzen für den Buchmarkt.  VON HOLGER HEIMANN

Der Hanser-Verleger Jo Lendle hat vor einiger Zeit mit der These für Aufregung gesorgt, dass Autoren heutzutage auf Verlage nicht mehr angewiesen sind. Manche waren verwundert: Wollte der Mann tatsächlich die Verlagshäuser abschaffen, wo er gerade erst zu einem der renommiertesten gewechselt war? Natürlich nicht. Seine Absicht war es vielmehr, darauf hinzuweisen, dass Verlage ihre Funktion als Gatekeeper verloren haben. Autoren brauchen die Verlagshäuser nicht länger unbedingt, um ihre Texte zu publizieren, der prosperierende Self-Publishing-Markt beweist das ja zur Genüge.

Beim Publishers’ Forum in Berlin kam nun gestern eine Runde zusammen, um über das aktuelle Autor-Verleger-Verhältnis zu diskutieren. Untertitel: "Wie eine alte Arbeitsbeziehung erneuert werden muss". Ist Veränderung notwendig? Das war für die Veranstalter mithin gar nicht mehr die Grundfrage. Der Moderator Holger Ehling versuchte sich zur Einstimmung deshalb auch gleich mit einer sehr steilen These und diagnostizierte "zerbrochene Verhältnisse", ja gar "einem Krieg".

Aber das ging dann sogar jemandem wie Jo Lendle, der in Berlin kaum überraschend mit auf dem Podium saß, entschieden zu weit. Lendle wiederholte zwar noch einmal seine These, dass Verlage ebenso wie Zeitungen ihre exklusive Bedeutung eingebüßt hätten, doch wollte er von einem ge- oder gar zerstörten Verhältnis nichts wissen. Autoren, so glaubt er stattdessen, seien selbstbewusster geworden und würden entschiedener, etwa in Blogs, die Vermarktung ihrer Bücher selbst vorantreiben.

Der andere Verleger auf dem Podium, Wolfgang Ferchl von Knaus, mochte hingegen überhaupt keine gravierenden Veränderungen erkennen. Der von ihm taxierte Erneuerungsbedarf dürfte gegen Null gehen. Autoren seien noch nie eine homogene Gruppe gewesen, immer schon stünden denen, die am liebsten nur schreiben wollten, andere gegenüber, die das Gespräch mit den Lesern suchten. Überdies müsse jeder Verlag sensibel die vom Autor gewünschte Betreuungsintensität erspüren: "Es gibt Autoren, die wollen Kinder sein, andere wollen Partner sein", beschrieb Ferchl seine Erfahrungen und prägte nebenher den schönen Begriff  des "Erwartungsmanagements".

Die Eltern-Kind-Metapher zur Illustration des Verhältnisses von Verlag und Autor hatte zuvor die Schriftstellerin Kathrin Passig eingebracht und damit ein krasses, aber ihres Erachtens häufig "doppelt gewolltes" Ungleichgewicht charakterisiert. Literaturagenturen hätten als Vermittlungsinstanz entscheidend dazu beigetragen, den "eingebauten Konflikt" zwischen Autoren und Verlagen zu befrieden, was insbesondere die Literaturagentin Karin Graf, die vierte Diskutantin in der Runde, gern hörte.

Das Gespräch drehte sich an dem Berliner Nachmittag alles in allem erstaunlich wenig um die Frage, ob womöglich zunehmend Autoren künftig die Publikation ihrer Texte in eigene Hände nehmen und welche Konsequenzen dies für den Buchmarkt mit sich brächte. Stattdessen wurde aber immerhin recht offensiv ein Thema in den Fokus gerückt, über das eher selten laut geredet wird – das Geld.

Kathrin Passig hatte vor einiger Zeit vorgerechnet, dass sie überwiegend von den guten Vorschüssen für ihre Bücher leben könne. Voreilige Schlüsse sollte daraus aber keiner ziehen, denn die Rede war dabei von 20.000 bis 25.000 Euro vor Steuern jährlich. Und Passig selbst merkte an, sie habe weder Kinder noch teure Hobbys und außerdem einen alten Mietvertrag. Wie gut also, dass es im Autor-Verlags-Verhältnis nicht allein um Geld geht, wie Wolfgang Ferchl hervorhob. Sondern fast im gleichen Maße auch um Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zuwendung.

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