Runder Tisch zu "Spiegel"-Bestsellerlisten

"Der Buchhandel in seiner Gesamtheit"

Auf die Kritik des Buchhandels an der ausschließlichen Verlinkung der "Spiegel"-Bestsellerlisten mit Amazon.de hat das Nachrichtenmagazin reagiert und eine Runde von Buchhandelsvertretern nach Hamburg eingeladen. Vorläufiges Ergebnis: Es sollen künftig bis zu acht Shop-Plattformen in die Verlinkung eingebunden werden, so der "Spiegel".

Auf diese Formel haben sich "Spiegel"-Online-Geschäftsführer Matthias Schmolz und "Spiegel-Online"-Geschäftsführerin Katharina Borchert verständigt. Welche Buchhandelsplattformen als Bestelloption angegeben werden sollen, steht noch nicht fest. Dies soll in einem weiteren Gespräch geklärt werden.

Tom Kirsch, der für die Thalia Holding teilnahm, forderte, dass auf jeden Fall die Shops thalia.de und buch.de in die Link-Auswahl eingebunden werden müssten. Er regte zugleich an, die unterschiedlichen Shops nach Marktanteilen zuzuordnen.

Börsenverein und MVB, die ebenso wie der Buchhändlerverbund Nordbuch und die Einkaufsgenossenschaft eBuch an dem Treffen teilnahmen, sowie Buy Local und die LG Buch favorisieren eine neutrale Lösung mit Verlinkung auf buchhandel.de. Anders argumentierten nach Angaben von Teilnehmern die Buchhändlerverbünde Nordbuch und eBuch. Während der Vertreter der eBuch im Hinblick auf Shop-Plattformen zum gegebenen Zeitpunkt keine Alternative zu Amazon sieht, plädiert die Nordbuch für die Listung der Libri-Lösung mybookshop.

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins und Geschäftsführer der Osianderschen Buchhandlung, zeigte sich zuversichtlich, dass eine für den gesamten Buchhandel befriedigende Lösung gefunden werden kann: "Der 'Spiegel' hat erkannt, dass die jetzige Regelung, lediglich Amazon als Bezugsquelle bei 'Spiegel Online' zu nennen, für viel Ärger gesorgt hat. Bei einem Treffen mit verschiedenen Buchhändlern hat der 'Spiegel' zu erkennen gegeben, dass er diese für den Buchhandel sehr unbefriedigende Situation ändern wird. Bei einem weiteren Gespräch soll geprüft werden, wie man den Buchhandel in seiner Gesamtheit als Bezugsquelle einbinden kann."

Eine Abkehr des Buchhandels vom "Spiegel"-Bestsellermarketing lehnt Riethmüller ab: "Es gibt hier ein Geben und Nehmen: Der 'Spiegel" braucht die Daten, die Buchhändler ihm liefern, und die Buchhändler nutzen die Listen in ihren Läden." 

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20 Kommentar/e

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  • Lesesaal Buchhandlung Hamburg

    Lesesaal Buchhandlung Hamburg

    Es ist löblich, dass der Spiegel auf die Kritik an der Verlinkung seiner Bestsellerliste ausschließlich zu Amazon so schnell reagiert hat. Wie bereits in einer direkten Mail an den Spiegel geschrieben, wäre es auch wichtig, den stationären Handel zu erwähnen. Nach Nennung der "bis zu acht Shop-Plattformen" ist es meiner Ansicht nach nötig darauf hinzuweisen, dass die Titel auch "echt" eingekauft werden können - beim Buchhändler des Vertrauens.
    Beste Grüße,
    Stephanie Krawehl

  • René Kohl

    René Kohl

    Der Hauptgrund, warum ich Daten an die SPIEGEL-Bestseller-Liste lieferte, war der, dass ich die Hoffnung hatte, mit unseren "untypischeren" Bestsellern zu helfen, in der einen oder anderen Konstellation wertvollere Titel auf die Liste zu hieven.

    Ich habe meinen Vertrag mit Harenberg / dem SPIEGEL heute gekündigt.

    Der Verlauf der Diskussion zeigt mir vor allem, dass nicht allen Beteiligten der Wert und die Relevanz von Marktdaten und der faire Umgang mit den eingeworbenen Daten klar ist.

