Raif Badawi Award für Flüchtlingsradio im Irak

Keine Furcht vor Tabuthemen

Auf der Frankfurter Buchmesse ist heute der 2. Raif Badawi Award für mutige Journalisten verliehen worden: an die Journalistinnen des Flüchtlingsradios Dange NWE im irakischen Halabja. Der Preis wurde von Ensaf Haidar, der Frau des in Saudi-Arabien in Haft sitzenden Bloggers Raif Badawi, an zwei Mitarbeiterinnen des Senders übergeben.

Die Mitarbeiterinnen des Flüchtlingsradios nehmen den Preis aus der Hand von Ensaf Haidar entgegen

Die Mitarbeiterinnen des Flüchtlingsradios nehmen den Preis aus der Hand von Ensaf Haidar entgegen © Claus Setzer

Zu Beginn der Veranstaltung überbrachte der TV-Moderator Constantin Schreiber, der den Preis gemeinsam mit Ensaf Haidar initiiert hat, eine schlechte Nachricht: Raif Badawi sitze immer noch in Haft, und soeben habe ein saudisches Gericht entschieden, dass die über Badawi zusätzlich zum Freiheitsentzug verhängte Körperstrafe (1.000 Peitschenhiebe) weiter vollstreckt werden soll. Ihm drohen 950 weitere Peitschenhiebe. Zu dieser Nachricht passt, dass Saudi-Arabien in diesem Jahr nicht an der Frankfurter Buchmesse teilnimmt.

Constantin Schreiber

Constantin Schreiber © Claus Setzer

Schreiber betonte, wie wichtig die Verteidigung der Meinungs- und Pressefreiheit sei. Badawi sei kein Einzelfall: Die Lage in der gesamten arabisch-islamischen Welt habe sich dramatisch verschlechtert, vor allem in der Türkei. Auch Can Dündar, der Laudator des heutigen Nachmittags, sei davon betroffen. Das von Flüchtlingen gegründete Radio Denge NWE (deutsch: Neue Stimme) sei ausgezeichnet worden, weil es unerschrocken auch über Tabuthemen berichte.

Alexander Skipis und Can Dündar im Gespräch

Alexander Skipis und Can Dündar im Gespräch © Claus Setzer

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins (der den Preis unterstützt), betonte in seiner Ansprache, dass "Meinungs- und Pressefreiheit die conditio sine qua non einer freien Gesellschaft" sei. Es sei höchste Zeit, für die weltweite Achtung und Einhaltung dieses Grundrechts einzutreten. Man wolle deshalb gemeinsam mit anderen nationalen wie internationalen Institutionen ein Netzwerk für Meinungsfreiheit gründen. Es müsse Schluss sein mit der Appeasement-Politik gegenüber Despoten, die man für politisch oder wirtschaftlich unentbehrlich halte. Auf diese Weise büße man seine Glaubwürdigkeit ein.

Can Dündar

Can Dündar © Claus Setzer

Can Dündar, der von den türkischen Behörden verfolgte Chefredakteur von "Cumhuriyet", machte schlaglichtartig deutlich, was freier Journalismus in der Türkei heute bedeutet: "Du gräbst Dein Grab mit deiner Feder." Jedes brisante Dokument, das das Licht der Öffentlichkeit erblickt, bringe einen dem Gefängnis näher. Dündar lobte das einzigartige Programm der Radiojournalistinnen. Sie berichteten unter anderem über häusliche Gewalt gegen Frauen, Zwangsheiraten und Ehrenmorde. Alle seien selbst aus unterschiedlichen Gründen zu Flüchtlingen geworden: wegen der Giftgasangriffe Saddam Husseins in Halabja, wegen des IS oder wegen des Assad-Regimes. Der türkische Journalist ermutigte die Journalistinnen, weiterhin mutig für die Wahrheit zu kämpfen.

Nach der Übergabe der Preisskulptur durch Ensaf Haidar forderten die ausgezeichneten Journalistinnen die baldige Freilassung Badawis.

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