SBVV-Geschäftsführer Dani Landolf zu den ExLibris-Schließungen

"Kein Signal für den Niedergang des Deutschschweizer Buchhandels"

Der Schweizer Filialist ExLibris hatte kürzlich angekündigt, noch in diesem Jahr 43 seiner 57 stationären Buchhandlungen zu schließen. Was das für den Schweizer Buchhandel bedeutet, haben wir Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands, gefragt. INTERVIEW: MATTHIAS GLATTHOR

Dani Landolf

Dani Landolf © Ayse Yavas

2018 begann mit einem Paukenschlag für den Schweizer Buchhandel. Was sagen Sie zur Ankündigung von ExLibris, 43 Filialen zu schließen?
Obwohl ExLibris in den letzten Jahren das Filialnetz ständig ausgedünnt hat, war die Ankündigung dieses massiven Einschnitts eine Überraschung. Ich wehre mich jedoch dagegen, dies als Signal für den Niedergang des Deutschschweizer Buchhandels zu sehen, wie jetzt hier und da spekuliert wird.

Aus Ihrer Sicht: Wie ordnen Sie den Schritt von ExLibris ein?
Es ist ganz klar die Fokussierung auf den funktionierenden Teil ihres Geschäftsmodells, den Onlinehandel mit Büchern. Durch die gefallene Preisbindung hat ExLibris  als Mediendiscounter stark über den Preis gearbeitet – und war dabei ziemlich erfolgreich. Nach Kennzahlen, die man hört, ist ExLibris in der Schweiz im Online-Handel mit Büchern auf Augenhöhe mit Amazon. Die Frage ist, ob ExLibris auf lange Sicht gegen einen internationalen Riesen mit noch mehr Preisvorteilen aus dem Euroraum mithalten kann. Außerdem überlegt Amazon ja, in die Schweiz zu kommen. Die weitere Entwicklung ist also schwer abzuschätzen. Fakt ist aber: ExLibris ist in der Schweiz im Buchhandel ein ernsthafter Konkurrent von Amazon und wird versuchen, das zu bleiben.

… warum hat es mit den vielen Filialen nicht funktioniert?
Hauptgrund ist der massive Einbruch beim DVD- und CD-Geschäft in den letzten Jahren. Das physische Geschäft im Musik- und Filmmarkt, mit dem Ex Libris noch vor einigen Jahren gut Geld verdient hat, ist praktisch tot. Zulegen konnte Ex Libris einzig im Online-Handel mit gedruckten Büchern, was aber die Verluste nicht kompensieren konnte. Der jüngst kommunizierte Schritt ist also nicht nur ein Schritt zum Onlinehändler mit ein paar wenigen stationären Geschäften, sondern auch ein Schritt vom Medienhändler zum Buchhändler. – Kommt dazu, dass die Ex Libris-Filialen nicht sehr einladend waren. Man hat zwar in den letzten Jahren versucht, diese aufzupeppen. Fakt aber ist: Wir haben in der preisbindungsfreien Schweiz gelernt, dass man im stationären Buchhandel nicht mit dem Preis konkurrieren kann, hier sind andere Qualitäten gefragt: Beratungskompetenz, Auswahl, Dienstleistungsbereitschaft, Einkaufs-Atmosphäre und Kundenbindung müssen stimmen, die Buchhandlungen Kulturorte sein.

Wie viele Buchhandlungen insgesamt wird es in der Schweiz nach den Schließungen noch geben?
In der Deutschschweiz werden es noch knapp 300 sein, inklusive der Läden der Filialisten wie Orell Füssli Thalia, der Buchhaus-Gruppe, Weltbild oder ExLibris.

Welche Entwicklung erwarten Sie für die nächsten Jahre?
Wir müssen uns nichts vormachen: Die Situation für den Schweizer Buchhandel ist schwierig. Wir hatten jetzt vier Jahre in Folge negative Umsätze zu verzeichnen. Trotzdem höre ich aus dem Buchhandel vorsichtig positive Signale. Das hat u.a. damit zu tun, dass der Euro gegenüber dem Franken wieder stärker geworden ist, was den Preiszerfall der letzten Jahre stoppt. Optimistisch stimmt mich auch, dass wir in den letzten Jahren wieder erfolgreiche Geschäftsübernahmen und einige sehr interessante Neugründungen von Buchhandlungen verzeichnen konnten. Ich hoffe, auf flächenbereinigter Basis, auf eine Trendwende noch in diesem Jahr.

Sollte künftig mehr auf Multichannel-Lösungen gesetzt werden?
Mulitchannel klingt immer gut. Aber das ExLibris Beispiel zeigt doch, dass man die verschiedenen Servicekanäle zwar möglichst alle bespielen, sich aber vor allem auf seine Stärken fokussieren muss. Je nachdem, was für ein Geschäftsmodell man hat, bespielt man die verschiedenen Kanäle unterschiedlich intensiv.

Was tut SBVV, um den stationären Buchhandel in der Schweiz zu stärken?
Wir unternehmen Verschiedenes. Einerseits investieren wir seit einigen Jahren in Kurse für Nachfolgeregelungen. Wir haben versucht, Eigentümer von Buchhandlungen, die um 60 Jahre alt sind, zu sensibilisieren, sich frühzeitig um Nachfolge zu kümmern. Das paart sich mit Kursen für Quereinsteiger und Neugründer. Einige aus diesen Kursen haben ein neues Geschäft gegründet oder übernommen. Das hat sich ausbezahlt.

… was plant Ihr Verband für 2018?
In diesem Jahr wollen wir u.a. die bereits 2017 angekündigte Image-Kampagne für den Buchhandel starten. Ziel ist es, die bisherigen Leser und Buchkäufer zu ermuntern, weiter oder wieder im Buchhandel vor Ort einzukaufen, ihnen zu vermitteln, dass das etwas Tolles ist. Und wir haben noch zwei, drei andere Branchenmarketing-Ideen im Köcher, die das Image des Buchhandels als kulturaffine Kompetenzzentren stärken sollen. Entscheidend ist für den Schweizer Buchhandel und auch die Verlage aber immer noch der Euro-Franken-Kurs. Wenn der Euro stärker und der Franken schwächer wird, wirkt sich das sofort positiv auf die ganze Branche aus.

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