    Herrn Kirsch möchte ich gerne fragen, ob es nicht noch besser wäre, wenn neben thalia.de und buch.de auch noch thalia.at und thalia.ch in die Link-Auswahl eingebunden würden.

    Künftig werde ich mich für eine Bestseller-Liste des unabhängigen Buchhandels einsetzen.

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Mit welcher Berechtigung bitte soll denn Thalia eingebunden werden und Hugendubel nicht? Oder die Mayersche oder Osiander? Wie wär's denn z.B. mal mit http://www.freiheitsplatz.de? Wo soll denn da die Grenze gezogen werden, wer rein darf und wer nicht?? Sehr schön ist auch die Idee von Hr. Kirsch, das nach Marktanteilen zu gestalten. Damit die Großen groß bleiben und die Kleinen klein und der Kunde bloß nicht auf die Idee kommt, bei einem unabhängigen Buchhändler zu bestellen . . .

    Es gibt genau eine Plattform, die wirklich für jeden offen ist, und die heißt buchhandel.de. Da können sich auch amazon und Thalia eintragen, kostet nicht mal was.

    Die vom SPIEGEL angestrebte 8er-Lösung zeigt nur deren Abhängigkeit von amazon und ist ansonsten ein reines Feigenblatt.

  • Stella

    Stella

    Ich bin ja sehr froh, dass der Buchhandel, der hier das Fördern von Großkonzern Amazon so moralisch verwerflich findet, seinerseits ganz anders ist und nicht etwa die Großkonzerne unter den Verlagen fördert, sondern eben die kleinen, inhabergeführten (ein Blick auf die hier diskutierten Bestsellerlisten wird das sicher bestätigen).

  • Bücherfreund

    Bücherfreund

    Ist es wahr, dass die Vertreter von eBuch im Online-Bereich "keine Alternative zu Amazon" sehen? Bahnt sich da eine Kooperation von eBuch mit Amazon an? So abwegig ist der Gedanke ja nicht, wenn man die Erfolgsgeschichte der von eBuch geplanten Plattform Genialokal betrachtet und die Festlegung der eBuch-Mitglieder auf das Provisionsmodell eines Barsortiments ...

  • Angelika Siebrands

    Angelika Siebrands

    Nur eine kleine Richtigstellung: das klingt jetzt hier so, als wäre es der eBuch egal, ob der Spiegel ausschliesslich auf amazon verlinkt oder nicht.
    Das ist natürlich nicht so, im Gegenteil.
    Nach der Werbeeinblendung von Herrn Riethmüller, die ihm dann heftig vor die Füsse gefallen ist, vertrat ich lediglich die Position des Kunden, der sicher
    für ein bisschen gutes Gewissen nicht auf Usability und ein verlässliches Lieferversprechen verzichten will. Und dafür gibt es NOCH keine Alternative und buchhandel.de ist von einer solchen am allerweitesten entfernt.
    Ob ich meine Daten zur Verfügung stellen will, um eine Liste mit zu generieren, kraft derer Umsätze zu amazon fliessen ist eine andere Frage und wird im Artikel nicht erwähnt.

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Sehr faszinierend festzustellen, wie hier bei acht gefragten Parteien quasi auch acht verschiedene Meinungen und Standpunkte formuliert werden. Damit manifestiert sich im Kern der »Spiegel-Debatte« mal wieder das Grundproblem unserer Branche.
    Statt einem nachhaltigkeitsorientierten Schulterschluss, der verschiedenen Sortimente, ob stationär oder online, Filialist oder inhabergeführt, wird nur dem eigenen Vorteil hinterhergehechelt. Und die rücksichtslosesten Windhunde sind mal wieder die großen Mitspieler, die ihrer, durch den eigenen Fehler des maßlosen Wachstums entstandenen und alles verzehrenden Kostenstruktur Rechnung tragen müssen.

    Und noch eine traurige Randnotiz: Nicht nur bei dieser Debatte sondern auch sonst oft in diesen Tagen wird schlichtweg vergessen, dass es im Buchhandel eigentlich nicht ausschließlich um gewinnorientierte Zwecke geht, sondern auch um die schlichte Verbreitung von Kulturgut. Eine Leistung übrigens, die Amazon im Prinzip genau so gut kann (oder teilweise gar besser), wie so mancher stationäre oder digitale Sortimenter.
    Auch wenn diese Aussage sehr idealistisch ist, wäre es doch schön, wenn die Teilnehmer dieser Branche diesen Umstand zumindest etwas öfter mal im Hinterkopf haben, wenn sie ihre Ziele und Absichten formulieren und sich gegenüber Mitbewerbern positionieren.
    Vielleicht wäre dann auch die Spiegel-Bestsellerliste weiterhin mehr ein hilfreiches Instrument für die Branche, als ein Zankapfel aufgrund egoistischer Motive.

  • besorgter Buchhändler

    besorgter Buchhändler

    empfiehlt ebuch ihren mitgliedern schon direkt das amazon affiliate-programm zu nutzen? sehr verwundernswerte aussage einer buch-genossenschaft, die kleinere buchhandlungen vertritt...

  • amazon-freund

    amazon-freund

    @6: Empfehlen Sie ihren Kunden im Laden eigentlich direkt amazon?

  • Ingeborg Gollwitzer

    Ingeborg Gollwitzer

    Zu Herrn Kohl und allgemein

    Herr Kohl hat inzwischen eine der wohl interessantesten 'Buch-Plattformen und über jeden Newsletter freue ich mich wie ein Kind!

    Zum anderen aber: Es scheint allgemein nicht bedacht zu werden, dass Amazon seine Bücher ja zu ganz anderen Konditionen beziehen kann. Das wird manchmal die portofreie Lieferung schwierig machen.

    Es gibt eigentlich nur ein Rezept: Den örtlichen Buchhandel besser ausbauen, auch kleinere Sortimenter mit besseren Konditionen versorgen, damit die auch besser agieren können.

    Leider kriegt man ja wohl niemals heraus, welche Umsätze Amazon via Spiegel-Liste generiert. Besser wäre es gewesen, ihn dort niemals als Bezugsquelle anzugeben. Eigentlich am besten überhaupt keinen - im Baumarkt würden die Leute wohl ohnehin nicht nach Büchern fragen oder beim Metzger.

    'Garantiert' in jeder Buchhandlung sofort lieferbar ... hätte total gereicht.

    Ach Gott, immer kommt alles noch blöder als sowieso schon!!

    Liebe Grüße von Ingeborg Gollwitzer

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Keine Diskussion hier, ohne dass ein kleiner Sortimenter die schlechten und ungerechten Konditionen als Hauptursache allen Übels anführt, immer die selbe Platte.

    Liebe zu diesem Kreis gehörenden Buchhändler, seid froh, dass Ihr Eure Brötchen gerade in dieser Branche mit Preisbindung, ellenlagen Zahlungszielen, RR, Bücherwagendiensten, mächtigem Branchenverband und diesen ganzen Sperenzchen verdienen dürft und nicht im Bekleidungs-Einzelhandel oder in der Elektronikbranche zuhause seid.

    Tut mir leid, dass ich mich hier so echauffieren muss. Es gibt schließlich so viele fähige, unabhängige Buchhändler da draußen, aber leider auch immer noch einige, die die Situation der Verlage über einen Kamm scheren und völlig überschätzen, den großen Mitbewerbern schlichtweg deren Größe neiden und auch sonst nicht bereit sind, einfach mal den Fokus auf das eigene Handeln zu richten und den Kampf in einer Branche aufzunehmen, die ganz bestimmt nicht immer fair ist, aber im Vergleich zu anderen Branchen der reinste Garten Eden ist, insbesondere, was die vielfältigen Bezugsmodelle betrifft, die sich dem Sortiment heutzutage bieten.

    Also krempelt einfach mal die Ärmel hoch und kämpft mit offenem Visier! Aber nicht immer nur mit den Mitbewerbern oder den Lieferanten, sondern mit den Kunden bzw. der öffentlichen Meinung zum Produkt Buch, die Ihr unmittelbar beeinflussen könnt, mit Eurem Schaufenster, Eurer Homepage und Eurem Facebook-Auftritt, Eurer Sortimentsgestaltung und Eurem Standort-Marketing!!
    Darin liegt der Schlüssel für den Erfolg und nicht etwa in der ständigen Beschäftigung mit der grundlegenden Wettbewerbssituation der Branche, die man sowieso kaum beeinflussen kann!

  • Lesesaal Buchhandung Hamburg

    Lesesaal Buchhandung Hamburg

    @ Branchenkenner: Genauso ist es! Nörgeln ist einfach - alles andere zeitaufwendig, macht aber unendlich viel Spaß - das Buch bietet so vieles, was andere Bereiche nicht bieten können! Ich ändere mein Schaufenster spätestens alle 10 Tage, habe einen Schaukasten draußen, der einmal in der Woche neu bestückt wird. Dann gibt es regelmäßig Neues auf meiner Homepage, einmal im Monat einen Newsletter und auch ein Facebook-Auftritt ist notwendig, um die vielen schönen Dinge aus der Bücherwelt zu kommunizieren. Dazu kommt ein Sortiment mit Fokus auf unabhängige Verlage und etwas andere Geschichten und jeden Monat einmal Novitätenvorstellung. Wir haben wirklich den schönsten Beruf der Welt! Herzliche Grüße aus Hamburg-Eimsbüttel, Stephanie Krawehl

  • Bücherfreund

    Bücherfreund

    Schön, dass Frau Siebrands noch einmal ganz offen bestätigt hat: Es gibt nur einen Feind, den eBuch stärker bekämpft als Amazon, und das ist buchhandel.de. Waren die eBuchler nicht mal bekannt dafür, dass sie als Genossenschaft für Solidarität im Buchhandel eintreten?

  • Unglaublich

    Unglaublich

    "der Vertreter der eBuch im Hinblick auf Shop-Plattformen zum gegebenen Zeitpunkt keine Alternative zu Amazon sieht"

    Ist das eine (sehr) schlechte PR-Aktion um auf geniallokal aufmerksam zu machen? Unglaubliche Aussage!

  • schell

    schell

    ebuch ist die GDL des Buchhandels

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Interessant ist auch, was jemand mit dem Nickname "ebuchhändler" bei buchreport gepostet hat:

    http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel _nachricht/datum/2014/11/04/boersenvereins-plattfo rm-nicht-exklusiv.htm

    Was für ein Armutszeugnis! Vielleicht sollte sich eBuch mal offiziell zum Thema positionieren . . .

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    Wer momentan auf buchhandel.de verlinkt treibt den Kunden wimmernd und traumatisiert in die Datenkrakenarme von Amazon. Denn da funktioniert auch die Suchfunktion.

  • C. Guhr

    C. Guhr

    Es ist aber schon klar, das Spiegel an der Verlinkung zu amazon mitverdient, oder? Für jedes verkaufte Buch, dass über den Link bestellt wird, bekommen sie 3- 5 % vom Verkaufspreis. Genaue Daten findet man bei Amazon selbst. Also bei einer Bestsellerliste lohnt sich das schon. Und wenn Spiegel über andere Verlinkungen nachdenkt, dann sicherlich nur über solche, die ähnlich lukrativ sind.
    Oder sehe ich das falsch?

    Als Buchliebhaber interessiert man sich eh weniger für die Bestsellerliste als für die schön gemachten besonderen Bücher, und das ist auch die einzige Chance des stationären Buchhandels: mit tollen Büchern zu locken...

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Mich würde es nicht wundern, wenn der Spiegel die Bestsellerliste auch als Einnahmequelle nutzt, indem Verlage, die ihre Werke auf der Liste wiederfinden wollen, die eine oder andere "Zuwendung" machen, damit unabhängig von den Verkaufszahlen Chancen eingeräumt werden ...

    ... es wäre ja nicht die erste "Spiegel-Affäre".

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    @ 18. C. Guhr:
    >Oder sehe ich das falsch?

    Nein, sondern genau richtig. Man sollte eigentlich nur annehmen, dass dieser Aspekt bei der Ausgestaltung eines redaktionellen Inhalts nicht ausschlaggebend ist. Schließlich handelt es sich nicht um Werbeseiten, sondern ein statistisch neutral ermitteltes Ranking.

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